Wacholder, Wacholderbeeren (Juniperus communis)

Wacholder wirkt leicht entwässernd und wird daher bei Erkrankungen der Harnwege eingesetzt. Außerdem wirkt er verdauungsfördernd.

Wacholder (Juniperus communis)

Die Heilpflanzen Wacholder hat einen Nutzen, der gleichzeitig für bestimmte Personengruppen problematisch ist: Wacholder regt die Nieren an. Dieser Effekt ist bei einer Durchspülungsbehandlung gegen einfache Harnwegsinfekte gewünscht. Bei Nierenerkrankungen würde die Gabe von Wacholder das Risiko für Komplikationen erhöhen.

Außerdem enthält das ätherische Öl der Wacholderbeeren die Substanzen Terpinen-4-ol und alpha-Pinen. Terpinen-4-ol kann im Fall einer Überdosierung Leber und Nieren schädigen. alpha-Pinen ist wegen seiner hautreizenden Eigenschaften als allergieauslösend bekannt.

Heilpflanze Wacholder (Juniperus communis) in Kürze

  • entwässert, entspannt Muskeln im Darmbereich
  • nicht geeignet für Kinder, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei entzündlichen Nierenerkrankungen und gleichzeitiger Einnahme von synthetischen Entwässerungsmitteln (Diuretika)
  • keine äußerliche Anwendung von Wacholderbeerenöl bei Hauterkrankungen, Fieber, Infektionen, Bluthochdruck oder Herzmuskelschwäche
  • Gefahr der Nierenschädigung bei Überdosierung
  • allergische Hautreaktionen bei äußerlicher Anwendung möglich
  • Anwendungsgebiete: Durchspülungstherapie bei Infektionen der Harnwege, Vorbeugung von Völlegefühl und Sodbrennen, Reizmagen.

Wirkstoffe im Wacholderbeerenöl

Die wirksamen Bestandteile von Wacholder stecken in den Beeren. Neben langkettigen Zuckerverbindungen und Gerbstoffen ist vor allem das ätherische Öl der Wacholderbeeren von therapeutischem Nutzen.

Wacholderbeerenöl enthält die Wirkstoffe Terpinen-4-ol, alpha-Pinen, Sabinen und Mycren.

Entwässernde Wirkung

Terpinen-4-ol regt auf eine bislang nicht erforschte Art und Weise die Nierentätigkeit an. Vermutlich wird das Nierengewebe gereizt und daraufhin vermehrt durchblutet. Damit wirkt Wacholderbeerenöl leicht entwässernd (diuretisch). Diesen Effekt macht man sich bei einer Durchspülungstherapie zunutze. Durch die erhöhte Ausscheidung von Urin sollen Keime aus den ableitenden Harnwegen ausgespült werden. Aufgrund der nicht unerheblichen Risiken ist Wacholder aber nicht als Diuretikum zugelassen.

Durchspülungstherapie

Die Wirkung einer Durchspülungstherapie ist vor allem dann gut, wenn eine sie bei den ersten Anzeichen von Blasenentzündung begonnen wird. Denn zu Beginn der Erkrankung ist die Zahl der Keime noch verhältnismäßig gering. Typischste Symptome einer beginnenden Harnwegs- oder Blaseninfektion sind Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und dunkel verfärbter Urin. Und ganz wichtig: Wird Wacholder zur Durchspülungstherapie eingesetzt, muss reichlich Flüssigkeit getrunken werden.

Bei anhaltenden Beschwerden zum Arzt

Klingen Symptome von Harnwegserkrankungen wie Brennen beim Wasserlassen oder häufiger Harndrang nicht binnen 2 Tagen ab, sollten Sie zum Arzt gehen. Eine Infektion mit Bakterien muss möglicherweise mit Antibiotika behandelt werden. Ein harmloser Infekt der Harnwege kann auch auf die Nieren übergreifen und dort Komplikationen begünstigen.

Wacholder bei Magenbeschwerden und Reizmagen

Eine Sachverständigengruppe, die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, hat Wacholder positive Effekte auf dyspeptische Beschwerden zugeschrieben. Unter diesem Begriff werden unter anderem die Beschwerden des Reizmagen-Syndroms zusammengefasst. Wahrscheinlich ist das alpha-Pinen im Wacholderbeerenöl für den beruhigenden Effekt auf die Darmmuskulatur verantwortlich.

Wirkung auf der Haut

Äußerlich angewendet entfaltet vor allem das alpha-Pinen seine hautreizenden Eigenschaften. Dadurch wird die Durchblutung angeregt. Diesem Effekt schreiben einige Experten eine positive schmerzlindernde Wirkung bei rheumatischen Beschwerden und Gelenkschmerzen zu.

Anwendungsverbote

Wacholder ist wegen der Überdosierungsgefahr und der damit verbundenen Nierenschädlichkeit nicht leicht anzuwenden. Bei entzündlichen Nierenerkrankungen darf die Heilpflanze auf keinen Fall innerlich angewendet werden. Das gilt auch in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern.

Die äußerliche Anwendung als Badezusatz oder Einreibung ist wegen der anregenden Wirkung und der hautreizenden Effekte nicht gestattet bei

  • größeren Hautverletzungen
  • Hauterkrankungen unklarer Ursache
  • Fieber
  • Infekten
  • Bluthochdruck
  • Herzschwäche.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Beim bestimmungsgemäßen Gebrauch sind keine starken Nebenwirkungen zu erwarten. Allerdings kommt es mitunter zu allergischen Hautreaktionen bei der äußerlichen Anwendung.

Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, blutiger Urin, Schmerzen in der Nierengegend sowie ein veilchenartiger Uringeruch deuten auf einen übermäßigen Gebrauch von Wacholder hin. In diesen Fällen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Trinken Sie keinen Alkohol (Verdauungsschnaps) und keine Milch! Dadurch würde sich die Aufnahme der Wirkstoffe in den Blutkreislauf noch erhöhen.

Wacholder kann die Wirkung von Entwässerungsmitteln (Diuretika) verstärken. Vorsichtshalber sollten Sie deshalb Ihren Arzt vor der Anwendung von Wacholder fragen, wenn Sie mit entwässernden Medikamenten behandelt werden.

Zudem steht Wacholder im Verdacht, den Blutzuckerspiegel zu beeinflussen. Daher sollten auch Diabetiker ihren Arzt vor einer Wacholdereinnahme zurate ziehen.

Wacholderbeeren sammeln

Grundsätzlich ist es nicht schwer, Wacholderbeeren zu sammeln. Allerdings ist es ein wenig mühsam, die reifen Beeren vom Baum zu pflücken. Idealerweise schüttelt man sie vom Baum. Wie bei allen Heilpflanzen erfordert auch die Verarbeitung von Wacholderbeeren eine gewisse Kenntnis. Ohne Erfahrung sollten Sie Wacholder nicht selbst verarbeiten.

Dies gilt umso mehr, da Wacholderbeeren leicht mit den Beeren des Sadebaums zu verwechseln sind. Sadebaumbeeren sind sehr giftig. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einer Atemlähmung mit Todesfolge.

Wacholder einkaufen und verwenden

Am einfachsten und sichersten ist die Verwendung von Wacholder-Produkten aus der Apotheke oder dem Reformhaus. Produkte aus dem Internet können aus zweifelhaften Quellen stammen und verunreinigt sein, beispielsweise mit den giftigen Sadebaumbeeren.

Rezept für Wacholder-Tee

1 TL zerdrückte Wacholderbeeren mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Abgießen und 1 bis 2 Tassen täglich bei Verdauungsbeschwerden, 3 Tassen bei Harnwegsinfekten trinken. Im Rahmen einer Durchspülungstherapie mindestens 3 Liter zusätzliche Flüssigkeit trinken, beispielsweise Kräutertees, Saftschorlen oder Wasser.

Rezept für Wacholder-Einreibungen

100 Gramm Wacholderbeeren zerdrücken und in einer Flasche mit 500 ml Alkohol (70%) übergießen. 14 Tage ziehen lassen, die Flasche dabei häufig schütteln. Dann abgießen und umfüllen. Dieser alkoholische Auszug ist für die äußerliche Anwendung bei Einreibungen oder Abklatschungen gedacht. Von einer – in Büchern und dem Internet häufig empfohlenen – inneren Anwendung ist wegen der Vergiftungsgefahr abzuraten.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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