Toxoplasmose: Gefahr für Kinder wohl größer als angenommen

Nach Berechnungen des Robert-Koch-Institutes müsste die Zahl der geschädigten Neugeborenen deutlich höher liegen als bislang gemeldet.

Weinender Säugling

Die Infektionskrankheit Toxoplasmose schädigt wahrscheinlich mehr Babys als bislang angenommen. Darauf hat das Robert-Koch-Institut jetzt hingewiesen. Neuen Studien zufolge müssten jährlich etwa 345 Kinder mit Beeinträchtigungen durch Toxoplasmose zur Welt kommen. Aktuell gemeldet werden aber nur zwischen 8 und 23 Fällen pro Jahr.

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten ausgelöst wird. Wenn Mütter sich während der Schwangerschaft erstmals mit dem Parasiten infizieren, kann das zu sehr schweren Schäden beim Baby führen. So können die Kinder beispielsweise mit einem sogenannten Wasserkopf, schweren Hirnschäden und/oder epileptischen Anfällen zur Welt kommen. Auch Fehlbildungen von Auge, Netzhaut, Leber und Milz sind nicht selten.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind etwa 30 Prozent aller Menschen mit dem Parasiten Toxoplasma gondii infiziert. In Deutschland ist – so bestätigen es auch die jüngsten Untersuchungen der RKI-Forscher an mehr als 6.600 Erwachsenen - durchschnittlich etwa die Hälfte der Bevölkerung schon einmal mit dem Erreger in Kontakt gekommen und hat Antikörper dagegen entwickelt.

Nach Angaben des RKI sind ältere Menschen häufiger infiziert als jüngere. Im Osten Deutschlands verzeichneten sie eine höhere Infektionsquote als im Westen. Das könnte mit den Lebensgewohnheiten zusammenhängen: Der Parasit Toxoplasma gondii wird vor allem von Katzen und durch den Verzehr rohen Fleisches übertragen. Die Forscher raten schwangeren Frauen zur Vorbeugung einer Toxoplasmose-Infektion daher, den Verzehr von rohem Fleisch einzuschränken und Katzen tierärztlich auf Toxoplasmose untersuchen zu lassen sowie Vorsicht im Umgang mit Katzen walten zu lassen.

Das RKI regt an zu prüfen, ob Reihenuntersuchungen von Schwangeren auf Toxoplasmose sinnvoll sind. In Frankreich gibt es solche Screenings nach Angaben des RKI bereits. In Deutschland bieten Frauenärzte den Toxoplasmose-Test als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an. Die Kosten in Höhe von bis zu 20 Euro werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

Autor: Charly Kahle

Stand: 07.03.2016

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