Wermut (Artemisia absinthium)

Wermut kennen die wenigsten als Heilpflanze. Tatsächlich ist es ein gut wirksames Mittel bei Magen-Darm-Beschwerden und Appetitlosigkeit.

wermut

Möglicherweise kennen Sie Wermut, allerdings nicht als Heilpflanze. Weckt die lateinische Bezeichnung Artemisia absinthium eine Assoziation? Genau: Wermut ist die Grundlage für Absinth. Das ist ein Likör, der in den 20iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehr beliebt war und in jüngster Vergangenheit eine Renaissance erlebt hat.

Heilpflanze Wermut (Artemisia absinthium) in Kürze

  • regt Speichelfluss, Magensäureproduktion und Gallenfluss an, löst Krämpfe im Magen-Darm-Bereich
  • bei Gallensteinen und anderen Gallenerkrankungen vor der Anwendung einen Arzt befragen
  • enthält mitunter Thujon, dadurch Vergiftungsgefahr mit epileptischen Anfällen und Gefahr schwerer Nierenschäden
  • als apothekenpflichtige Arznei in der Regel sicher anwendbar
  • nicht in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Allergie gegen Korbblütler anwenden
  • Anwendungsgebiete: Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl, Appetitlosigkeit, unterstützende Behandlung bei Magenschleimhautentzündung (Gastritis).

Nervengift Thujon in Wermut

In den 20iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Absinth wegen seines Thujon-Gehaltes und der damit verbundenen Gesundheitsgefahren verboten. Thujon ist ein Nervengift und kann unter anderem epileptische Anfälle und schwere Nierenschäden verursachen.

Wegen dieser Komplikationen raten Experten noch heute von der innerlichen Anwendung thujonhaltiger Heilpflanzenöle wie Wermutöl oder Salbeiöl ab. Pro Tag sollten nicht mehr als 3 mg Thujon verzehrt werden. Der maximale Grenzwert bei heute zugelassenen Absinth-Getränken beträgt 35 mg Thujon pro Liter.

Keine Wermut-Tinkturen selbst herstellen

Im Internet und einigen Heilpflanzenbüchern finden sich Anleitungen für das Ansetzen einer alkoholischen Wermut-Tinktur. Vom Gebrauch solcher Tinkturen ist dringend abzuraten, weil das Risiko einer Thujon-Vergiftung viel zu groß ist. Deutlicher empfehlenswerter sind Wermut-Zubereitungen und Tees aus der Apotheke oder dem Reformhaus. Bei Angeboten aus dem Internet sind Zweifel angebracht, wenn Herkunft und Unbedenklichkeit des Angebots nicht eindeutig ersichtlich sind.

In der Pflanzenheilkunde wird Wermut vor allem gegen Appetitlosigkeit und bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Wirkstoffe

Als Arznei verwendet werden die Spitzen blühender Wermutzweige. Sie enthalten eine Vielzahl hoch konzentrierter Bitterstoffe. Das sind vor allem Sesquiterpenlactone - und unter diesen das Absinthin. Daneben sind Flavonoide, ätherisches Öl und eine Vielzahl anderer Substanzen vertreten.

Wirkweise

Die Bitterstoffe des Wermuts haben nachgewiesene Effekte auf die Verdauung. Das beginnt schon beim Essen. Bitterstoffe regen die Speichelproduktion an und lösen damit einen Reflex aus. In der Folge schüttet der Körper Magensäure und Galle aus, um die Verdauung anzukurbeln. Das wiederum verstärkt den appetitanregenden Effekt. Wermut ist deshalb ein gutes pflanzliches Heilmittel bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Außerdem regt es die Lebertätigkeit an.

Gleichzeitig hat Wermut allem Anschein nach auch krampflösende Eigenschaften und kann daher die Beschwerden bei krampfbedingten Beschwerden des Darms und der Gallenwege lindern.

Bei Gallensteinen und anderen Gallenerkrankungen sollten Sie vor der Anwendung einen Arzt zurate ziehen. Wermut könnte beispielsweise einen bisher beschwerdefreien Gallenstein zum Wandern bringen und so zu einem Gallengangverschluss führen.

In der Homöopathie wird Wermut dem Ähnlichkeitsprinzip folgend auch gegen epileptische Symptome und Erregungszustände eingesetzt.

Wermut anwenden

Abgesehen von den Gesundheitsgefahren durch Thujon ist Wermut ein sicher und leicht anzuwendendes pflanzliches Heilmittel. Sichere Wermut-Zubereitungen erhalten Sie in der Apotheke. Lesen Sie bitte die Packungsbeilagen und beachten Sie die Anwendungsvorschriften.

Nebenwirkungen

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Zittern, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Muskelkrämpfe können Symptome einer Thujonvergiftung, des Absinth-Rausches, sein. Bei einem entsprechenden Verdacht sollten Sie sofort einen Notarzt verständigen.

Kein Wermut in Schwangerschaft und Stillzeit

Wermut erhöht möglicherweise die Wahrscheinlichkeit von Fehlgeburten. Deshalb sollten Schwangere die Heilpflanze nicht anwenden. Auch die Verwendung in der Stillzeit ist nicht zu empfehlen.

Wechselwirkungen und Anwendungsverbote

Aktuell sind keine Wechselwirkungen von Wermut mit anderen Heilpflanzen oder Medikamenten bekannt.

Rezept für Wermut-Tee

Zur Appetitanregung ist ein Wermut-Tee geeignet. 1 TL geschnittenen Wermut mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Den Tee eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten in kleinen Schlucken trinken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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