Modellprojekt gegen Antibiotikaresistenzen

Der falsche Umgang mit Antibiotika ist eine Ursache dafür, dass immer mehr Keime nicht mehr zu bekämpfen sind. Informieren und aufklären soll nun ein Modellprojekt gegen Antibiotikaresistenzen.

Tablettenarten

Ärzte und Kommunikationsexperten haben in Berlin erste Ergebnisse des Modellprojekts „Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation“, abgekürzt RAI vorgestellt. Demnach sind Antibiotikaresistenzen für 70 Prozent der Deutschen ein wichtiges Thema. Gleichzeitig seien die Wissenslücken über den Umgang mit Antibiotika [[http://www.charite.de/charite/presse/pressemitteilungen/artikel/detail/mit_information_gegen_antibiotikaresistenzen/] aber erheblich, so die Charité in einer Pressemitteilung. Hier setzt das Modellprojekt an: RAI solle gezielt über den Einsatz von Antibiotika informieren und über die Folgen nicht sachgerechten Gebrauchs aufklären.

„Noch sehr große Wissenslücken“

Zum Auftakt des Modellprojektes stellten die RAI-Initiatoren in Berlin die Ergebnisse einer repräsentativen Emnid-Umfrage bei mehr als 1000 Deutschen vor. Ein Ergebnis: Nur ein Viertel der Befragten wusste, dass Antibiotika ausschließlich Bakterien bekämpfen. 37 Prozent hingegen gaben an, dass Antibiotika auch gegen Viren wirksam seien. Die Ergebnisse zeigten, dass es noch sehr große Wissenslücken gebe, so die Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité, Prof. Dr. Petra Gastmeier. 58 Prozent der Befragten gehen laut Umfrage davon aus, dass ihr eigenes Verhalten keinen Einfluss auf die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen hat.

Unsachgemäßer Gebrauch trägt wesentlich zu Antibiotikaresistenzen bei

Tatsächlich aber trägt der unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika erheblich dazu bei, dass das wichtigste Medikament gegen bakterielle Infektionen immer weniger wirksam wird. Und dieser unsachgemäße Gebrauch findet – im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung – vor allem beim Einzelnen statt. Denn bis zu 85 Prozent der Antibiotika werden in der ambulanten Versorgung, in der Regel vom Hausarzt, verschrieben.

Mediziner wissen aus zahlreichen Studien, dass viele Menschen die Einnahmevorschriften für Antibiotika nicht immer befolgen. Sobald sich Symptome bessern, werden die Medikamente häufig abgesetzt oder reduziert. Das trägt dazu bei, dass sich im Körper verbliebene Bakterien anpassen und eine Unempfindlichkeit (Resistenz) gegen das jeweilige Antibiotikum entwickeln und so ihr Überleben sichern. Diese unempfindlichen Bakterien können sich dann leicht verbreiten, beispielsweise über eine ganz einfache Tröpfcheninfektion.

Ärzte verordnen nicht immer das passende Antibiotikum

Zudem können resistente Bakterien Informationen in Form von Genen austauschen. So erhält beispielsweise ein Erreger genetische Informationen über resistenzfördernde Eigenschaften von anderen Bakterien. Damit ist er in der Lage, ebenfalls Schutzmechanismen gegen antibiotische Wirkstoffe zu errichten. Auch der Einsatz von Breitbandantibiotika kann das Resistenzrisiko erhöhen. Deshalb sollten möglichst passende Antibiotika verordnet werden.

Einen weiteren wesentlichen Beitrag zur Resistenzentwicklung leisten Privathaushalte, wenn Antibiotika nicht fachgerecht entsorgt werden. Gelangen die Medikamente mit dem Müll oder Abwasser in die Umwelt, bieten sich Bakterien Gelegenheiten, für das Antibiotikum unempfindlich zu werden. Weitere unbestrittene Ursachen für zunehmende Resistenzen sind beispielsweise der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast oder auch Hygienemängel in Krankenhäusern.

Die Angst vor Krankenhauskeimen ist bei den Deutschen stark verbreitet. 77 Prozent haben Sorge, sich im Krankenhaus mit einem multiresistenten Keim anzustecken. Auch deshalb erarbeitet die Bundesregierung gegenwärtig einen 10-Punkte-Plan gegen Krankenhaus-Keime.

Modellprojekt will alle Zielgruppen ansprechen

Das Modellprojekt RAI soll sich nach Angaben des Robert-Koch-Institutes an alle Beteiligten wenden. RKI-Präsident Lothar H. Wieler sagte, in der Vergangenheit seien Initiativen zu sehr auf einzelnen Zielgruppen ausgerichtet gewesen. Das Versäumte sei nun dringend nachzuholen. Für das Modellprojekt werde man nun Bedürfnisse und Barrieren für die einzelnen Zielgruppen untersuchen. Auf dieser Basis sollen Kommunikationskonzepte entstehen, die einerseits Patienten und Ärzte, aber auch Landwirte und Veterinäre erreichten.

Das Modellprojekt RAI wird vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Das Robert-Koch-Institut und die Berliner Charité sind nur 2 der Beteiligten. Weitere Projektpartner sind das Universitätsklinikums Jena, das Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der Freien Universität Berlin, das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der FU Berlin und die Kommunikationsagentur Lindgrün GmbH.

Autor: Charly Kahle

Stand: 08.02.2016

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