Frau beim Stillen

Die steigende Anzahl allergischer Erkrankungen bei Kindern lässt sich offenbar zumindest teilweise durch den Geburtsweg erklären. Amerikanische Forscher des Henry Ford Health Centers fanden heraus: Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, entwickeln deutlich häufiger Allergien als Kinder, die natürlich geboren werden. Gleichzeitig steigt weltweit die Zahl der Kaiserschnitt-Geburten. In Deutschland kommt etwa 1 Drittel der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Etwa 15 Prozent der Eingriffe sind geplant.

Darmflora und Immunsystem

Allergien sind fehlgeleitete Reaktionen des Immunsystems. Das Immunsystem reagiert dabei falsch auf harmlose Reize oder Eindringlinge. Die Entwicklung der Freund-Feind-Erkennung des Immunsystems beginnt spätestens im Moment der Geburt. Eine zentrale Rolle dabei wiederum spielt die Darmflora. Die Zusammenhänge zwischen Darmflora, Immunsystem und Allergieentstehung sind nicht bis ins Detail verstanden. Es gibt aber deutliche statistische Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Allergien und der Zusammensetzung der Darmflora.

Allergierisiko fünffach erhöht

Die amerikanischen Wissenschaftler untersuchten unter anderem eine Gruppe von mehr als 1200 Neugeborenen, die zwischen 2003 und 2007 zur Welt gekommen sind. Dabei fanden Sie heraus: Das höchste Allergierisiko hatten die Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen und in den ersten beiden Lebensjahren einer besonders hohen Zahl an Allergenen ausgesetzt waren. Im Vergleich zu Kindern, die natürlich zur Welt kamen, lag das Allergierisiko bei den Kaiserschnitt-Kindern 5 Mal so hoch.

Fehlende Darmbakterien der Mutter beim Kind

Die hohe Allergierate erklären die Forscher unter anderem damit, dass Kinder bei einer natürlichen Geburt Darmbakterien von der Mutter übernehmen. Diese mütterlichen Darmbakterien und andere Mikroorganismen tragen nach Vorstellung der Forscher dazu bei, dass das Immunsystem der Neugeborenen natürlich stimuliert werde. Kaiserschnitt-Kindern fehle dieser wichtige Impuls.

Stillen als positive Stimulanz

Neben der Übernahme von mütterlichen Immunisierungsreizen bei der natürlichen Geburt gelten Stillen und eine nicht zu saubere äußerliche Umgebung des Kindes den US-Forschern als positive Stimulanzien für ein gesundes Immunsystem.