Hopfen (Humulus lupulus)

Am bekanntesten ist Hopfen als Bestandteil von Bier. Die schlaffördernde Eigenschaft des Bieres geht allerdings nicht auf die beruhigende und schlafanstoßende Wirkung der Heilpflanze Hopfen zurück. Bier-Schlaf beruht eher auf dem Alkoholgehalt. Alkohol fördert zwar das Einschlafen, stört dabei aber den Schlaf insgesamt.

Hopfen beruhigt den Organismus nachhaltig, stößt den Schlaf an und stört den Schlafablauf mit seinen wechselnden Phasen nicht. Insofern sind alkoholfreie Zubereitungen von Heilpflanzen wie Hopfen, Melisse oder Baldrian als Einschlafhelfer dem Bier – oder auch einem Glas Wein – vorzuziehen.

Neben den schlaffördernden Eigenschaften weckt Hopfen auch den Appetit, und kurbelt die Verdauung an. Außerdem lindert die Heilpflanze möglicherweise Wechseljahresbeschwerden und Regelbeschwerden.

Heilpflanze Hopfen (Humulus lupulus) in Kürze

  • beruhigt und entspannt, fördert das Einschlafen, regt Appetit und Verdauung an, östrogenähnliche Eigenschaften (Phytohormon)
  • Schlafmittel nie länger als maximal 2 Wochen einnehmen, Gefahr der psychischen Abhängigkeit und Entwicklung einer Schlafstörung
  • meistens in Kombination mit Baldrian und/oder Melisse verwendet
  • keine nennenswerten Nebenwirkungen oder Anwendungseinschränkungen
  • Anwendungsgebiete: Einschlafstörungen, Unruhe, Nervosität, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Wechseljahresbeschwerden, Regelbeschwerden.

Schlafprobleme nicht auf eigene Faust behandeln

Vorübergehende Probleme mit dem Einschlafen oder Durchschlafen kennen die meisten Menschen. Probleme in Beruf oder Familie, Urlaub, Umzug oder Krankheit sind nur einige der Anlässe, bei denen wir mal schlecht schlafen. Fast immer vergehen solche Schlafprobleme, wenn der Anlass entfällt.

Schlafmittel können eine Hilfe sein, wenn sich die Schlafprobleme nicht von selbst erledigen. Allerdings sollten Sie dabei sehr vorsichtig sein. Das gilt auch dann, wenn Ihr Arzt Schlafmittel verschreibt.

Schlafmediziner sind sich einig, dass Schlafmittel – von begründeten Ausnahmen abgesehen – nicht länger als 14 Tage eingenommen werden sollten. Der Grund: Schlafmittel führen schnell zu einer körperlichen oder psychischen Abhängigkeit. Durch den Missbrauch von Schlafmitteln entstehen Schlafstörungen, die sich ohne eine zielgerichtete Therapie weiter verstärken.

Wirkstoffe

Hopfen gehört zu den Cannabisgewächsen. Die Wirkstoffe des Hopfens stammen zum größten Teil aus den Hopfendrüsen der weiblichen Hopfenzapfen. Dort finden sich Gerbstoffe und Bitterstoffe. Letztere vor allem in Form von Humulon und Lupulon. Außerdem enthalten die Hopfenzapfen ätherisches Öl, wirksame Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) und Aromastoffe.

Wirkweise von Hopfen

Allem Anschein nach wirken Hopfen-Wirkstoffe auf das Gehirn ähnlich wie das Schlafhormon Melatonin. Sie greifen an Botenstellen für den Schlaf-Wach-Rhythmus an und fördern so das Einschlafen. Möglicherweise beruhen auch die beruhigenden Eigenschaften von Hopfen auf einem Effekt im Gehirn. Welche Substanzen genau diese Wirkung zeitigen, ist nicht ausreichend untersucht.

Die Bitterstoffe und Gerbstoffe erklären die appetitanregende und verdauungsfördernde Eigenschaft von Hopfen. Bitterstoffe sind dafür bekannt, den Gallenfluss anzuregen und die Produktion von Magensäure anzustoßen.

Die Wirkungen von Hopfen bei Wechseljahresbeschwerden und Regelbeschwerden erklärt sich durch den Gehalt an pflanzlichen Hormonen, der allerdings nicht ausreichend gut wissenschaftlich untersucht ist. Ob Hopfen tatsächlich östrogenähnliche Effekte beim Menschen auslöst, gilt gegenwärtig als umstritten.

Der Bayrische Rundfunk berichtet von Untersuchungen mit Hopfen in der Vorbeugung von Krebs und Osteoporose. Am Krebsforschungszentrum Heidelberg habe man eine vorbeugende und heilende Wirkung von Hopfenpräparaten auf Krebszellen im Labor zeigen können. Es ist aber fraglich, ob diese Experimente auf den Menschen übertragbar sind.

Hopfen anwenden

Verwendung finden die getrocknete geschnittene Heilpflanze sowie Trockenextrakte, die als Pulver, Tee, Tablette oder in Tropfenform angeboten werden. Häufig wird Hopfen in Kombination mit anderen Heilpflanzen wie Baldrian, Melisse oder Passionsblume verwendet. Die Stiftung Warentest hält solche Kombinationen für wenig geeignet. Sie empfiehlt, bei Schlafproblemen Monopräparate mit Baldrian.

Hopfen ist in allen Darreichungsformen eine sehr gut verträgliche Heilpflanze – das gilt auch für Hopfenpräparate. Nebenwirkungen sind allenfalls als allergische Reaktion zu erwarten. Auch Wechselwirkungen oder Anwendungsverbote (Gegenanzeigen) sind nicht bekannt.

Der Effekt einer Hopfenbehandlung stellt sich in aller Regel erst nach einigen Tagen oder Wochen ein. Im Durchschnitt wirken medizinische Hopfenzubereitungen schneller als Tees.

Achtung beim Hopfen pflücken

Beim Pflücken von Hopfen kann es beim Kontakt mit frischen Hopfenzapfen zur sogenannten Hopfenpflückerkrankheit kommen. Diese äußert sich unter anderem durch Kopfschmerzen, Bindehautentzündung, Hautrötung und Schläfrigkeit. Deshalb kann es besser sein, auf Hopfen aus maschineller Ernte zurückzugreifen.

Rezept für Hopfen-Tee

1 TL Hopfenzapfen mit 250 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Zur Appetitanregung oder Verdauungsförderung eine Tasse ca. 30 Minuten vor den Mahlzeiten trinken. Bei Schlafproblemen etwa 1 Stunde vor dem Schlafengehen eine Tasse Hopfen-Tee trinken.

Hopfen-Kissen zum Einschlafen

Als Einschlafhilfe sind auch Hopfenkissen geeignet. Dafür einfach 300 bis 500 g Hopfenzapfen (je nach Größe des Kissens) in ein Baumwoll- oder Leinenstoff einnähen. Durch die Körperwärme entströmt beim Daraufliegen ein Duft, der das Einschlafen erleichtern kann. Die Hopfenfüllung sollte nach etwa 4 bis 6 Wochen erneuert werden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017