Kosten des Rauchens: 79 Milliarden Euro

Entlasten Raucher die Gesellschaft von Sozialkosten tatsächlich, weil sie kürzer leben? Das Krebsforschungszentrum Heidelberg sagt: Nein. Es beziffert die Kosten des Rauchens auf 79 Milliarden Euro.

Zigaretten

Raucher verursachen jährlich Kosten in Höhe von 79 Milliarden Euro. Die Summe ergibt sich nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg aus gut 25 Milliarden Euro für die direkten Kosten. Dazu kämen fast 54 Milliarden an indirekten Kosten aus Arbeitsausfällen, Arbeitslosigkeit oder Pflege und Reha.

Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Dr. Tobias Effertz hat für das DKFZ die Daten von 145.000 Versicherten der Techniker Krankenkasse verglichen. Das besondere Augenmerk lag dabei auf dem Vergleich der Krankheitskosten bei Rauchern und Nichtrauchern. Die Raucher identifizierte Effertz im Wesentlichen anhand der Diagnosen. Ihnen wurden alle Kosten zugeschlagen, die sich mit der Diagnose F 17 aus dem ICD-10 zusammenhängen. Der Diagnoseschlüssel F17 steht für psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch Tabak. Die direkten Kosten des Rauchens ermittelt Effertz – vereinfacht ausgedrückt – indem er die durchschnittlichen Kosten der Nichtraucher von denen der Raucher abzieht.

Direkte Kosten des Rauchens

Größter Einzelposten unter den direkten Kosten des Rauchens sind die Kosten für Krankenhausbehandlungen. Raucher haben beispielsweise ein sehr deutlich erhöhtes Risiko für Lungenkrebs und Arteriosklerose sowie die dadurch begünstigten Folgeerkrankungen (Herzinfarkt, KHK oder Schlaganfall). Aber auch das Passivrauchen verursacht nicht unerhebliche Kosten.

Indirekte Kosten des Rauchens

Bislang war man häufig davon ausgegangen, dass zumindest die indirekten Kosten des Rauchens die Sozialkassen entlasten dürften. Der Grund: Raucher sterben statistisch gesehen deutlich früher und nehmen daher beispielsweise weniger Rentenzahlungen in Anspruch. Nach Angaben der DKFZ-Studie ist diese Annahme aber falsch, sie beruhe auf methodischen Fehlern. Raucher zahlten im Gegenteil krankheitsbedingt weniger Rentenbeiträge ein und würden darüber hinaus im Durchschnitt 4 Jahre früher verrentet.

Mit fast 20 Milliarden bildet der sogenannte „Ressourcenverlust durch Mortalität“ den mit Abstand größten Posten der indirekten Folgen des Rauchens. Was ist gemeint? Mit diesem Posten werden die Kosten berechnet, die vor allem durch die geringere Lebenserwartung von Rauchern entstehen. Darin sind unter anderem die Einkünfte zusammengefasst, die Raucher nicht mehr erzielen können. Aber auch Zahlungen in die Sozialsysteme oder Anrechnungen für Erziehungsleistungen oder Ehrenämter finden in diesem Posten Berücksichtigung.

Autor: Charly Kahle

Stand: 21.04.2015

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