Passionsblume (Passiflora incarnata)

Die Passionsblume gehört zu den jungen Heilpflanzen. Das hat einen einfachen Grund: Sie wurde erst vor ungefähr 400 Jahren aus tropischen Gefilden nach Europa eingeführt – als Zierpflanze. Und es dauerte lange, bis ihre beruhigenden Eigenschaften in die pflanzliche Heilkunde eingeführt wurden. So recht scheinen aber auch Pflanzenheiler nicht an die Passionsblume zu glauben: Sie wird selten als Monopräparat verwendet, sondern meistens in Kombination mit anderen beruhigenden Heilpflanzen wie Baldrian und Hopfen oder Stimmungsaufhellern wie Johanniskraut.
Die Stiftung Warentest zeigt sich in ihrem jüngsten Medikamententest (September 2014) von Kombinationen mit Passionsblume wenig überzeugt. Die Warentester empfehlen, besser zu Monopräparaten zu greifen. Zur Stimmungsaufhellung sei beispielsweise Johanniskraut besser geeignet, als beruhigendes Mittel Baldrian.

Heilpflanze Passionsblume (Passiflora incarnata) in Kürze

  • gilt als angstlösend und beruhigend
  • Wirkungen kaum dokumentiert
  • wird häufig mit Baldrian, Hopfen oder Johanniskraut kombiniert
  • keine Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder Anwendungsverbote bekannt
  • Anwendungsgebiete: Angst, Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen.

Wirkstoffe und Wirkweise

Für Heilzwecke werden Zubereitungen aus der ganzen Pflanze ohne Wurzel verwendet. Die Zusammensetzung der Wirkstoffe in der Passionsblume ist nicht vollständig bekannt. Zu den wahrscheinlich wirksamen Bestandteilen zählen sekundäre Pflanzenstoffe (zum Beispiel Flavonoide, Saponine und Vitexin), Cumarine und Maltol. Außerdem enthält Passionsblume unter anderem sogenannte Indol-Alkaloide.

Wirkweise weitgehend unbekannt

Den Alkaloiden wurde in der Vergangenheit eine beruhigende Wirkung der Passionsblume zugeschrieben. Diese Auffassung gilt mittlerweile als widerlegt.

Es ist gegenwärtig weitgehend unklar, welchen Inhaltsstoffen welche Wirkung zuzuschreiben ist. Experten gehen davon aus, dass die Wirkstoffe der Passionsblume oder deren Stoffwechselprodukte in den Botenstoffwechsel des Gehirns eingreifen. Das könnte die beruhigende und angstlösende Wirkung erklären.

Seelische Verstimmungen nicht auf eigene Faust behandeln

Ob Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, Nervosität oder Schlafstörungen: Anhaltende Beschwerden infolge seelischer Unruhe sind in alle Regel nicht für eine Selbstbehandlung geeignet. Die Selbstbehandlung von leichten Schlafproblemen beispielsweise kann schnell in den Kreislauf einer sich selbst verstärkenden Schlafstörung münden.

Ängstlichkeit und Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit ohne klar erkennbare harmlose Ursache sind mitunter Symptome von Depressionen oder krankmachender Überforderung. Wenn nervös bedingte Symptome nicht binnen weniger Tage nachlassen, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung der richtige Schritt.

Passionsblume anwenden

Heilpflanzenzubereitungen aus Passionsblume gibt es kaum. Deutlich häufiger finden Sie beispielsweise Tees oder Tabletten, in denen die Heilpflanze oder Extrakte daraus mit anderen Heilpflanzen kombiniert sind. Je nach Kombination sind bei der Anwendung die Angaben aus der jeweiligen Packungsbeilage zu beachten. Für Passionsblume selbst sind keine Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder Anwendungsverbote bekannt.

Rezept für Passionsblumen-Tee

Als schlaffördernd beziehungsweise schlafanstoßend gilt Passionsblumen-Tee. Einfach 1 Teelöffel Passionsblumenkraut mit 150 ml heißem Wasser übergießen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und den Tee etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen trinken. Um Unruhe und nervliche Belastung zu lindern, werden 2 bis 4 Tassen täglich in kleinen Schlucken getrunken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017