Rosskastanie, Rosskastaniensamen (Aesculus hippocastanum)

Rosskastaniensamen lindern die Beschwerden bei Besenreisern und Krampfadern sowie schweren Beinen. Hier finden Sie mehr zu Wirkstoffen, Anwendung und Nebenwirkungen von Rosskastaniensamen.

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Möglicherweise hat die Rosskastanie ihren Namen, weil Pferde sich nach dem Verzehr der Kastanienfrüchte übergeben sollen. Möglicherweise hat die Rosskastanie ihren Namen aber auch, weil die Rosskastaniensamen für Pferde, nicht aber für Menschen, genießbar sind. Gesichert sind beide Erklärungen für den Namen nicht. Als Heilpflanze ist die Rosskastanie jedenfalls schon lange bekannt.

Zubereitungen aus Rinde, Blättern und Früchten waren in der Volksheilkunde zu allerlei Zwecken verbreitet. Heute werden fast ausschließlich medizinische Zubereitungen aus den Rosskastaniensamen zur unterstützenden Behandlung bei Venenleiden verwendet.

Die Stiftung Warentest beurteilt Rosskastaniensamen als zur Behandlung von Venenleiden „mit Einschränkung geeignet“ (Test September 2014). Die Einschränkung bezieht sich vor allem auf zwei Aspekte:

  • Zubereitungen aus Rosskastaniensamen sind nur bei leichten Ausprägungen von Venenbeschwerden geeignet.
  • Die Heilpflanze eignet sich nur zur unterstützenden Behandlung von Venenschwäche.

Heilpflanze Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) in Kürze

  • stärkt die Blutgefäße, hemmt Blutgerinnung und Entzündungen, lindert Schmerzen
  • nicht anwenden bei Kindern, in Schwangerschaft und Stillzeit
  • nicht mit anderen blutverdünnenden Medikamenten verwenden
  • keine wesentlichen Nebenwirkungen bekannt, selten Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden (innerliche Anwendung) oder Hautreaktionen
  • Anwendungsgebiete: Venenerkrankungen wie Besenreiser und Krampfadern, Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen im Bereich von oberflächennahen Venen, Hämorrhoiden, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Venenbeschwerden ärztlich untersuchen lassen

Schwere Beine, geschwollene Beine, Juckreiz oder nächtliche Wadenkrämpfe sind typische Symptome von Venenschwäche (Veneninsuffizienz). Sie können aber auch auf deutlich schwerwiegendere Erkrankungen wie Herzschwäche oder Diabetes hindeuten. Deshalb sind Venenbeschwerden für eine Selbstbehandlung nicht geeignet. Besprechen Sie sich bei den genannten Symptomen sowie bei vermehrt auftretenden Besenreisern oder Krampfadern bitte mit Ihrem Arzt.

Aescin als wichtigster Wirkstoff

Rosskastaniensamen sind – mit einem Gehalt von bis zu 10 Prozent – reich an sogenannten Triterpensaponinen. In diesem Fall handelt es sich um ein Gemisch von wahrscheinlich mehr als 30 einzelnen Komponenten. Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung gilt Aescin als wichtigster Wirkstoff dieses Gemisches.

Wirkweise von Aescin

In Lavorversuchen haben Pharmazeuten herausgefunden, dass Aescin die Gefäßwände gewissermaßen abdichten kann. Es verhindert so, dass Wasser und Eiweiße aus den Venen in das umliegende Gewebe gelangen und sich dort sammeln. Zudem erhöht Aescin die innere Venenspannung und stabilisiert so geschwächte Gefäße. Das erklärt die Wirkung gegen schwere und geschwollene Beine.

Die Wirkung gegen Krampfadern und Besenreiser dürfte auf die gerinnungshemmenden Eigenschaften von Aescin und den anderen Wirkstoffen im Rosskastaniensamen zurückzuführen sein. Allem Anschein nach hat Aescin darüber hinaus entzündungshemmende Eigenschaften.

Die abdichtenden, stabilisierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften macht man sich auch zur Linderung von Hämorrhoiden zunutze.

Medikamente gegen Venenleiden aus Rosskastaniensamen wirken ähnlich wie Zubereitungen aus rotem Weinlaub. In Kombination mit Heilpflanzen wie Arnika und Beinwell beispielsweise werden Rosskastaniensamen auch in Fluids und Gels gegen Muskelschmerzen oder Gelenkschmerzen eingesetzt.

In der traditionellen Heilkunde wurden Zubereitungen aus Rosskastanienblättern und –rinde unter anderem gegen Warzen eingesetzt. Homöopathische Anwendungszwecke der Rosskastanie sind beispielsweise Erkrankungen der Blutgefäße sowie bestimmte Formen von Rückenschmerzen.

Rosskastanie anwenden

Insgesamt sind Medikamente mit Rosskastaniensamen gut verträglich und sicher anzuwenden. Allerdings gilt es, wenige Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen.

Anwendungsverbote

Wenn Sie blutverdünnende Medikamente wie Warfarin, Phenprocoumon oder Acetylsalicylsäure (ASS) einnehmen, dürfen Sie Präparate mit Rosskastaniensamen nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen. Das gleiche gilt für Kinder unter zwölf Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Beachten Sie bitte in jedem Fall die Packungsbeilage des Medikaments.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen treten bei innerer Anwendung selten in Form von Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder Hautreaktionen (Rötung, Juckreiz) auf. Juckreiz ist als Nebenwirkung auch bei äußerer Anwendung möglich.

Rosskastanien-Tee gegen Husten

Wie gesagt - üblicherweise wird Rosskastanie heute nur noch als Mittel bei Venenleiden eingesetzt. In der Volksheilkunde galt ein Tee aus der Heilpflanze lange als beliebtes Hustenmittel. Wenn Sie es probieren möchten: 1 gehäuften TL getrocknete Rosskastanienblätter mit 250 ml siedendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und in kleinen Schlucken trinken. 1 TL Honig verbessert den Geschmack.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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