TK übt scharfe Kritik an Wirksamkeit neuer Medikamente

Im aktuellen Innovationsreport der Techniker Krankenkasse bekommt nur 1 von 20 neuen Medikamenten aus dem Jahr 2012 eine grüne Ampel.

Forscher-Reagenzglas

Die Techniker Krankenkasse übt scharfe Kritik an der Pharmaindustrie. Von den 20 neuen Wirkstoffen beziehungsweise Wirkstoffkombinationen, die im Jahr 2012 eingeführt worden waren, bringe nur 1 einen tatsächlichen Nutzen für die Patienten, schreibt die TK im aktuellen Innovationsbericht 2015. Das Medikament Zellboroff zur Therapie von Malignem Melanom habe viele positive Aspekte und sei daher mit einer grünen Ampel bewertet worden, sagte der Bremer Pharmaforscher Professor Dr. Gerd Glaeske bei der Vorstellung des Innovationsreports. 12 Medikamente hingegen hätten eine rote Ampel bekommen, 7 eine gelbe.

Der TK- Vorstandsvorsitzende Jens Baas forderte, auch den Nutzen der bereits auf dem Markt befindlichen Medikamente neu zu bewerten. Nur dann könne der Mehrwert von neuen Medikamenten tatsächlich eingeschätzt werden.

TK: Hersteller forschen nicht mit richtigem Fokus

In ihrem Innovationsbericht wirft die TK den Pharmaunternehmen außerdem vor, ihre Forschung auf Bereiche zu konzentrieren, die eine hohe Rendite versprächen. 9 der 20 neuen Medikamente aus 2012 seien sehr teure Wirkstoffe gegen Krebs. Dagegen habe es nur eine Innovation im Bereich der Antibiotika gegeben. Und dabei handele es sich zudem um ein Antibiotikum, das im Kampf gegen die sich immer weiter verbreitenden Antibiotikaresistenzen keinen Beitrag leisten könne.

Nachrichten über Antibiotikaresistenzen Modellprojekt gegen Antibiotikaresistenzen (News vom 09.06.2015) 10-Punkte-Plan gegen Krankenhaus-Keime (News vom 25.03.2015) Durchfall auf Reisen: Nicht gleich Antibiotika nehmen (News vom 24.07.2015) 77 Prozent der Kassenpatienten fürchten Krankenhauskeime (News vom 28.03.2015).

Die TK kritisiert im Innovationsreport außerdem, dass die Hersteller neue Medikamente gegen seltene Erkrankungen immer häufiger in einem beschleunigten Zulassungsverfahren in den Markt drücken.

AMNOG verfehlt Einsparziele

Das Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) ist vor 4 Jahren in Kraft getreten und sollte den Krankenkassen Einsparungen bei den Medikamentenausgaben in Höhe von jährlich 2 Milliarden Euro bescheren – unter anderem durch eine frühe Nutzenbewertung. Von diesem Ziel ist man weit entfernt. Nach Angaben der TK wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 320 Millionen Euro als Einspareffekt berechnet.

Hersteller weisen Kritik zurück

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie weist die Darstellung der TK zurück. Das AMNOG und die frühe Nutzenbewertung hätten einen wesentlichen Anteil daran, dass neue Medikamente vom Markt genommen werden müssten, ohne dass der tatsächliche Nutzen bewertet werden könne. Oft zeige ein Medikament erst nach längerer Zeit, wie viel Mehrwert es für die Patienten schaffen könne. Dafür lasse das AMNOG keine Zeit. 

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