Pflege-TÜV wird ausgesetzt – Künftig Gutachten statt Pflege-Noten

Die Noten für die Bewertung von Pflegeeinrichtungen, den sogenannten Pflege-TÜV, wird es nur noch bis zum Ende des Jahres geben. Der Bund plant Gutachten statt Pflege-Noten.

Krankenhelfer hält die Hand eines Patienten

Die Noten für die Bewertung von Pflegeeinrichtungen, den sogenannten Pflege-TÜV, wird es nur noch bis zum Ende des Jahres geben. Von 2018 an sollen aussagekräftige Gutachten die umstrittenen Pflegenoten ersetzen. Das kündigte der  Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung an. Staatssekretär Karl-Josef Laumann will nach seinen eigenen Worten das neue Begutachtungssystem bis Ende 2017 erarbeiten lassen und 2018 einführen. In der Übergangszeit sollen – vom kommenden Jahr an – kurze Zusammenfassungen des Prüfberichts den Verbrauchern bessere Orientierung geben.

Pflegenoten gescheitert

Die Pflegenoten hatte der Bund vor 6 Jahren eingeführt. Seitdem sind die Bewertungen der Altenheime umstritten. Kritiker bemängelten von Beginn an, dass die Noten die pflegerische Qualität nicht ausreichend darstellen. So ist es Altenheime beispielsweise möglich, schlechte Noten für eine mangelhafte Pflege durch eine vollständige Dokumentation der Behandlung auszugleichen. Durch diese und andere Ausgleichsregelugen ergab sich dann ein landesweiter Notendurchschnitt von 1,3 für die Alten- und Pflegeheime. Eine so gute Pflegenote erscheint nun auch dem Bundesgesundheitsministerium nicht mehr als aussagekräftig. Laumann bezeichnet die Pflegenoten als gescheitert.

Pflegequalitätsausschuss soll kommen

Ein sogenannter Pflegequalitätsausschuss wird nun neue Leitlinien für die Bewertung der Altenpflege erarbeiten. Der Ausschuss soll seine Arbeit Anfang 2016 aufnehmen und bis Ende 2017 ein neues Bewertungssystem schaffen. Dabei soll der neue Pflege-TÜV wissenschaftlichen Kriterien standhalten. Wie das sichergestellt werden kann, ist noch nicht klar. Nach den Worten von Staatssekretär Laumann werden im Pflegequalitätsausschuss nicht nur Politik, Heimbetreiber und Krankenkassen sitzen. Auch Patientenverbände und Organisationen der Pflegeberufe sollen ein Stimmrecht bei den Beratungen erhalten.

Interessenkonflikte in der Altenpflege

Offenkundig sind die Interessenkonflikte in der Altenpflege. Heimbetreiber sehen die Krankenkassen und ihren medizinischen Dienst kritisch. Sie unterstellen den Kassen, zulasten der Patienten zu sparen. Die Kassen wiederum fürchten, die Heimbetreiber würden bei der Pflege sparen, um die Gewinne zu erhöhen. Ein aussagekräftiger Pflege-TÜV wird nach Ansicht von Experten nur zustandekommen, wenn die wirtschaftlichen Interessen von Betreibern und Kassen bei der Erstellung der Bewertungsgrundlagen außen vor bleiben.

Ein gutes Altenheim finden – Tipps vom VdK

Auch wenn die Pflegenoten demnächst abgeschafft werden – bis zur Einführung des neuen Systems müssen Heimbetreiber weiter die Prüfergebnisse des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen veröffentlichen. Der Sozialverband VdK empfiehlt, bei der Suche nach einem guten Altenheim nicht auf die Gesamtnote zu achten, sondern gezielt nach der Bewertung der Pflege und medizinischen Versorgung zu schauen. Schlechte Noten in diesem „Qualitätsbereich 1“ seien ein sicherer Hinweis, das betreffende Heim zu meiden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 08.04.2015

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