Augenärzte: Allen Patienten Glaukom-Vorsorge anbieten

Der Weltkongress der Augenärzte empfiehlt allen Menschen ab 40 Jahren, beim Besuch des Augenarztes die Möglichkeiten der Glaukomfrüherkennung zu nutzen.

Grüner Star Behandlung

Glaukom oder grüner Star ist eine schleichende Erkrankung des Auges, die unbehandelt bis zur Blindheit führen kann. Der Weltkongress der Augenärzte hat nun eine internationale Leitlinie beschlossen, nach der Augenärzte alle Patienten über 40 über das Glaukom aufklären und Früherkennungsuntersuchungen anbieten sollen.

Das Glaukom ist eine tückische Erkrankung. Sie entwickelt sich in aller Regel sehr langsam – und über lange Zeit ohne für den Betroffenen wahrnehmbare Symptome. Wenn es dann zu wahrnehmbaren Krankheitszeichen kommt, ist es für eine erfolgreiche Behandlung mitunter schon zu spät. Das Sehvermögen kann unwiederbringlich gestört sein, auch der totale Verlust ist möglich. Glaukome oder grüner Star sind die häufigste Ursache für Erblindung in den westlichen Industrienationen. Umso wichtiger ist eine Früherkennung von Glaukomen.

Kleine flächendeckende Vorsorge notwendig, aber gezielte Aufklärung

Der Weltkongress der Augenärzte sieht gegenwärtig keine Notwendigkeit für eine flächendeckende Glaukomvorsorge. „Augenärzte sollten vielmehr alle Patienten ab dem 40. Lebensjahr beim Praxisbesuch eingehend über den grünen Star und eine Glaukomvorsorge anbieten“, erläutert Professor Dr. Bernd Bertram, der 1. Vorsitzende des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands, die neue Leitlinie zur Glaukomvorsorge. Dabei komme es vor allem darauf an, über die Risikofaktoren aufzuklären. Als einer dieser Risikofaktoren gilt erhöhter Augeninnendruck. Das Messen des Augeninnendrucks allein aber sei kein ausreichendes Mittel, ein Glaukom festzustellen oder auszuschließen, so Bertram. Um eine aussagekräftige Prognose treffen zu können, müsse auch der Sehnervenknopf untersucht werden. Dazu betrachtet der Augenarzt den Sehnerv mithilfe einer sogenannten Spaltlampe. In vielen Augenarztpraxen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, die Augen digital untersuchen zu lassen.

Bei einem begründeten Verdacht auf Glaukom wird die Diagnostik fortgesetzt, beispielsweise durch eine Messung der Hornhautdicke oder die Untersuchung des Gesichtsfelds. Bei der letztgenannten Untersuchung wird geprüft, wie weit das Sehfeld reicht.

Nach den Worten von Brandt bietet der Glaukom-Check eine gute Chance, Glaukome zu erkennen, bevor es zu schweren Ausfällen komme. Je früher die Symptome erkannt werden, umso besser sind die Aussichten, dauerhafte Schäden mit einer Behandlung des Glaukoms [grüner Star Behandlung] durch Augentropfen, Laserbehandlung oder Augenoperation zu verhindern.

Die Glaukomfrüherkennung ist nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten, sondern wird in der Regel als individuelle Gesundheitsleistung. Kritiker bemängeln, dass dabei zu oft nur die allein nicht ausreichend aussagekräftige Messung des Augeninnendrucks angeboten wird. Auch wird nach Angaben der Stiftung Warentest in vielen Augenarztpraxen nicht angemessen und gesetzeskonform über die Untersuchung informiert.

Autor: Charly Kahle

Stand: 24.05.2016

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