Mistel (Viscum album)

Misteltherapie im Streit der Experten – Studien pro und contra – Heilpflanze Mistel bei meine-gesundheit.de. Jetzt informieren.

Mistel (Viscum album)

Insbesondere bei schwerwiegenden Erkrankungen gibt es – mitunter heftig umstrittene – Ansätze für eine Behandlung mit Heilpflanzen. Die Misteltherapie bei Krebs ist einer dieser Ansätze. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums ist die Misteltherapie bei Patienten wie Ärzten die beliebteste alternative Behandlungsform bei Krebserkrankungen.

Die Befürworter der Behandlung sind überzeugt, Misteln könnten Krebs heilen, das Wachstum von Tumorzellen verlangsamen oder doch wenigstens die begleitenden Symptome von Krebserkrankungen und Chemotherapie lindern.

Heilpflanze Mistel (Viscum alba) in Kürze

  • soll das Immunsystem anregen und alterungsbedingte Symptome lindern; herzstärkend, Wirkung gegen Krebszellen oder Nebenwirkungen der Chemotherapie nicht belegt
  • Misteltherapie gegen Krebs nicht für die Selbstbehandlung geeignet, immer in Absprache mit den behandelnden Ärzten agieren
  • starke Nebenwirkungen möglich: Übelkeit, Erbrechen, Magen- und Kopfschmerzen, Fieber
  • Anwendungsgebiete: Misteltherapie als begleitende Behandlung bei Krebserkrankungen und zur Linderung der Nebenwirkungen von Strahlen- oder Chemotherapie, Reiztherapie bei abnutzungsbedingten rheumatischen Gelenkerkrankungen (als Injektion in oder unter die Haut), Unterstützung bei alterungsbedingter Herz- und Kreislaufschwäche (als Einnahme in Form von Tropfen oder Tee).

Wirkung der Misteltherapie nicht belegt

Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, eines der weltweit anerkanntesten Krebszentren, bezieht auf der Webseite des Krebsinformationsdienstes zur Misteltherapie deutlich Stellung: „Für die Misteltherapie fehlen bis heute wissenschaftliche Beweise der Wirksamkeit, die von allen Seiten zweifelsfrei anerkannt sind. Trotz langjähriger Anwendung und Forschung ist nicht belegt, dass Mistelpräparate das Tumorwachstum hemmen oder gar Krebspatienten heilen können.“

Erstaunlicherweise ist die Beliebtheit der Misteltherapie auf Deutschland, Österreich und die Schweiz beschränkt. Die Heidelberger verweisen darauf, dass die Misteltherapie im nicht-deutschsprachigen Ausland praktisch keine Rolle spielt. In den USA sind Mistelinjektionen nur für klinische Studien zugelassen. Diese klinischen Studien allerdings gibt es kaum.

Streit um Studien

Selbstverständlich berufen sich die Befürworter der Misteltherapie nicht nur auf ihre eigenen Erfahrungen, sondern auf Ergebnisse von Studien. Diese Studien wollen den positiven Effekt der Behandlung mit der Heilpflanze belegen. So wird beispielsweise häufig eine Studie an Frauen mit Brustkrebs als Beleg für die Wirksamkeit der Misteltherapie ins Feld geführt. Für diese Studie hatten Brustkrebspatientinnen während einer Chemotherapie auch Mistelpräparate erhalten. Das Ergebnis: Die Frauen, die Mistel erhalten hatten, bewerteten die Lebensqualität besser als jene Teilnehmerinnen, die keine Mistel erhalten hatten. Aussagekräftiger erscheint Kritikern der Misteltherapie, was die Studie nicht untersucht hat: Gibt es wirklich eine ursächliche Wirkung von Mistelpräparaten auf die Krebszellen? Stehen die Nebenwirkungen der Misteltherapie in einem guten Verhältnis zur Wirksamkeit?

Die Mehrzahl der Studien, die der Misteltherapie Wirkung zuschreiben, wird von vielen Experten abgelehnt. Die Begründung: Die Studien genügen häufig nicht den für eine wissenschaftliche Bewertung notwendigen Standards.

Keine Experimente bei der Krebstherapie auf eigene Faust

Krebserkrankungen sind nahezu immer körperlich und seelisch sehr belastend. Das gilt vom Zeitpunkt der Diagnose an, häufig aber ganz besonders während der Behandlung. Vor allem die Symptome bei Strahlen- oder Chemotherapie stellen viele Patienten vor eine große und schwere Herausforderung. Während dieser Leidenszeit ist es nur allzu verständlich, wenn Menschen das Versprechen auf sanfte Heilung gerne annehmen. Selten, aber noch immer zu häufig, brechen Patienten die Krebstherapie trotz guter Erfolgsaussichten zugunsten alternativer Behandlungs- oder Selbstbehandlungskonzepte ab. Unsere Bitte: Sprechen Sie mit Ihren Ärzten und holen Sie sich eine Zweitmeinung ein. Äußern Sie mögliche Zweifel am Therapiekonzept und verlangen Sie nach Alternativen, ehe Sie eine Krebstherapie abbrechen.

