DAK: 3 Millionen Arbeitnehmer dopen mit Medikamenten

Etwa 3 Millionen deutsche Arbeitnehmer haben sich schon wenigstens ein Mal mit verschreibungspflichtigen Medikamenten gedopt.

Tablettenarten

Die Medikamente werden eingesetzt, um die Leistungsfähigkeit zu fördern oder Stress abzubauen. Das berichtet die Krankenkasse DAK in ihrem Gesundheitsreport „Update: Doping am Arbeitsplatz“. Nach Angaben der DAK dopt sich mindestens 1 Million Arbeitnehmer regelmäßig.

Pharmakologischen Neuro-Enhancement um fast 50 Prozent gestiegen

Der Anteil der Arbeitnehmer, die Medikamentenmissbrauch betreibt, ist laut DAK-Studie innerhalb von 6 Jahren um fast 50 Prozent gestiegen: von 4,7 Prozent im Jahr 2008 auf nunmehr 6,7 Prozent (2014). Außerdem sei von einer hohen Dunkelziffer von bis zu 12 Prozent auszugehen. Nach den Hochrechnungen der DAK haben etwa 5 Millionen Arbeitnehmer leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikament zum pharmakologischen Neuro-Enhancement eingesetzt. Als pharmakologisches Neuro-Enhancement bezeichnen Mediziner den Missbrauch von Medikamenten zur Leistungssteigerung. Umgangssprachlich hat sich der Begriff Hirndoping durchgesetzt.

Beruhigungsmittel und Antidepressiva weit verbreitet

Am häufigsten missbrauchen Arbeitnehmer verschreibungspflichtige Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe. 60,6 Prozent greifen unter anderem zu Methylphenidat (besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin) oder Modafinil. Modafinil ist ein synthetischer Wachmacher, der unter anderem gegen Narkolepsie eingesetzt wird.

Zur Stimmungsaufhellung setzen 34 Prozent der Hirndoper Medikamente gegen Depressionen ein. 11 Prozent nehmen Betablocker, um mit Stress umzugehen. Diese Medikamente sind eigentlich für die Behandlung von Bluthochdruck vorgesehen.

Hirndoping auf Rezept

Über die Hälfte der dopenden Arbeitnehmer bekommt die Rezepte vom Arzt. Etwa 14 Prozent spannen Familie, Freunde und Bekannte in die Beschaffung der Medikamente ein. Jeder Zwölfte besorgt sich Substanzen für das pharmakologisches Neuro-Enhancement im Internet.

Männer dopen mehr als Frauen

Beim Hirndoping ist der Anteil der Männer insgesamt größer als der der Frauen. Männer nutzen vor allem leistungssteigernde Medikamente, damit sie im Job besser vorankommen. Ein Ziel des Hirndopings bei Männern ist laut DAK aber auch, mehr Energie für Freizeit und Familie zu haben. Frauen greifen laut der Studie vor allem Medikamenten, um sich die Arbeit zu erleichtern und emotional stabil zu bleiben.

Hirndoping-Quote steigt mit sinkender Qualifikation

In der öffentlichen Wahrnehmung sind es vor allem Spitzenkräfte, die mit Doping zu immer größeren Zielen streben. Die Zahlen der DAK sprechen eine andere Sprache. Arbeitnehmer mit Führungsaufgaben dopen deutlich seltener als Arbeitnehmer, die mit einfachen Tätigkeiten befasst sind. Bei den Gering-Qualifizierten beträgt die Quote des Medikamentenmissbrauchs 8,5 Prozent. Bei hoch qualifizierten Arbeitnehmern hingegen liegt sie bei 5,1 Prozent – und damit unter dem Durchschnitt.

Studie erfasst nur Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente

Für die Studie analysierte die DAK Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen Versicherten. Außerdem befragte die Krankenkasse 5000 Arbeitnehmer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Erfasst wurde dabei ausschließlich der Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente.

Den Einsatz beziehungsweise Missbrauch rezeptfreier Medikamente erfasst die Studie nicht. Solche Medikamente sind beispielsweise pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian, Hopfen und Ginkgo. Auch anregende oder stimmungsaufhellende Präparate aus Koffein oder Johanniskraut und Schmerzmittel sind in der Arbeitswelt durchaus verbreitet, von der Studie aber nicht erfasst.

Der Einsatz von legalen Drogen wie Nikotin und Alkohol sowie illegalen Drogen wie Kokain, Amphetaminen oder Heroin waren ebenfalls nicht Gegenstand der Untersuchung.

DAK: Anlass zur Sorge

DAK-Vorstandsschef Herbert Rebscher bezeichnet die Ergebnisse der Studie als Alarmsignal. Doping am Arbeitsplatz sei aber gegenwärtig auch noch kein Massenphänomen. Rebscher warnt vor der Entwicklung. Eine Million Arbeitnehmer habe sich in der Studie als aufgeschlossen für Hirndoping bezeichnet. Und: Hirndoping sei alles andere als harmlos. Suchtgefahren und Nebenwirkungen der Medikamente seien nicht zu unterschätzen.

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