Hirtentäschel, Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris)

Stillt Blutungen – reguliert unregelmäßige Monatsblutungen.

Hirtentäschel, Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris)

Hirtentäschel, genauer gesagt das Hirtentäschelkraut, zählt zu den Heilpflanzen, deren Nutzung nicht sehr verbreitet ist. Dabei ist die leicht blutungsstillende Wirkung des Hirtentäschels schon seit Jahrhunderten bekannt. Das bezieht sich allerdings auf seine traditionelle Verwendung. Wissenschaftlich nachgewiesen ist der Nutzen von Hirtentäschelkraut bislang nicht.

Wegen des hohen Aufwandes für entsprechende Studien ist das auch für die Zukunft nicht zu erwarten. Immerhin bescheinigt die Expertenkommission des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes der Heilpflanze eine Wirkung bei unregelmäßigen Monatsblutungen und Nasenbluten.

Geschätzt wird Hirtentäschelkraut daher mitunter von Frauen, die auf pflanzlichem Wege starke oder unregelmäßige Monatsblutungen normalisieren möchten. Auch bei Nasenbluten oder Hautverletzungen wird Hirtentäschel zuweilen äußerlich angewendet.

Heilpflanze Hirtentäschel (Capsella bursa pastoris) in Kürze

  • stillt leichte Blutungen bei Hautverletzungen oder Nasenbluten, reguliert mitunter übermäßig starke oder unregelmäßige Regelblutungen
  • im Allgemeinen gut verträglich
  • nicht in der Schwangerschaft verwenden, kann vorzeitige Wehen auslösen
  • nur harmlose Hautverletzungen selbst behandeln, Wunde reinigen und abdecken
  • Anwendungsgebiete: innerlich bei starken oder unregelmäßigen Monatsblutungen, äußerlich bei Nasenbluten und leichten oberflächlichen Verletzungen.

Keine Anwendung in der Schwangerschaft

Schwangere dürfen Hirtentäschel nicht anwenden. Die Heilpflanze kann vorzeitige Wehen auslösen. Nach der Geburt wird Hirtentäschelkraut hingegen von einigen Hebammen empfohlen, um Nachblutungen zu stoppen.

Selbstbehandlung von Hautwunden und Nasenbluten

Die meisten kleineren alltäglichen Blutungen erfordern keine besondere Handlung. Hautwunden sollten mit einem Desinfektionsmittel gereinigt und dann mit einem Pflaster oder Sprühverband abgedeckt werden. Dass Hautverletzungen ohne Abdeckung besser heilen, ist ein weitverbreiteter Irrgaube.

Bei Nasenbluten nicht nach hinten beugen

Nasenbluten lässt sich häufig durch aufrechtes Sitzen und Nachvornebeugen des Kopfes stoppen. So kann das Blut leichter abfließen. Pressen Sie bei einer unverletzten Nase zusätzlich mit Daumen und Zeigefinger den/die Nasenflügel zu. Kleinere geplatzte Gefäße verschließen sich dann rasch wieder.

Ein kühler Wickel oder Schwamm im Nacken trägt dazu bei, dass sich die Blutgefäße schneller verengen und die Blutung leichter zu stoppen ist.

Vom Beugen des Kopfes nach hinten raten Ärzte ab. Dabei könnten Sie Blut verschlucken. Das führt sehr häufig zu Übelkeit und Brechreiz. Und bei Erbrechen verstärkt sich das Nasenbluten. Das trifft übrigens auch auf das Austamponieren der blutenden Nase zu. Deshalb bitte eine blutende Nase nicht selbst tamponieren. Dies ist ausschließlich dem Arzt bei starkem Nasenbluten vorbehalten.

Wirkstoffe im Hirtentäschel

Hirtentäschel enthält, wie viele andere Kreuzblütengewächse, schwefelhaltige Senfglykoside. In diesem Fall handelt es sich vor allem um Sinigrin. Weitere nennenswerte wirksame Inhaltsstoffe sind Eiweiße und Aminosäuren, Pflanzenfarbstoffe, sogenannte Flavonoide, wie Rutin und Quercetin sowie die Mineralstoffe Kalzium und Kalium.

Wie diese Inhaltsstoffe den blutungsstillenden Effekt bewirken, ist im Einzelnen nicht untersucht. Versuche im Reagenzglas legen nahe, dass ein Peptid mit oxytocin-ähnlicher Wirkung im Hirtentäschel hormonähnliche Wirkungen entfalten könnte und so auf die Blutgefäße wirkt. In kleinen Dosierungen (in Tee oder Dragees) verengt Hirtentäschel die Blutgefäße – und trägt so dazu bei, Blutungen zu vermindern oder zu stoppen. Bei Gabe hoher Dosierungen als Injektion ist ein gegenteiliger Effekt zu beobachten.

Wegen der unzuverlässigen und mitunter paradoxen Wirkung von Hirtentäschelkrautbesprechen Sie die Anwendung gegen Menstruationsbeschwerden bitte mit Ihrem Frauenarzt.

Hirtentäschelkraut anwenden

Im Großen und Ganzen ist Hirtentäschel eine leicht anzuwendende Heilpflanze. Tees und Zubereitungen mit Hirtentäschel erhalten Sie in Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und Bioläden. Kaufen Sie vorzugsweise bei niedergelassenen Händlern. Hier haben Sie eine größere Wahrscheinlichkeit, dass die Heilpflanze unter standardisierten Bedingungen gewachsen ist und verarbeitet wird.

Hirtentäschel als Tee und Aufguss

Einen Hirtentäscheltee zur innerlichen Anwendung stellen Sie wie folgt her: 2 TL fein geschnittenes Hirtentäschelkraut mit 150 ml siedendem (nicht kochendem) Wasser übergießen. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden nennen die meisten Experten eine Trinkmenge von 3 bis 4 Tassen pro Tag. Um starken oder langen Monatsblutungen vorzubeugen, beginnen Sie bereits 8 bis 10 Tage vor dem Eintritt der Menstruation mit dem Tee.

Für die äußerliche Anwendung bei Blutungen empfiehlt sich ein stärkerer Hirtentäschel-Aufguss. Geben Sie 2 EL auf 150 ml siedendes Wasser. Auch hier 15 Minuten ziehen lassen und abgießen. Den Aufguss können Sie dann für Umschläge bei kleineren Hautverletzungen oder auch als Zusatz für ein Sitzbad bei Hämorrhoidalblutungen verwenden.

Zur Behandlung von Nasenbluten können Sie einen Mulltupfer oder Ähnliches mit dem Sud tränken. Dann pressen Sie den Tupfer von innen gegen die Nasenschleimhaut. Bei Nasenbluten unterwegs hilft es, Hirtentäschelkraut am Wegesrand zu pflücken. Einfach das Kraut mit den Fingern zerreiben und ein wenig davon an die Naseninnenwand drücken.

Am einfachsten aber ist es, wenn Sie Hirtentäschelzubereitungen kaufen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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