480 Euro pro Tablette: Neuer Preis für Sofosbuvir

Krankenkassen und Hersteller haben den Streit um das neuartige Hepatitis-C-Medikament Sovaldi (Wirkstoff Sofosbuvir) überraschend schnell beendet. Ab März gilt ein um 25 Prozent reduzierter Preis.

Tabletten Geld

Die gesetzlichen Krankenkassen und das amerikanische Pharmaunternehmen Gilead haben sich auf einen Preis für das neuartige Hepatitis-C-Medikament Sovaldi (Wirkstoff Sofosbuvir) verständigt. Doch die Therapie bleibt sehr teuer: Statt bislang etwa 660 Euro kostet eine Tabelle nun etwa 480 Euro. Für eine erfolgversprechende Behandlung muss das Medikament wenigstens 12 Wochen täglich eingenommen werden. Damit kostet das neue Medikament alleine mehr als 40.000 Euro pro Therapie. Vor der neuen Übereinkunft von Kassen und Hersteller waren es 55.000 Euro.

Patienten hoffen auf Wirkstoff Sofosbuvir

Selten geraten Wirkstoffe so in die Schlagzeilen wie Sofosbuvir. Das hat vor allem 2 Gründe: Sovaldi ist das erste Medikament, dass viele Fälle von Hepatitis C dauerhaft heilen kann – und es ist außergewöhnlich teuer. Deshalb drängten die Krankenkassen auf eine Preisanpassung des Herstellers. Die kam zunächst auch vor einem Schiedsgericht nicht zustande. Umso überraschender war jetzt die Nachricht von der Einigung.

300.000 Deutsche hoffen auf Heilung

Etwa 300.000 Deutsche können von der Behandlung mit Sofosbuvir profitieren, schätzen Experten. Denn sie sind mit genau dem Hepatitis-C-Virus infiziert, gegen den das neue Medikament wirkt. Nach Angaben des Herstellers und ersten Studien besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Sovaldi die Infektion heilt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bescheinigt dem Wirkstoff Sofosbuvir einen erheblichen Zusatznutzen. Gleichzeitig fordert der Ausschuss aber weitere Studien.

Bisherige Therapien konnten die Hepatitis-C nur mit geringer Aussicht auf Erfolg heilen. In den meisten Fällen beschränkte sich der Behandlungserfolg auf die Vermeidung von Komplikationen. Und das zu einem hohen Preis: Wirkstoffe wie Interferon oder Ribavirin verursachen starke Nebenwirkungen in Form von Übelkeit, Erbrechen und Leistungseinbußen. Nicht selten verursachen sie Depressionen und Schlafstörungen, die die Hepatitis-C-Therapie zu einer starken Belastung machen.

Verbreitung von Hepatitis C

In Deutschland gibt es nach Schätzungen etwa 500.000 Menschen mit Hepatitis C-Infektion. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnet jährlich etwa 5000 Neuinfektionen. Die Dunkelziffer gilt allerdings als hoch. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe:

  1. Hepatitis C verläuft meist über sehr viele Jahre ohne nennenswerte Symptome.
  2. Hepatitis C wird unter anderem durch den Gebrauch von infektiösen Injektionsnadeln im Drogenmilieu verbreitet.

Deutschland vergleichsweise gering betroffen

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind weltweit etwa 150 Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert. Das entspricht etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung. Deutschland zählt zu den Ländern mit einem vergleichsweise geringen Anteil an Hepatitis-C-Infektionen (ca. 0,4 Prozent).

Spätfolgen: Leberkrebs und Leberversagen

Etwa 80 Prozent der mit dem Hepatitis-C-Virus infizierten Menschen erkranken tatsächlich. Hepatitis C verläuft sehr langfristig. 15 bis 30 Jahre nach der Infektion kommt es häufig zu Leberzirrhose oder Leberkrebs. Bei ungünstigem Verlauf wird eine Lebertransplantation unumgänglich.

Autor: Charly Kahle

Stand: 09.11.2015

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