Vor allem Eltern erhöhen das Allergierisiko für Kinder

Die Erbanlagen der Eltern, Passivrauchen und überbordende Hygiene erhöhen das Allergierisiko bei Kindern.

Kind mit Asthma

Allergien der Eltern, Passivrauchen und überbordende Hygiene sind allem Anschein nach die stärksten Risikofaktoren für die Entwicklung von Allergien bei Kindern. Den oft behaupteten Schutz vor Allergien durch das Stillen mit Muttermilch konnten die Forscher des sozialmedizinischen Institutes der Berliner Charité nicht bestätigen, obwohl andere Studien durchaus einen schützenden Effekt vor Allergien nachgewiesen haben. Auch Impfungen oder der frühe Kontakt mit Haustieren führen demnach nicht zu einer erhöhten Allergieneigung.

Für ihre Ergebnisse hatten die Berliner Wissenschaftler Daten der Multizentrischen Allergie Studie (MAS) ausgewertet. In dieser Studie wurden mehr als 1.300 Kinder über einen Zeitraum von 20 Jahren engmaschig beobachtet. Am Ende der Studie waren noch 72 Prozent der Teilnehmer dabei. Während des Studienzeitraums erkrankten 290 Teilnehmer an allergischem Schnupfen, in der Blütensaison besser bekannt unter der Bezeichnung Heuschnupfen. 121 Kinder mit allergischem Schnupfen erkrankten zusätzlich an allergischem Asthma.

Gene und Hygiene verursachen die meisten Allergien

Bei der Suche nach den Ursachen für die Allergieneigung machten die Wissenschaftler mehrere Faktoren aus. Einer der wesentlichen Risikofaktoren sind die Gene der Eltern – allerdings wirken sich die Erbanlagen bei verschiedenen Allergien sehr unterschiedlich aus. Demnach steigt das Risiko für allergischen Schnupfen bei Kindern auf das Drei- bis Vierfache, wenn ein oder beide Elternteile ebenfalls an allergischem Schnupfen leiden. Sind die Eltern Asthmatiker, bestehe ein dreifach erhöhtes Risiko, dass die Kinder selbst Asthma bekommen. Leiden die Eltern an Neurodermitis, ist das Risiko der Kinder in etwa verdoppelt, dass auch sie an dem atopischen Ekzem erkranken.

In der Öffentlichkeit wird häufig über die allergieschützenden Effekte des Stillens auf das Allergierisiko berichtet. Diesen Effekt konnten die Charité-Forscher nicht bestätigen. Danach schützt Muttermilch nicht vor Allergien. Dennoch sei Muttermilch für Kinder aus ernährungsphysiologischen Gründen die beste Wahl. Überraschenderweise ergab die Auswertung der MAS-Daten auch keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Haustierhaltung und Impfungen und einem erhöhten Allergie-Risiko. Vielmehr scheinen die Kinder von Tieren im näheren Umfeld oder auch von der Masern-Mumps-Röteln-Impfung und der Tuberkulose-Schutzimpfung in Form eines geringeren Allergierisikos zu profitieren.

Rauchende Mütter gefährden die Kinder

Allergische Eltern und Mütter, die regelmäßig rauchen, gefährden ihre Kinder am stärksten. Das Passivrauchen erhöht dabei das Risiko um ein fünffaches, dass Kinder in den ersten 10 Lebensjahren an Asthma erkranken. Daher appellieren die Studienbetreuer auch, dass elterliches Rauchen auf jeden Fall verhindert werden sollte.

Forscher empfehlen frühen Kontakt mit möglicherweise allergieauslösenden Stoffen

Auf Grundlage der MAS-Daten empfehlen die Berliner Mediziner, Eltern sollten nicht auf bestimmte Lebensmittel verzichten und keine übertriebene Hygiene betreiben. Demnach bilden die meisten Kinder keine Antikörper gegen Pollen, Kuhmilch, Hühnereiweiß oder Tierhaare, wenn sie früh genug damit konfrontiert werden. Der Körper lernt so die fremden Stoffe frühzeitig kennen und stuft sie als harmlos und nicht gefährlich ein. Also muss das Immunsystem auch keine abwehrenden Antikörper gegen Pollen, Tierhaare und Co. entwickeln – und eine Allergie bleibt aus.

Erst vor Kurzem hatte eine internationale Forschergruppe Ergebnisse vorgestellt, nach denen Tierstaub und das neu entdeckte Enzym A 20 eine wesentliche Rolle bei der Allergie-Entwicklung spielen. Danach ist für die Entstehung von Allergien oder Asthma entscheidend, ob das Enzym A 20 aktiviert wird oder nicht. Und bei der Aktivierung wiederum scheinen Bestandteile von Bakterien eine Rolle zu spielen, die im Staub aus Bauernhöfen mit Tierhaltung reichlich vorhanden sind. Wird das Enzym A 20 nämlich aktiviert, schützt es vor der Entwicklung von Allergien und Asthma.

Autor: Charly Kahle

Stand: 08.12.2015

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