Joghurt mit Beeren

18 Monate lang haben 56 Kinder mit Erdnussallergie unter Beobachtung australischer Forscher am Murdoch Childrens Research Institute in Melbourne täglich Erdnusseiweiße zu sich genommen. Gleichzeitig bekam die Hälfte der Kinder probiotische Bakterien vom Typ Lactobacillus rhamnosis. Das Ergebnis: Am Ende des Testzeitraumes zeigten 82 Prozent der Kinder aus der Lactobacillus-Gruppe keine allergische Reaktion mehr auf die Erdnüsse. In der Kontrollgruppe hatte nur eines der 28 Kinder (3,6 Prozent) eine Verträglichkeit von Erdnussproteinen entwickelt.

Bislang ist aber unklar, ob dieser Effekt auch nachhaltig ist. Um das zu klären, sind nach Angaben der Forscher weitere Studien nötig. Bis dahin bleibt das Meiden von Erdnüssen die einzige Möglichkeit, sich gegen potenziell tödlich allergische Schocks zu schützen.

Bakterien wie aus 20 kg Joghurt täglich

Ihre Ergebnisse seien aber keine Ermutigung für Selbstbehandlungsversuche mit probiotischen Joghurts, warnen die Forscher. Während der Studie hätten viele Kinder allergische Symptome gezeigt, die behandelt werden mussten. Außerdem ist der Therapieansatz mit Joghurt nicht umzusetzen: Um die den Versuchen entsprechende Menge an probiotischen Bakterien aufzunehmen, müssten Kinder 20 kg Joghurt täglich essen.

Lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock

Allergische Reaktionen auf Erdnüsse gehören zu den gefährlichsten Lebensmittelallergien. Denn schon Spuren der Erdnuss lösen bei einem Teil der Betroffenen starke Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock aus.

Etwa 10 Prozent der deutschen Schulkinder zeigen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Allergie (DGPA) eine positive Reaktion bei Erdnussallergietests. Das bedeute allerdings noch nicht, dass die Kinder überhaupt oder mehr als nur leicht allergisch reagieren, so die Experten.

Für eine kleine Gruppe dieser Kinder aber kann die Erdnussallergie tatsächlich lebensgefährlich werden. Bei etwa 1 bis 3 Prozent der allergischen Kinder droht ein anaphylaktischer Schock. Diese schwere allergische Reaktion mit Atemnot und Blutdruckabfall bis zum Kreislaufschock ist lebensgefährlich. In den USA verursachen Erdnüsse nach Angaben der DGPA zwei Drittel aller Todesfälle durch Anaphylaxie.

Erdnussallergie ist besonders tückisch

Das besonders Tückische an der Erdnussallergie: Schon kleinste Spuren der Erdnuss können die starken Reaktionen auslösen. Da Erdnüsse und ihre Bestandteile in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten sind, ist eine Ernährungsberatung für Eltern und Kinder unumgänglich. Denn der einzige zuverlässige Schutz vor einer lebengefährdenden allergischen Reaktion ist die Erdnuss-Karenz, also keine Erdnüsse zu sich zu nehmen. Deshalb sollten Betroffene immer die Zutatenliste von Lebensmitteln lesen. Auch Erdbeereis, Milchschokolade, Kekse, Speisöle oder Pizzen können Spuren von Erdnüssen enthalten. 

Das Murdoch Childrens Research Institute in Melbourne, das die Studie zur Erdnussallergie veröffentlicht hat, zählt zu den anerkanntesten Instituten für Kindergesundheit in Australien. Es ist mit dem Royal Children’s Hospital und der Universität Melbourne verbunden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 03.02.2015