Apothekerin

Viele Apotheker missachten offenbar ihre Beratungspflicht. Testkäufe der Verbraucherzentrale NRW (VZ-NRW) ergaben: Beim Verkauf rezeptfreier Schmerzmittel beraten 4 von 5 Apotheken unzureichend.

Für die Testkäufe haben die Verbraucherschützer Tester in 50 Apotheken in Nordrhein-Westfalen geschickt. Die Testkäuferinnen verlangten nach je 3 20-er-Packungen Thomapyrin intensiv. Auf Nachfragen der Apotheker gaben sie außerdem an, sie hätten häufig Kopfschmerzen und würden diese regelmäßig mit Schmerzmitteln behandeln.

In 11 Apotheken Verkauf ohne Beratung

Das Ergebnis: In 39 von 50 Apotheken erhielten die Testkäuferinnen das Schmerzmittel in der gewünschten Menge. In 7 Apotheken verkaufte man wegen pharmazeutischer Bedenken nur eine Packung. Lediglich 1 Apotheke verwies die Testkäuferin an einen Arzt.

In 11 Apotheken sei das Medikament ohne jede Beratung verkauft werden. In 19 Apotheken warnte das Personal vor der dauerhaften und hoch dosierten Einnahme von Schmerzmitteln und riet, einen Arzt aufzusuchen. Und in 14 Apotheken verwiesen die Mitarbeiter darauf, dass Thompyrin intensiv nur begrenzt eingenommen werden dürfe.

VZ: Verhalten der Apotheker „absolut inakzeptabel“

Die Verbraucherzentrale bewertet die Abgabe von Schmerzmitteln zur Selbstbehandlung als absolut inakzeptabel. In mehr als 20 Prozent der Fälle seien die Apotheken der gesetzlich vorgeschriebenen Beratungspflicht nicht nachgekommen. Vor allem die Menge der Medikamente und die Story der Testkäuferinnen hätte das Personal in den Apotheken stutzig machen müssen, so die VZ.

In hohen Dosierungen und bei längerfristigem Gebrauch kann die Wirkstoffkombination in Thomapyrin schwere Leberschäden verursachen oder einen schmerzmittelinduzierten Kopfschmerz auslösen. Unter anderem deshalb ist die Gabe von Thomapyrin intensiv auf maximal 6 Tabletten pro Tag an höchstens 4 aufeinanderfolgenden Tagen begrenzt.

Stiftung Warentest: Wirkstoffkombination aus Thomapyrin wenig geeignet

Die Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein wie in Thomapyrin intensiv ist nach Ansicht der Stiftung Warentest wenig geeignet, um Schmerzen oder Migräne zu lindern. Die Kombination der beiden schmerzhemmenden Wirkstoffe biete keinen therapeutischen Vorteil, erhöhe aber das Risiko von Nebenwirkungen. Die Beigabe von Koffein trage möglicherweise dazu bei, eine Schmerzmittelabhängigkeit beziehungsweise einen schmerzmittelbedingten Kopfschmerz zu begünstigen.