Studie: Gängige Medikamente erhöhen Alzheimer-Risiko

Anticholinergika sind Medikamente, die als Standardtherapie bei überaktiver Blase, aber auch bei Reisekrankheit und Erbrechen eingesetzt werden. Nun wird eine neue Nebenwirkung bekannt: Anticholinergika können das Risiko für eine Alzheimer-Demenz erhöhen

Alzheimer

Sogenannte Anticholinergika können offenbar das Risiko für eine Alzheimer-Demenz deutlich erhöhen. Anticholinergika sind Medikamente, die gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden. Frei verkäuflich sind sie als Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen sowie als Mittel zur Einschlafhilfe erhältlich. Noch häufiger werden sie gegen Blasenschwäche und Depressionen verschrieben.

Demenzrisiko steigt mit Dauer der Einnahme

Die Nachricht von den schwerwiegenden Folgen der Behandlung mit Anticholinergika stammt aus den USA. An der Universität Washington beobachtete eine Forschergruppe bei einer Gruppe von 3500 Patienten im Alter ab 65 Jahren den Zusammenhang von Demenzentwicklung mit der Einnahme von Anticholinergika. Das Ergebnis: Schon ab 91 Tagesdosen Anticholinergika stieg das Demenzrisiko um 19 Prozent. Etwas höher noch liegt der Wert bei einer 1- bis 3-jährigen Einnahme (23 Prozent). Studienteilnehmer, die mehr als 3 Jahre lang Anticholinergika eingenommen hatten, hatten ein um 54 Prozent erhöhtes Risiko, eine Demenz zu entwickeln.

Die Studienteilnehmer zeigten zu Beginn der Beobachtung keine Anzeichen von Demenz. Während des Beobachtungszeitraumes (im Durchschnitt etwas mehr als 7 Jahre) entwickelte knapp ein Viertel der Beobachteten eine Demenz. In 80 Prozent dieser Fälle erkrankten sie an Alzheimer.

Anticholinergika auch freiverkäuflich

Anticholinergika sind Medikamente mit einem sehr breiten Wirkspektrum. Das frei verkäufliche Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen Diphenhydramin (das früher auch als Mittel gegen Heuschnupfen eingesetzt wurde) beispielsweise ist ein Anticholinergikum. Weitaus häufiger werden Anticholinergika in Form von trizyklischen Antidepressiva wie Doxepin gegen Depressionen oder als Muscarin-Antagonisten wie Oxybutynin gegen Inkontinenz und Blasenschwäche eingesetzt.

Wirkung von Anticholinergika auf Gedächtnis schon bekannt

Die Wirkung von Anticholinergika auf die geistige Leistungsfähigkeit ist schon seit Längerem bekannt. Bislang waren die Experten aber davon ausgegangen, dass die negativen Nebenwirkungen auf das Gehirn sich nach der Behandlung zurückbilden. Diese These ist durch die aktuellen Studienergebnisse zumindest erschüttert.

Studienautoren empfehlen Medikamentenwechsel

Angesichts des Demenzrisikos empfehlen die Studienautoren, von Anticholinergika auf andere Wirkstoffe auszuweichen. In der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen oder Reisekrankheit mit frei verkäuflichen Wirkstoffen sind beispielsweise pflanzliche Mittel wie Ingwerwurzel oder Artischockenblätter eine Alternative.  Anstelle trizyklischer Antidepressiva könnten selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder andere Wirkstoffe eingesetzt werden. Bei überaktiver Blase und Harninkontinenz können Darifenacin oder Phenoxybenamin eine Alternative sein.

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