Lavendel (Lavandula angustifolia)

Lavendel ist seit Jahrhunderten für seine beruhigende und entspannende Wirkung bekannt.

lavendel

Die französische Provence ist das größte Anbaugebiet für das blaue Gold, wie Lavandula angustifolia oder Echter Lavendel auch genannt wird. Weite Landstriche der sanft hügeligen Provence erblühen jedes Jahr im zarten Blau des Lavendels und vermitteln landschaftlich ein Bild der Ruhe.

Die ist allerdings seit dem Sommer 2014 empfindlich gestört. Der Grund: die sogenannte REACH-Richtlinie der EU-Kommission. Die Richtlinie bewertet verschiedene Substanzen im Lavendelöl als gesundheitsgefährdende Chemikalien – und verpflichtet die Öldestillerien von 2018 an zu Kontrollen, wie sie in der chemischen Industrie vorgeschrieben sind. Die 1500 Lavendelbauern der Region sehen sich durch diesen Aufwand in ihrer Existenz gefährdet. In die Auseinandersetzung hat sich inzwischen auch der französische Präsident Hollande eingeschaltet. Der Ausgang erscheint offen.

Heilpflanze Lavendel (Lavandula angustifolia) in Kürze

  • wirkt beruhigend, schlaffördernd und angstlösend, fördert die Verdauung, entkrampft Magen und Darm, regt den Appetit an, lindert Blähungen, leicht verstopfend gegen Durchfall, leicht keimtötend (Bakterien und Pilze)
  • keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen
  • nicht anwenden bei Allergie auf Lippenblütler; ätherische Öle nicht bei Asthma sowie bei Babys und Kleinkindern anwenden
  • Angststörungen und Schlafstörungen nicht auf eigene Faust behandeln, besser ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat einholen
  • Anwendungsgebiete: Einschlafstörungen, nervöse Unruhe, ängstliche Verstimmung, depressive Verstimmung, nervös bedingte Magen-Darm-Beschwerden wie Reizmagen, Krämpfe und Blähungen, Gallenbeschwerden, äußerliche Anwendung als Einreibung bei rheumatischen Beschwerden.

Lavendelöl kaufen

Lavendelöl wird durch eine aufwendige Destillation hergestellt. Aus 120 Kilogramm Blüten gewinnen die Destillateure etwa 1 Kilogramm Lavendelöl. Entsprechend hoch ist der Preis für gutes Lavendelöl. Dieser Preis wiederum ruft Fälscher und Panscher auf den Plan, die sich vor allem im Internet tummeln. Sehr preisgünstige Lavendelöle sollten Sie skeptisch machen. Achten Sie beim Kauf von Lavendelöl vor allem auf die Herkunftsbezeichnung. Und kaufen Sie Lavendelöl am besten bei einem Händler Ihres Vertrauens oder in der Apotheke.

Wirkstoffe im Lavendelöl

Die medizinisch wertvollen Inhaltsstoffe des Lavendels stecken in den Blüten, genauer gesagt im ätherischen Öl der Blüten. Hauptbestandteile des Lavendelöls sind Linalool und Linalylacetat, ferne Campher und Cineol. Außerdem enthält Lavendelöl viele Gerbstoffe und weitere sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Flavonoide. Vertreter dieser Flavonoide sind beispielsweise Monoterpene und Sesquiterpene, die unter anderem für die keimhemmenden Eigenschaften von Lavendelöl verantwortlich gemacht werden.

Beruhigende Wirkung auf die Psyche

Im Einzelnen ist die Wirkweise des Lavendelöls nicht genau untersucht. Studien belegen aber die schlaffördernde und entspannende Wirkung. Auch angstlösende Effekte konnten nach Angaben eines Medikamentenherstellers nachgewiesen werden. Die Stiftung Warentest sieht diesen Effekt in ihrem jüngsten Medikamententest (August 2014) allerdings als nicht ausreichend bestätigt. Sie rät, Lavendelöl bei ängstlichen Verstimmungen bestenfalls unterstützend und nur nach Rücksprache mit einem Arzt einzusetzen.

Entspannung für den Magen-Darm-Trakt

Die entkrampfenden und verdauungsfördernden Eigenschaften von Lavendel-Präparaten dürfte auf den Gehalt an Gerbstoffen und Terpenen zurückzuführen sein. Sie regen einerseits den Gallenfluss an und wirken andererseits beruhigend auf das zentrale Nervensystem. Das erklärt die positiven Effekte bei krampfbedingten Magen- und Darmbeschwerden wie Magenschmerzen und Blähungen. Bei Durchfall lindert Lavendel die Beschwerden, indem es den gereizten Darm beruhigt.