Wirkungsweise der Misteltherapie

Was für den Beleg der Wirksamkeit gilt, gilt leider auch für die Wirkungsweise der Mistel: Die Experten streiten. Die internationale Krebsforschung bewertet die Misteltherapie nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums als Methode mit unbewiesener Wirksamkeit.

Einig ist man sich, dass sogenannte Lektine pharmazeutisch wirksame Bestandteile der Heilpflanze sind. Diese Eiweiße werden auch als Mistellektine bezeichnet. Die Lektine sollen Zytokine freisetzen und so das Immunsystem anregen. Aber Zytokine sind nicht nur als Mediatoren in Immunprozessen beteiligt. Sie können vielmehr auch die Teilung von Tumorzellen anregen. Somit stärken Lektine das Immunsystem im ungünstigsten Fall zugunsten eines beschleunigten Tumorwachstums.

Im Fokus der Forscher stehen daneben andere pflanzliche Eiweiße wie die Viscotoxine. Insgesamt sind die Inhaltsstoffe der Heilpflanze Mistel (Viscum album) trotz der langjährigen Anwendung nicht sehr weitreichend untersucht. Die Wirkstoffe werden aus den Blättern und Zweigen des Baumparasiten gewonnen und in der Regel als wässrige Lösung aufbereitet.

Die komplementäre Medizin nutzt Mistel auch als Injektion in einer Segment-Reiztherapie gegen abnutzungsbedingte-rheumatische Gelenkerkrankungen. Hier sollen die Lektine lokale Entzündungen provozieren und einen heilenden Reflex des Organismus auslösen. Belegt ist diese Wirkung nicht. Dennoch kann es einen Behandlungsversuch wert sein.

In Kombination mit Weißdorn oder Knoblauch wird Mistel als herzstärkende pflanzliche Arznei oder gegen alterungsbedingte Beschwerden eingesetzt. Die Stiftung Warentest urteilt über solche Mittel übereinstimmend: wenig geeignet, da die therapeutische Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen sei.

Anwendung von Mistel

In den meisten Fällen werden Mistelpräparate als Injektion unter die Haut verabreicht. Manche Ärzte verordnen auch Mistelinfusionen oder spritzen Mistelpräparate direkt in Tumoren.

Nebenwirkungen

Die Misteltherapie ist – obschon nicht verschreibungspflichtig – keinesfalls harmlos. In der Stoffliste des Bundes und der Länder wird die Mistel in einer Negativmonografie mit leicht giftig bis giftig bewertet.

Starke Magenbeschwerden wie Krämpfe oder Durchfall sowie Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Brustengebeschwerden, Kreislaufstörungen und Fieber sind nicht selten.

Am Ort der Injektion können Lymphknoten anschwellen oder sogar Hautzellen absterben.

Bei der Therapie von Rückenmarks- und Hirntumoren ist eine gefährliche Hirndruckerhöhung möglich.

Schwangere und Stillende sollten Mistelkraut für keine Therapieform anwenden. Auch gelten akute entzündliche Erkrankungen mit Fieber über 38 Grad Celsius als Gegenanzeige für Mistelanwendungen.

Wechselwirkungen

Da die Inhaltsstoffe der Heilpflanze Mistel nicht ausreichend erforscht sind, warnen viele Experten vor unvorhersehbaren Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen. Dies gelte umso mehr, als der Organismus von Krebspatienten ohnehin schon schwer durch Krankheit und Therapie beansprucht sei.

Mit anderen immunstimulierenden Wirkstoffen wie Interferonen und Interleukinen oder Immuntherapien mit Fieber erzeugenden Bakterienstämmen sollten Mistelpräparate nur nach sorgfältigster ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.

Mistel Tee zur Unterstützung des Herz-Kreislaufsystems

Für einen herzstärkenden Tee übergießen Sie 2,5 g geschnittenes Mistelkraut mit kaltem Wasser. Diesen lassen Sie bei Raumtemperatur 10 bis 12 Stunden abgedeckt stehen, dann abseihen. Sie können den Tee kalt trinken oder leicht erwärmen. Pro Tag sollten Sie nicht mehr als 1 bis 2 Tassen trinken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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