10-Punkte-Plan gegen Krankenhaus-Keime

Der Bund will bis zum Sommer eine Verordnung erlassen, um die Hygiene in Kliniken zu verbessern. In der Abstimmung unter den Ressorts ist ein 10-Punkte-Plan gegen Krankenhaus-Keime.

Krankenhauskeime

Die Bundesregierung wird voraussichtlich noch in diesem Jahr einen 10-Punkte-Plan gegen Krankenhauskeime verabschieden. Eine entsprechende Verordnung ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in der Abstimmung.

Nach übereinstimmenden Medienberichten sollen unter anderem Risikopatienten bei der Aufnahme verpflichtend auf multiresistente Erreger untersucht und die Meldepflichten für gefährliche Keime verschärft werden. Die Kliniken will das Ministerium laut dem aktuellen Stand der Beratungen verpflichten, verständliche Informationen über die Hygiene-Standards zu veröffentlichen. Das Personal in den Krankenhäusern und Arztpraxen soll zu Fortbildungen im Hygienebereich verpflichtet werden. Außerdem prüfe das Bundesgesundheitsministerium, ob Patienten bei geplanten Eingriffen vorsorglich auf multiresistente Keime untersucht werden könnten.

Der 10-Punkte-Plan könnte aus dem Hygiene-Förderprogramm des Bundes finanziert werden. Der Bund hat mit diesem Programm 365 Millionen Euro bereitgestellt, um die Kliniken bis Ende nächsten Jahres bei der Einstellung von Hygiene-Fachkräften sowie der Fortbildung von Ärzten und Pflegepersonal zu unterstützen.

Angst vor Krankenhauskeimen weit verbreitet

Die Angst vor einer Infektion mit Krankenhauskeimen ist bei den Deutschen weit verbreitet. Laut dem Healthcare-Barometer 2015 sorgen sich 77 Prozent, sich in einem Krankenhaus zu infizieren.[Link News Kassenpatienten mit Arzt-Behandlung unzufrieden]. Anlass für diese Sorge sind die sich mehrenden Berichte über Sterbefälle durch Krankenhausinfektionen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass 10.000 bis 15.000 Menschen jährlich sterben, weil sie sich im Krankenhaus mit Keimen infizieren, gegen die kaum noch ein Medikament wirkt.

Immer mehr resistente Krankenhauskeime

Über die genaue Zahl der Krankenhausinfektionen streiten die Experten. Die Bundesregierung geht von 400.000 bis 600.000 Infektionen insgesamt aus. Die überaus meisten dieser Infektionen, etwa 90 Prozent, verlaufen harmlos. Sie sind mit Antibiotika gut und schnell zu behandeln.

Gefährlich wird es allerdings, wenn sich entweder Kinder, sehr kranke oder immungeschwächte Patienten infizieren oder wenn die Keime gegen Antibiotika unempfindlich (resistent) geworden sind. Genau diese Ursachen machen eine strukturierte Bekämpfung von Krankenhauskeimen immer drängender. Das hat folgende Gründe:

  • Immer mehr Menschen werden in immer höherem Alter – und damit weniger leistungsfähigem Immunsystem – operiert.
  • Immer mehr Keime entwickeln Resistenzen gegen Antibiotika. Gründe hierfür sehen Experten in der unangemessenen und häufigen Anwendung beim Menschen, aber auch in der Tiermast.

Das Bundesgesundheitsministerium will Krankenhauskeime nicht nur in Deutschland bekämpfen, sondern auch internationale Programme initiieren. Der Grund dafür ist einfach: Multiresistente Keime verbreiten sich weltweit. In der Uniklinik Kiel starben in diesem Jahr beispielsweise 12 von 31 Menschen, die sich mit dem Bakterium Acinetobacter baumannii infiziert hatten. Dieser Keim spielte zuvor in Deutschland eine vergleichsweise kleine Rolle.

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige