Sennes (Cassia angustifolia)

Sennes ist ein planzliches Abführmittel und regt die Darmtätigkeit an. Hier finden Sie mehr über Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen von Sennesblättern.

Sennes (Cassia angustifolia)

Abführmittel haben einen riesigen Markt. Viele Verbraucher sind sich dabei der Gefahr bewusst, dass Abführmittel nicht nur erwünschte Wirkungen haben. Deshalb greifen immer mehr Menschen zu pflanzlichen Abführmitteln wie Sennesblättern, Faulbaumrinde oder Aloe. Diese gelten als sanft und gut verträglich. Und die Werbung tut ein Übriges, um diese Annahme zu bestätigen.

Tatsächlich aber sind viele pflanzliche Abführmittel schon nach kurzer Anwendung nahezu ebenso schädlich wie klassische Medikamente gegen Verstopfung. Das gilt auch für Sennesblätter und Sennesfrüchte – und das unabhängig von der Darreichungsform. Sennesfrüchte werden jedoch häufig besser vertragen als Sennesblätter.

Heilpflanze Sennes (Cassia) in Kürze

  • weicht den Stuhl auf, erleichtert die Ausscheidung
  • Abführmittel immer nur kurzfristig einsetzen, Gefahr der chronischen Verstopfung
  • nicht anwenden bei Erkrankungen des Magen-Darm-Bereichs oder Bauchschmerzen ohne klar erkennbare harmlose Ursache
  • in Schwangerschaft und Stillzeit nicht geeignet
  • verringerte Wirkung von anderen Medikamenten durch beschleunigte Darmpassage
  • Anwendungsgebiet: Verstopfung, Darmreinigung zur Operationsvorbereitung, Erleichterung des Stuhlgangs bei rektal-analen Wunden wie Analfissuren und Hämorrhoiden.

Wirkstoffe im Sennes

Die Wirkstoffe des Sennes stecken in den Blättern und Früchten. Als besonders wirksam gelten die sogenannten Sennoside A bis F. Außerdem enthalten Sennesblätter und Sennesfrüchte Schleimstoffe, ätherisches Öl und wirksame Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide). Für medizinische Zwecke werden 2 Sennesarten verwendet:

  • Tinnevelly-Sennes (Cassia angustifolia)
  • Alexanderiner-Sennes (Cassia senna)

Wirkweise von Sennesblättern

Sennesblätter sorgen dafür, dass sich der Darminhalt verflüssigt und so leichter abgeführt werden kann. Außerdem regen sie die Darmtätigkeit an.

Aufweichende Wirkung

Für die aufweichende Wirkung sind die Sennoside verantwortlich. Sie werden im Darm von Mikroorganismen zu Anthranoiden aufgespalten. Diese sorgen dafür, dass weniger Salze und Mineralien aus dem Darm in den Körper gelangen. Dadurch wirken Sennesblätter der Verfestigung des Stuhls entgegen. Diesen Effekt unterstützen wahrscheinlich auch die Schleimstoffe, die die Darmschleimhaut möglicherweise weniger durchlässig machen.

Anregende Wirkung

Ebenfalls aus den Sennosiden bildet der Körper im Darm das sogenannte Rheinanthron. Diese Substanz regt die Darmperistaltik, also die Darmbewegungen, an.

Anwendung von Sennes

Abführmittel wie Sennesblätter sollten Sie nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko einsetzen. Im Idealfall besprechen Sie die Anwendung mit Ihrem Arzt. Sollte Ihr Arzt immer wieder Abführmittel ohne eingehende Erklärung verschreiben, holen Sie ruhig eine 2. Meinung ein.

Sennesblätter und andere pflanzliche Abführmittel sind nicht für jedermann geeignet. Es gilt, eine ganze Reihe von Ausschlusskriterien und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Einschränkungen der Anwendung (Gegenanzeigen)

Sennesblätter und Sennesfrüchte, ob als Medikament oder Tee, sind immer nur kurzfristig (längstens 7 Tage) anzuwenden.

Nicht geeignet sind Sennesblätter und –früchte bei:

  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, Verdacht auf Darmverschluss (Ileus) oder Blinddarmentzündung
  • Flüssigkeitsmangel oder Mineralienmangel
  • Bauchschmerzen ohne erkennbare harmlose Ursache
  • Schwangerschaft (anregende Wirkung kann Wehen begünstigen) und Stillzeit
  • Kindern unter 10 Jahren.

Nebenwirkungen

Sennes verursacht wenige Stunden nach der Einnahme von Medikamenten oder kurze Zeit nach einem Sennestee mitunter starke krampfartige Bauchschmerzen. Gelegentlich färbt sich der Urin rötlich bis braun. Das kann eine harmlose Verfärbung durch den Abbau von Sennesinhaltsstoffen sein, aber auch auf blutigen Urin durch eine Sennes-bedingte Nierenschädigung hindeuten. Deshalb sollte rötlicher Urin immer ärztlich abgeklärt werden. Das Gleiche gilt für schaumigen Urin. Dies könnte auf eine Nierenschädigung mit Eiweißausscheidung hinweisen.

Der regelmäßige Gebrauch von Sennes kann den Mineral- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers aus dem Gleichgewicht bringen. Mögliche Konsequenzen sind Muskelschwäche, Nierenfunktionsstörungen und sogar Herzrhythmusstörungen.

Wechselwirkungen

Einige Medikamente gehen mit Sennes Wechselwirkungen ein. So kann der Verlust von Mineralstoffen (insbesondere Kalium) durch Sennes von wassertreibenden Medikamenten (Diuretika) gegen Herzschwäche und Kortisonen verstärkt werden. Folgen sind möglicherweise daraus resultierende Herzrhythmusstörungen. Süßholzwurzel-Präparate sowie Lakritze können den Kaliumverlust verstärken und ebenfalls das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen.

Diabetiker sollten den Blutzuckerspiegel bei gleichzeitiger Verwendung von Sennesblättern häufiger kontrollieren. Möglicherweise müssen Diabetiker, die Insulin spritzen, die Insulindosis verringern.

Sennesblättertee

1 TL Sennesblätter mit 250 ml kaltem Wasser übergießen, 24 Stunden ziehen lassen und dabei gelegentlich umrühren, dann abseihen. Den Sennestee trinken Sie am besten kalt vor dem Schlafengehen. Über Nacht sollte sich der abführende Effekt einstellen.

Alkoholhaltige Sennesprodukte besser meiden

Einige Medikamente mit Sennesblättern enthalten Alkohol. Diese Kombination ist nach Ansicht der Stiftung Warentest gegen Verstopfung nicht geeignet. Sennesprodukte mit Alkohol sind für Alkoholiker und Menschen mit Leberschäden nicht geeignet. Außerdem erhöht Alkohol das Komplikationsrisiko. Dazu zählen beispielsweise unvorhersehbare Wechselwirkungen mit psychoaktiven Medikamenten gegen Depressionen oder Psychosen. Auch Schlafmittel oder Medikamente gegen Bluthochdruck können in ihrer Wirkung durch Alkohol verändert werden.

Abführmittel verursachen chronische Verstopfung

Mediziner wissen: Abführmittel sind die mit Abstand häufigste Ursache von chronischer Verstopfung bei gesunden Menschen. Die Erklärung ist ebenso einfach wie einleuchtend: Abführmittel greifen auf verschiedene Weise in den natürlichen Prozess der Darmentleerung ein. Dabei gewöhnt sich der Organismus schnell an die künstlichen Helfer. Lässt deren Wirkung nach, ist die Darmtätigkeit noch träger als zuvor. Und das geschieht oft dauerhaft. Eine chronische Verstopfung (Obstipation) ist entstanden.

Diese chronische Obstipation ist nur noch schwer zu behandeln – mit ungewissen Erfolgsaussichten. Die Liste der Nebenwirkungen der in der Obstipationstherapie eingesetzten Medikamente – von Gewichtszunahme über Organfunktionsstörungen bis Durchfall und Missempfindungen – ist lang.

Deshalb unser eindringlicher Rat: Setzen Sie jede Form von Abführmitteln nur kurzfristig (längstens 7 Tage) ein. Zwischen einzelnen Behandlungen sollten mehrere Wochen Pause liegen, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Unter Verstopfung haben wir umfangreiche Informationen für Sie zusammengestellt, mit denen Sie der Verstopfung ohne Medikamente begegnen können. Bei regelmäßiger oder wiederkehrender Verstopfung sollten Sie zum Arzt gehen, um die Ursache zu klären.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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