Studie: Keine positiven Effekte von Alkohol

Ob Bier, Wein oder Whiskey: Immer wieder machen Nachrichten von der gesunden Wirkung des Alkohols die Runde. Britische Wissenschaftler haben nachgeforscht und stellen fest: Das „gesunde Gläschen“ ist wohl ein Rechenfehler.

Alkohol Zigarren

Bier schützt vor Demenz, Rotwein verlängert das Leben und Schnaps fördert die Verdauung: Wahrscheinlich kennen auch Sie ein paar solcher Meldungen über die vermeintlich positive Wirkung von Alkohol. Eine neue Studie nimmt Genusstrinkern zumindest ein Argument in Sachen „gesundes Gläschen“. Danach sind Meldungen über eine lebensverlängernde Wirkung von Alkohol wohl auf Rechenfehler zurückzuführen.

18.000 Menschen 10 Jahre lang zu Trinkgewohnheiten befragt

Wissenschaftler des University Colleges London wollten wissen, ob geringe Mengen Alkohol tatsächlich einen positiven Effekt auf die Lebenserwartung haben. Also befragten sie mehr als 18.000 Engländer 10 Jahre lang einmal jährlich zu ihren Trinkgewohnheiten. Alle Teilnehmer der Studie waren zu Beginn der Befragung älter als 50 Jahre.

Lebenserwartung: Keine Vorteile für Wenig-Trinker

Das Ergebnis der britischen Studie: Während des Befragungszeitraumes starben etwas mehr als 400 der Teilnehmer. Der Vergleich von Nicht-Trinkern und Wenig-Trinkern ergab: Es gibt keinen deutlich erkennbaren Unterschied in der Lebenserwartung.

Methodische Fehler in vielen Studien

Warum aber gibt es so viele Studien, die positive gesundheitliche Effekte von Alkohol nachweisen sollen? Die britischen Forscher erklären das mit der Herangehensweise dieser Studien. Bisher sei beispielsweise nicht berücksichtigt worden, wenn Menschen nach einer Zeit als Trinker auf Alkohol verzichten. So seien ehemalige Trinker mit einem stark erhöhten Risiko für Folgeschäden in die Vergleichsgruppe der Nicht-Trinker gerutscht. Dort verzerrten sie die statistische Lebenserwartung der Nicht-Trinker nach unten.

Ein weiteres Problem: Andere Risikofaktoren müssen aus den Studien rausgerechnet werden, um den Einfluss von Alkohol auf die Lebenserwartung zu bestimmen. Ob Rauchen, Übergewicht oder erbliche Einflüsse: Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die eine tatsächlich saubere Zuordnung der Riskofaktoren zur Lebenserwartung erschweren – und Interpretationsspielräume lassen.

Statistische Erfassung ist keine kausale Kette

Die Studien stellen ferner lediglich einen statistischen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Lebenserwartung her. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der Alkoholkonsum tatsächlich für den beobachteten Effekt verantwortlich ist. Es gibt also keine nachvollziehbare kausale Kette für den Zusammenhang von leichtem Alkoholkonsum und Lebenserwartung.

Im Fall von Alkohol erscheint es deutlich plausibler, dass Menschen mit einem geringem Alkoholkonsum etwa auf ihre Ernährung achten. Und damit ähnlich gesund leben wie Nicht-Trinker.

Gesundheitliche Risiken offensichtlich

Offensichtlich hingegen ist, dass starker Alkoholkonsum die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Leberschäden, Demenz oder Herzkreislauferkrankungen: Die Liste der Folgeschäden von kritischem Alkoholkonsum und Alkoholismus ist lang. In Deutschland gelten etwa 2 Millionen Menschen als alkoholabhängig. 10 Millionen Deutsche haben nach Schätzung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung einen kritischen Alkoholkonsum. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Alkohol zu den 10 größten Gesundheitsrisiken.

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