Vorurteile bestätigt: Männer leben ungesünder

Rauchen, Übergewicht, mehr Alkohol, weniger Arztbesuche. Der 3. Kongress für Männergesundheit hat die Vorurteile bestätigt: Männer leben ungesünder.

Rauchender Mann

Männer sind häufiger übergewichtig als Frauen, trinken mehr Alkohol, rauchen stärker und gehen seltener zum Arzt. Diese geschlechtsspezifischen Vorurteile über männliches Verhalten haben Experten auf dem 3. Kongress für Männergesundheit in zahlreichen Vorträgen und Foren bestätigt.

Depressionen nur unzureichend diagnostiziert und behandelt

Auch zeigen Männer bei psychischen Erkrankungen oft andere Symptome als Frauen und erschweren so eine Diagnose, referierten Experten auf der Veranstaltung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) verwies darauf, dass Männer häufig versuchten, seelische Probleme zu verstecken. Beim Arzt berichten Männer demnach eher von körperlichen Beschwerden als von psychischen Symptomen. Typisch sei auch, dass Männer bei Depressionen eher aggressiv oder gereizt reagieren. Frauen hingegen zeigten deutlich häufiger Traurigkeit und Antriebslosigkeit.

Seltener zum Arzt – aber mehr Medikamente

Insgesamt sei die Gesundheitskompetenz bei Männern weniger stark ausgeprägt als bei Frauen, berichtet die „Ärztezeitung“ über den Vortrag von Professor Gerd Glaesecke. Der Arzneimittelforscher hat herausgefunden, dass Männer seltener zum Arzt gingen, bei diesen Besuchen aber mehr Medikamente verschrieben bekommen als Frauen. Laut Glaesecke erhalten Männer vor allem mehr Medikamente gegen Diabetes, erhöhte Blutfettwerte und zur Gerinnungshemmung. Diese Medikamente werden verschrieben, um das Risiken für die Folgeerkrankungen von Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum zu verringern.

Eine Medikamentengruppe wird Frauen häufiger als Männern verschrieben: Psychopharmaka. Der Unterschied sei so groß, dass schon anhand der Menge von einer Unterversorgung der Männer mit Medikamenten gegen Depressionen beispielsweise auszugehen sei.

Medikamentenmissbrauch stärker ausgeprägt

Medikamentenmissbrauch zur Leistungssteigerung ist laut Glaesecke bei Männern deutlich stärker verbreitet als bei Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der DAK, der zufolge 3 Millionen Arbeitnehmer mit Medikamenten dopen. Der Ratgeber Medikamentensucht: Anzeichen erkennen listet auf, an welchen Symptomen sich eine beginnende Abhängigkeit von Arzneimitteln erkennen lässt.

Autor: Charly Kahle

Stand: 22.02.2016

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