Studie: Masern-Infektion schwächt das Immunsystem

Eine Impfung schützt zuverlässig vor Masern und möglicherweise auch vor anderen Infektionen, so eine US-Studie. Denn eine Masern-Infektion schwächt das Immunsystem.

Masern

Eine Masern-Impfung schützt nicht nur zuverlässig vor den Masern, sondern möglicherweise auch vor vielen anderen Infektionskrankheiten. Und das bis zu 3 Jahre lang. Diesen Schluss ziehen Forscher der amerikanischen Universität Princeton aus einer neuen Studie, die jetzt im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht wurde.

Das Forscherteam verglich die Daten der Kindersterblichkeit vor und nach Einführung der Masern-Impfung. Ihr Ergebnis: Eine Maserninfektion schwächt das Immunsystem auch Jahre nach der Infektion. Daher sind die Betroffenen deutlich häufiger von Infektionen aller Art betroffen. Die Masernimpfung schütze daher also nicht nur vor den Masern selbst, sondern indirekt auch vor anderen Infektionen.

Mehr Infektionen nach Masernerkrankung

Die Forscher analysierten für ihre Studie Gesundheitsdaten aus England, Wales, Dänemark und den USA. Bei der Auswertung der Ursachen von Kindersterblichkeit entdeckten sie einen Zusammenhang zwischen Maserninfektionen und anderen Infektionen. Die tödlich verlaufenden Infektionen waren bei den geimpften Kindern seltener als bei den Kindern, die eine Maserninfektion durchgemacht hatten. Die Forscher folgern, dass Masern das Immunsystem für bis zu 3 Jahre deutlich schwächen und andere Infektionen so begünstigen.

Kritik: Daten nicht aussagekräftig

Inzwischen gibt es aber auch Kritik an der Princeton-Studie. So wissen Mediziner, dass nahezu jede Infektion das Immunsystem vorübergehend schwächt. Sogenannte Gedächtniszellen gehen bei jeder Immunreaktion verloren. Üblicherweise aber erholt sich das Immunsystem recht schnell. Ein anderer Kritikpunkt an der Studie: Die Daten von vor und nach Einführung der Masernimpfung seien nicht unmittelbar vergleichbar. Immerhin stammten die Daten der Vor-Impfungs-Ära aus der Nachkriegszeit.

Ferner lasse sich anhand der Studie nicht beurteilen, ob tatsächlich die Maserninfektion Ursache der erhöhten Kindersterblichkeit sei. Denn die Impfungen in der Vergleichsgruppe erfolgten in der Regel mit kombinierten Impfstoffen, etwa den MMR-Impfungen gegen Mumps, Masern und Röteln.

Masern-Ausbruch in Deutschland hält an

Unterdessen hält der seit Oktober vergangenen Jahres währende Masernausbruch in Deutschland an. Nach Angaben des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales sind bislang 1.200 Maserninfektionen erfasst. Ein Viertel der Betroffenen habe stationär behandelt werden müssen. Die Zahl der Neuinfektionen gehe zurück, von einem Ende des Ausbruchs könne aber noch keine Rede sein.

Autor: Charly Kahle

Stand: 12.05.2015

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