Wirkung gegen Schmerzen umstritten

Lavendelöl wird in Kombinationen mit anderen ätherischen Ölen auch als Schmerzfluid bei oberflächennahen Verletzungen wie Prellungen oder als Mittel zur Schmerzlinderung bei rheumatischen Beschwerden beworben. Der Erklärungsansatz für die Wirkung: Das Öl soll die Haut reizen und so Heilungsprozesse anregen oder beschleunigen. Nachgewiesen ist diese Wirkung gegen Schmerzen nicht. Die Stiftung Warentest bewertet entsprechende Präparate als wenig geeignet.

Angststörungen und Schlafstörungen nicht auf eigene Faust behandeln

Übersteigerte Ängste und Schlafprobleme haben gemeinsam, dass sie häufig in einen sich selbst verstärkenden Kreislauf münden. Ein Beispiel: Sie liegen nachts wach, ärgern sich oder geraten ins Grübeln und erwachen unausgeschlafen. Die meisten Menschen kennen solche Nächte – und vergessen sie auch schnell wieder. Manche Menschen aber gehen am nächsten Abend mit dem Gedanken an die vergangene Nacht schlafen – und geraten prompt wieder in den Kreislauf von Schlaflosigkeit, Ärger und Müdigkeit. Das mündet häufig in eine behandlungsbedürftige Schlafstörung.

Aus einzelnen Angstgefühlen kann in einem ähnlichen Kreislauf eine Angststörung entstehen. Daher der Tipp: Bei Schlafschwierigkeiten oder wiederkehrenden Angstgefühlen sollten Sie so schnell wie möglich ärztliche oder therapeutische Hilfe suchen. Lassen Sie sich dabei nicht mit einem Rezept abspeisen, sondern ausführlich beraten. Je früher die Kreisläufe von Angst oder Schlafproblemen unterbrochen werden, umso leichter die Behandlung.

Lavendel anwenden

Im Allgemeinen ist Lavendel – übrigens die Heilpflanze des Jahres 2008 - sehr gut verträglich und für die meisten Menschen geeignet.

Bei einer Allergie gegen Lippenblütler sollten Sie vor der Anwendung von Lavendelblüten und Lavendelöl mit Ihrem Arzt sprechen. Das gilt auch für Lavendel-Vollbäder bei Krampfadern, Fieber oder Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Lavendeltabletten mit einer hohen Wirkstoffdosierung verursachen mitunter Blähungen, Aufstoßen, Übelkeit und Bauchschmerzen.

Im Laborversuch konnte nachgewiesen werden, dass Lavendel östrogenähnliche Effekte haben kann. Sprechen Sie daher während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei östrogenabhängigen Erkrankungen vor der Anwendung von hoch dosiertem Lavendel mit Ihrem Arzt.

Babys und Kleinkinder

Ätherische Öle dürfen bei Babys und Kleinkindern nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden, weil die flüchtigen Bestandteile des Öls Atemnot verursachen können. Bei Einreibungen sollten Sie daher darauf achten, dass das ätherische Öl nicht vom Kind eingeatmet werden kann. Also Salben oder Cremes beispielsweise nicht im Gesicht oder auf dem oberen Brustkorb anwenden.

Lavendelöl und Asthma

Asthmatiker sollten vor der Verwendung von Lavendelöl vorsichtshalber mit ihrem Arzt klären, ob eine Anwendung sinnvoll ist. Ätherische Öle können Asthma-Anfälle auslösen.

Rezepte mit Lavendel

Lavendelblüten eigenen sich gleichermaßen für Teezubereitungen und Bäder. Für eine Tasse Tee übergießen Sie 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Lavendelblüten mit 150 bis 200 ml heißem (nicht kochenden) Wasser, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und in kleinen Schlucken trinken.

Für ein Vollbad geben Sie 50 bis 100 g getrocknete Lavendelblüten als Badezusatz lose oder in einem Mulltuch gewickelt in die Wanne. Alternativ können Lavendelblüten vorher mit 1 l Wasser etwa 10 Minuten gekocht werden. Den Sud abfiltern und ins Badewasser geben.

Für ein Teilbad (Sitzbad) genügen 10 bis 20 g Lavendelblüten.

Ein Klassiker ist das Lavendelkissen zum Einschlafen. Dazu einfach eine ausreichende Menge getrocknete Lavendelblüten in Stoff einnähen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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