Zucker in Limonaden: „alarmierende Ergebnisse“

Über ein Drittel von 463 untersuchten Erfrischungsgetränken enthält mehr als 8 Prozent Zucker. Foodwatch und Kinderärzte fordern eine Zuckersteuer.

Energydrinks

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat 463 Erfrischungsgetränke auf den Zuckergehalt untersuchen lassen. Das Ergebnis: 274 Produkte oder 59 Prozent enthalten mehr als 5 Prozent Zucker. 171 Produkte (37 Prozent) sogar mehr als  8 Prozent. Das zuckrigste Produkt, ein Energydrink, kommt auf 16 Gramm Zucker pro 100 ml. Auch insgesamt zählen die vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebten Energydrinks zu den besonders zuckerhaltigen Getränken.

Die Ergebnisse der Foodwatch-Studie verleihen der schon wiederholt geführten Diskussionen um die Einführung einer Zuckersteuer neuen Schwung. Als erschreckend bezeichnet Dietrich Garlichs die Studienergebnisse. Sie zeigten, "dass die Mehrheit der Hersteller am Übergewicht verdient und Krankheitsfolgen wie Diabetes, Herzkreislauf- und Krebserkrankungen in Kauf nimmt“, kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Diabetesgesellschaft. Auch Frank Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, bezeichnet die Ergebnisse als „alarmierend“. Die Untersuchung von Foodwatch sei der schlagende Beweis für die Notwendigkeit einer Zuckerabgabe und die Einführung einer Lebensmittel-Ampel, schreibt der Thomas Fischbach, der Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Energydrinks enthalten besonders viel Zucker

25 Gramm Zucker pro Tag hält die Weltgesundheitsorganisation WHO für unschädlich. Das entspricht in etwa 8 Stück Würfelzucker. Ein höherer Zuckerkonsum fördert Übergewicht und Diabetes – mit der Folge eines erhöhten Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen von Bluthochdruck bis Herzinfarkt und Schlaganfall.

Den meisten Zucker fand Foodwatch in Energydrinks. Der Hersteller mit den schlechtesten Ergebnissen ist PepsiCo. In der Hitliste der 10 zuckerreichsten Produkte finden sich gleich 8 Produkte des US-Unternehmens. Das mit Abstand zuckerhaltigste Getränk der Studie ist der PepsiCo Energydrink mit dem Namen Rockstar Punched Energy + Guava. Er enthält fast 16 Gramm Zucker je 100 Milliliter (78 Gramm pro 500-ml-Dose). Das entspricht 26 Stück Würfelzucker pro Dose.

Nach Angaben von Foodwatch liegt der durchschnittliche Zuckergehalt aller untersuchten Limonaden und Softdrinks bei 7,5 Prozent. Die Produkte von PepsiCo kommen im Mittel auf 11 Prozent. Aber es sind nicht nur die Cola- und Energydrinks, die durch hohen Zuckergehalt auffallen: So enthält beispielsweise eine traditionelle Rewe-Apfelsaftschorle 6,8 Gramm Zucker pro 100 ml. Und selbst die Bio-Apfelsaftschorle von Rewe sowie fritz-spritz kommen laut Foodwatch auf gesundheitlich bedenkliche auf 6,6 Gramm Zucker pro 100 ml.

Als vergleichsweise zuckerarm erweisen sich Limonaden von Bionade und Lemonaid. Aber auch diese Erfrischungsgetränke enthalten mit um 5 Prozent einen nach Foodwatch zu hohen Anteil an Zucker.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch tritt bereits seit Langem für die Kennzeichnung von gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln ein. Viele Lebensmittelhersteller haben sich verpflichtet, bei Kindern nur für gesunde Lebensmittel zu werben. Laut Foodwatch verstoßen die Hersteller aber in 90 Prozent der Fälle gegen ihre eigenen Vorgaben.

Autor: Charly Kahle

Stand: 31.08.2016

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