Ingwer (Zingiber officinale)

Ingwer regt den Appetit und die Verdauung an.

Ingwer (Zingiber officinale)

Den scharfen aromatischen Geschmack von Ingwer empfinden manche Menschen als zu kräftig – und auch als seifig. Als Gewürz hat Zingiber officianale also Gegner und Freunde. Ungeteilte Zustimmung findet die Heilpflanze bei Menschen, die zu Übelkeit und Schwindel neigen. Ob Seekrankheit, Reisekrankheit oder Nebenwirkung von Medikamenten: Ingwer hilft zuverlässig gegen Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Außerdem lindert Ingwer – auf ähnliche Weise wie Acetylsalicylsäure – Schmerzen, vor allem bei Rheuma und Gelenkschmerzen durch Arthrose. Ferner regt die Heilpflanze die Verdauung an, beruhigt gereizte Haut sowie Schleimhäute und wirkt darüber hinaus auch blutverdünnend.

Diese Vielfalt an Wirkungen beruht auf einer noch größeren Vielfalt an Inhaltsstoffen. Mehr als 100 verschiedene Substanzen lassen sich im Ingwer nachweisen. Eine besondere Rolle dabei spielen die Scharfstoffe, die sogenannten Gingerole und Shoagole. Im ätherischen Öl des Ingwers sind Zingiberol und Zingibere enthalten. Sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralien (Eisen, Kalium, Natrium) und Vitamine (C und B6) sind weitere Bestandteile des Ingwers.

Heilpflanze Ingwer (Zingiber officinale) in Kürze

  • lindert Übelkeit, Schwindel und Erbrechen bei Seekrankheit, Reisekrankheit und Chemotherapie sowie nach Operationen, schmerzlindernd, beruhigt gereizte Haut und Schleimhäute, wirkt blutverdünnend, fördert die Verdauung
  • im Allgemeinen sehr gut verträglich
  • in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Gallensteinen vorsichtshalber nicht anwenden
  • Arzt befragen bei gleichzeitiger Einnahme blutverdünnender Medikamente
  • Anwendungsgebiete: Reisekrankheit, Seekrankheit, Einschlafstörungen, nervöse Unruhe, nervös bedingte Magen-Darm-Beschwerden wie Krämpfe und Blähungen, Appetitlosigkeit, Gallenbeschwerden, äußerliche Anwendung als Einreibung bei rheumatischen Beschwerden.

Überzeugende Studien belegen Wirkung

In mehreren gut dokumentierten und strukturierten Studien konnte die Wirkung von Ingwer gegen Übelkeit und Schwindel nachgewiesen werden. In einer Doppelblindstudie an 80 dänischen Seeleuten (Quelle: wikipedia) zeigte sich Ingwer einem Scheinmedikament (Placebo) deutlich überlegen. Aussagekräftiger aber noch ist eine amerikanische Studie, mit der die Wirkung bei Schwindel untersucht wurde. Das Ergebnis: Ingwer wirkte deutlich besser als das Scheinmedikament und als Dimenhydrinat, ein Medikament gegen See- und Reisekrankheit.

Krebspatienten schätzen Ingwer schon lange als pflanzliches Heilmittel gegen die Übelkeit während einer Chemotherapie. Ingwerpräparate und Ingwer-Tee – so die Erfahrung von Patienten und Ärzten – lindern Übelkeit und verringern die Anzahl von Brechattacken. Auch nach Operationen hilft Ingwer, Übelkeit und Erbrechen vorzubeugen.

Heidelberger Forscher weisen Wirkweise gegen Erbrechen nach

Heidelberger Forschern ist es nach Angaben der Deutschen Krebshilfe gelungen, die Wirkweise von Ingwer gegen Übelkeit zu erklären. Danach wirkt Ingwer auf Botenstoffe, die auf das Brechzentrum im Gehirn wirken. Eine entscheidende Rolle dabei spielten die Serotonin-Rezeptoren (Andockstellen) an bestimmten Nervenzellen. Die Ingwer-Inhaltsstoffe blockieren offenbar diese Rezeptoren und vermeiden so den Brechreiz.

Ingwer wirkt auch schmerzlindernd

Ein Inhaltsstoff des Ingwers, das Gingerol, entfaltet die schmerzlindernde Wirkung bei Rheuma und anderen entzündlichen Erkrankungen. Die Erklärung: Gingerol ist offenbar in der Lage, das Enzym Cyclooxygenase-2 (Cox-2) zu hemmen. Dieses Enzym ist wesentlich an Entzündungsprozessen und damit an der Schmerzentstehung beteiligt. Pharmazeuten kennen Cox-2-Hemmer als Gruppe von anti-entzündlichen klassischen Wirkstoffen. Darüber hinaus scheint Gingerol auch Cox-1 zu hemmen – und hat damit einen Wirkmechanismus, denn die Pharmazie vom bekannten Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (Aspirin) kennt.

Kein Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ob als medizinisches Präparat oder Tee: Ingwer ist im Allgemeinen sehr gut verträglich. Daher wird er häufig, vor allem als Tee, von Frauen gegen Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt. Experten raten davon ab. Ingwer kann vorzeitige Wehen auslösen.

Nicht einsetzen dürfen Sie Ingwer bei Gallensteinen, weil die Heilpflanze den Gallenfluss verstärkt und Beschwerden damit verschlimmert oder gar einen Gallenwegsverschluss durch wandernde Gallensteine verursacht. Die Scharfstoffe im Ingwer können außerdem einen empfindlichen Magen reizen.
Ingwer könnte Blutgerinnung hemmen

Die Experten sind nicht sicher, ob Ingwer tatsächlich die Blutgerinnung hemmt. Vorsichtshalber aber sollten Sie vor der Anwendung von Ingwer Ihren Arzt fragen, falls Sie blutverdünnende Medikamente nehmen müssen.

Präparate mit Ingwer

Ingwer erhalten Sie frisch, als Trockenpulver, Kapsel und Tablette sowie Ölen, Tinkturen und Tees.

Dosierung von Ingwer

Bei Verdauungsbeschwerden und zur Appetitanregung sollten mehrmals täglich 0,5 bis 1 g gepulverter Ingwer eingenommen werden. Um Übelkeit auf Reisen vorzubeugen hilft die Einnahme von 0,5 (Kinder ab 6 Jahren) bis 2 g (Erwachsene) gepulvertem Ingwerwurzelstock 30 Minuten vor Reisantritt.

Ingwer-Tee frisch zubereiten

Schneiden Sie – je nach Geschmack – 1 bis 2 walnussgroße Stücke frischen Ingwer in kleine Scheiben oder Würfel. Sie können den Ingwer auch reiben. Mit 200 ml heißem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Sie können den Ingwer in der Tasse lassen oder den Tee abgießen. Etwas Zitrone oder Honig runden den Geschmack ab.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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