Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Ob aus dem Supermarkt, der Apotheke oder selbst getrocknet: Johanniskraut erfreut sich seit vielen Jahren einer immer noch steigenden Beliebtheit. Diesen Boom verdankt Hypericum perforatum,  Hypericae herba oder Herba Hyperici, so lateinische Bezeichnungen der Heilpflanze,  vor allem seiner Wirkung als Stimmungsaufheller und Beruhigungsmittel. Dabei gilt Johanniskraut vielen Menschen wegen seiner pflanzlichen Herkunft und der Rezeptfreiheit als unbedenklich anzuwendende Arznei. Trotz seiner unbestrittenen Wirksamkeit, insbesondere bei leichten Depressionen, Unruhe oder Einschlafstörungen, bleibt Johanniskraut aber eine Medizin – mit erwünschten und unerwünschten Wirkungen.

In ihrem jüngsten Medikamententest (August 2014) hat die Stiftung Warentest Johanniskraut für die Behandlung von leichten Depressionen mit der Bestbewertung für Heilpflanzen, nämlich „geeignet“, ausgewiesen. Test empfiehlt Johanniskraut demnach bei leichten und mittelschweren Depressionen als Alternative zu klassischen Medikamenten. Sie regt außerdem an, die Behandlung mit beruhigenden pflanzlichen Medikamenten wie Baldrian zu ergänzen.

Heilpflanze Johanniskraut in Kürze

  • wirkt vor allem gegen leichte Depressionen und bei Hauterkrankungen
  • erhöht häufig die Lichtempfindlichkeit der Haut
  • verändertdie Wirkung anderer Medikamente (unter anderem Anti-Baby-Pille und Gerinnungshemmer)
  • Verwendung von Johanniskrauttrockenextrakt (vor allem innerlich) und Johanniskrautöl (äußerlich)
  • Zugelassene Anwendungsgebiete: leichte und mittelschwere vorübergehende depressive Störungen, depressive Verstimmungszustände, Angst und/oder nervöse Unruhe, leichte Schlafstörungen, Muskelschmerzen (äußerliche Anwendung von öligen Johanniskraut-Zubereitungen).

Wirkungen von Johanniskraut

Kapseln, Tabletten und Dragees mit Johanniskraut-Trockenextrakt werden häufig als Mittel gegen Depressionen eingesetzt. Das gilt meist auch bei Verdauungsbeschwerden und Wechseljahresbeschwerden, bei denen aber auch Tees geeignet sein können. Johanniskrautöl entfaltet äußerlich angewendet seine Wirkung bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder bei Ekzemen. Auch bei Prellungen und Muskelkater wirkt das Öl schmerzlindernd.
Wesentliche Wirkstoffe in Johanniskraut sind der Farbstoff Hypericin und sekundäre Pflanzenstoffe (Flavoniode) wieHyperforin. Die therapeutische Wirksamkeit von Johanniskraut geht wahrscheinlich auf ein Zusammenwirken dieser Inhaltsstoffe zurück. Die genaue Wirkweise ist aber nicht abschließend geklärt.
Bei der äußerlichen Anwendungkonnte für Hyperforin beispielsweise eine entzündungshemmende und antibiotische Wirkung nachgewiesen werden. Zudem fördert Hyperforin die Reifung von Keratinozyten, den Hornzellen der Haut. Das erklärt die Wirkung bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis, bei denen die Hornschicht der Haut nur unzureichend ausgebildet ist.

Hohe Dosierungen gegen depressive Verstimmungen

Offenbar wirken die Inhaltsstoffe von Johanniskraut ähnlich wie klassische Antidepressiva auf den Botenstoffwechsel im Gehirn. Sie hemmen also die Wiederaufnahme von Hormonen wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Wie dieser Effekt zustande kommt, ist nicht erklärt.

Die Wirkung von Johanniskraut gegen Depressionen ist aber gut belegt. Bei leichten Depressionen wirkt es ähnlich gut wie klassische Antidepressiva. Allerdings ist die Wirkung stark abhängig von der Dosierung. Über die sogenannte Wirkdosis, also die Dosis, bei der eine messbare Wirkung eintritt, gibt es unterschiedliche Angaben. Die meisten Experten gehen von 900 mg pro Tag aus. Diese Dosis ist nur in wenigen frei verkäuflichen Präparaten enthalten.
Depressionen nicht selbst behandeln

Depressionen sind eine ernst zu nehmende Erkrankung – und sollten in der Regel nicht ohne ärztlichen oder psychologischen Rat behandelt werden. Bei Anzeichen wie andauernder Antriebslosigkeit, sozialem Rückzug, starker Erregbarkeit, wiederkehrenden Schmerzen ohne ersichtliche Ursache oder Schlafstörungen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Nebenwirkungen von Johanniskraut

Viele Menschen nehmen Johanniskraut ohne Bedenken, weil sie diese Heilpflanze für frei von Nebenwirkungen halten. Das allerdings ist nicht richtig. Bei vielen Menschen erhöht Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut. Sonnenbrandähnliche Reaktionen sind nicht selten. Weitere Nebenwirkungen von Johanniskraut sind beispielsweise allergische Hautreaktionen oder Müdigkeit und Unruhe.
Auch kann Johanniskraut die Wirkung von anderen Medikamenten verstärken oder abschwächen. Besondere Vorsicht walten lassen sollten Frauen, die mit der Pille verhüten. Denn Johanniskraut kann die Wirkung von Anti-Baby-Pillen vermindern. Bei der gleichzeitigen Einnahme von Blutgerinnungshemmern (zum Beispiel Marcumar, Aspirin oder Clopidogrel) muss mitunter deren Dosis erhöht werden. Des Weiteren kann Johanniskraut die Wirkung von Blutfettsenkern sowie Medikamenten gegen HIV und Krebs herabsetzen.
Ein durch Johanniskrautbedingter Wirkverlust ist auch bei immununterdrückenden Wirkstoffen (zum Beispiel Ciclosporin und Tacrolimus), dem herzstärkenden Wirkstoff Digoxin, Theophyllin (gegen Asthma und COPD) sowie für Antidepressiva wie Amitryptilin möglich.

Anwendung von Johanniskraut

Johanniskraut wird in einer Vielfalt von Zubereitungen angeboten. Gegen Depressionen wirken vor allem Tabletten, Dragees und Kapseln mit Johanniskraut. Bei leichten depressiven Verstimmungen oder als Einschlafhilfe schwören viele Menschen auf Heilpflanzentees mit Johanniskraut oder Badezusätze. Letztere kommen neben Salben und Lotionen mit Johanniskrautölauch bei Hautproblemen und Muskelschmerzen zum Einsatz.

Johanniskraut sammeln

Johanniskraut gedeiht fast überall in unseren Breitengraden. Man findet es an Weg- und Waldrändern oder auf mageren Rasenflächen. In den verschiedenen Regionen kennt man Johanniskraut auch unter den folgenden Bezeichnungen: Tüpfelhartheu, Wundkraut, Blutkraut, Johannisblut, Herrgottsblut, Waldhopfenkraut, Feldhopfenkraut, Walpurgiskraut, Sonnwendkraut, Mannskraft, Konradskraut oder Hexenkraut.

Giftige Doppelgänger

Verwechslungsgefahr besteht mit dem giftigen Jacobs-Greiskraut. Akute Vergiftungen beim Menschen sind selten, Tierärzte aber kennen tödliche Vergiftungen von Pferden und Rindern, die mit Silage große Mengen an Jacobsgreiskraut aufgenommen haben.

Johanniskraut verarbeiten

Einen Tee aus Johanniskraut bereiten Sie einfach: Geben Sie 2 TL getrocknetes Johanniskraut in einem Viertelliter Wasser, aufkochen (nicht sprudeln lassen) und abgießen. Etwa 3 Tassen pro Tag über mehrere Wochen trinken. Sie können auch Johanniskrautöl zur äußerlichen Anwendung selbst herstellen. Dafür brauchen Sie allerdings frische Blüten – und auch Zeit. Geprüfte Qualität erhalten Sie in der Apotheke.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017