Junge Frauen nehmen öfter alte Pillen

Junge Frauen bekommen bei der Erstverschreibung einer Antibabypille immer öfter eine Pille mit Gestagenen der 1. oder 2. Generation. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse hat sich der Anteil zwischen 2013 und 2017 von etwa 35 auf nunmehr 59 Prozent erhöht.

Pille

Frauenärzte verschreiben jungen Frauen immer häufiger Antibabypillen, die Gestagene der 1. oder 2. Generation enthalten. Das Nachsehen haben laut Pillenreport der Techniker Krankenkasse (TK) die sogenannten modernen Gestagene der 3. oder 4. Generation. Das hat eine Auswertung der Routinedaten von Versicherten bis 19 Jahren ergeben.

Die TK freue sich, dass der gegenwärtige öffentliche Diskurs über hormonelle Verhütungsmittel wohl zu einem Umdenken geführt habe, so der TK-Vorstandsvorsitzende Dr. Jens Baas. Insbesondere mit Blick auf die Nebenwirkungen sei es erfreulich, wenn bewährte Präparate nun wieder eine größere Rolle spielten. Im Vergleich mit neueren Gestagenen zeichnen sich Pillen mit einem bewährten Gestagen nach gegenwärtigem Stand der Forschung durch ein geringeres Risiko für Thrombosen aus. Die empfängnisverhütende Wirkung hingegen gilt als ebenso zuverlässig.

Besonders stark nachgelassen hat die Verordnung des zu den neueren Gestagenen zählenden Drospirenon. Für diese Präparate sank die Quote der Verschreibungen von 18 Prozent im Jahr 2010 auf nunmehr nur noch 3 Prozent.

Dass neuere Pillen geringer dosiert und schonender seien, bezeichnet Professor Dr. Gerd Glaeske als Mythos. Der Leiter des Zentrums für Sozialpolitik von der Uni Bremen hatte schon 2015 den Pillenreport der TK erarbeitet. Er verweist auch darauf, dass die als neu und modern beworbenen Antibabypillen sehr oft nicht neu seien, sondern bereits seit Jahren am Markt.

Junge Frauen greifen weniger oft zur Pille

Laut Pillenreport leicht rückläufig ist die Zahl der Mädchen und jungen Frauen, die überhaupt mit einer Pille verhüten. Deren Anteil lag vor 3 Jahren (2014) noch bei 74 Prozent. 2 Jahre später (2016) ist der Anteil der Pillennutzerinnen auf 68 Prozent gesunken. Gestiegen sei hingegen der Anteil der Frauen, die mit Hormonspiralen, Depotpflastern oder Implantaten hormonell verhüten.

Allerdings sind auch Hormonspiralen nicht unumstritten. Die Europäische Arzneimittelagentur prüft gegenwärtig, ob die Hormonspiralen Mirena, Jaydess und Kyleena häufiger als bislang bekannt schwere psychische Nebenwirkungen wie Depressionen, Panikattacken und Schlafstörungen auslösen.

Trendwende auch bei Pillenwechsel

Eine Trendwende macht die TK auch beim Pillenwechsel aus. Demnach wechselten 2013 noch 60 Prozent der Nutzerinnen von einer bewährten Pille zu einem neuen Präparat. Dieser Anteil liege inzwischen nur noch bei 49 Prozent.

Autor: Charly Kahle

Stand: 19.06.2017

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