Wieder mehr Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen

10 Prozent mehr Fehlzeiten wegen Burnout und Depression: Nach einem Zwischenstopp 2013 ist der Anteil der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen wieder deutlich gestiegen.

Depression

Die Arbeit bei der Müllabfuhr oder in einer Gießerei geht vor allem auf den Rücken. In der Altenpflege oder im Call Center leidet vor allem die Psyche. So lassen sich 2 Ergebnisse des Fehlzeiten-Reports der AOK zusammenfassen. Insgesamt ist die Zahl der Krankschreibungen wegen Arbeitsunfähigkeit im vergangenen Jahr nahezu stabil geblieben. Sie veränderte sich bei den 11 Millionen Versicherten der allgemeinen Ortskrankenkassen lediglich von 5,1 auf 5,2 Prozent. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei den AOK-Versicherten beträgt 18,9 Tage.

Anteil der Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen deutlich gestiegen

Nach einem Zwischenstopp 2013 ist der Anteil der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen. Ihr Anteil kletterte um fast 10 Prozent. Die Arbeitsunfähigkeit infolge von Depressionen oder Burnout dauert dabei mit 25,2 Tagen mehr als doppelt so lange wie bei körperlichen Erkrankungen (11,9).

Viele Krankheitstage in Altenpflege und Call-Centern

Von diesem Durchschnittswert gibt es in unterschiedlichen Branchen erhebliche Abweichungen nach oben und unten. In der Entsorgungswirtschaft und bei den Energieversorgern verzeichnet die AOK gut 30 Krankentage pro Versicherten. In diesen Branchen sind es vor allem Rückenbeschwerden, die eine Arbeitsunfähigkeit verursachen. Ähnlich hoch ist die Krankschreibungsquote in der Altenpflege und in Call-Centern. In diesen beiden Berufsgruppen sind psychische Erkrankungen überdurchschnittlich oft der Grund für die Krankschreibungen. Die Arbeitsunfähigkeit beträgt hier im Durchschnitt fast 27 Tage.

Forscher leben besonders gesund

Besonders gesundheitsverträglich lebt es sich offenbar in der IT-Entwicklung, in der technischen Forschung und unter Ärzten. Hier liegt der Krankenstand mit etwas über 7 Tagen pro Versicherten besonders niedrig. Noch gesünder sind nur die Mitarbeiter in Forschung und Lehre an den Hochschulen. Sie liegen knapp unter 4 Krankheitstagen.

Vorsorge für Arbeitnehmer 50+

Im Fehlzeiten-Report weist der wissenschaftliche Dienst der Ortskrankenkassen (Wido) darauf hin, dass die demografische Entwicklung am Arbeitsmarkt neue Herausforderungen an die Gesundheitsvorsorge stelle. Der Anteil der über 50jährigen in den Gesundheitsberufen und in der Elektrobranche sei während der vergangenen 10 Jahre um mehr als 70 Prozent gestiegen. Die Branchen Chemie und Kunststoffe verzeichneten demnach 64 Prozent mehr Beschäftigte im Alter von 50+. Ähnlich hoch ist der Anteil in den Sozial- und Gesundheitsberufen (59 Prozent).

Fälle von Arbeitsunfähigkeit nach Fallzahlen, Alter und Krankschreibungsdauer

Die Arbeitgeber seien aufgerufen, für diese Altersgruppe spezifische Vorsorgeprogramme zu entwickeln. Denn einerseits stünden dem Arbeitsmarkt immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung. Andererseits steige die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei einer Krankschreibung mit zunehmendem Alter deutlich an. Für 2013 errechnete der Wido, dass auf Arbeitnehmer über 50 zwar nur ein Drittel der Krankschreibungen, aber 46 Prozent des wirtschaftlichen Wertschöpfungsverlustes entfiel.

Autor: Charly Kahle

Stand: 08.04.2015

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