Goldrute Blüte (Solidago virgaurea)

Viele Menschen schwören auf Goldrute als Medikament gegen Harnwegsinfektionen. Auch als Mittel zur Durchspülungstherapie bei urologischen Infektionen oder Harnsteinen wird Solidago virgaurea häufig eingesetzt. Ob die individuell beobachtete Wirkung auf die Heilpflanze zurückzuführen ist, haben Studien bislang nicht belegen können. Die Stiftung Warentest bezeichnet Studien mit positiven Ergebnissen als methodisch nicht ausreichend – und hält die Wirkung daher für nicht belegt (September 2014).

Heilpflanze Goldrute (Solidago virgaurea) in Kürze

  • entwässernd und harntreibend, hemmt Entzündungen, lindert Krämpfe und Schmerzen, Effekte im Tierexperiment nachgewiesen
  • keine Durchspülungstherapie bei Ödemen durch Herzschwäche oder Nierenfunktionsstörungen
  • nicht anwenden bei Allergie auf Korbblüten-Gewächse, ansonsten keine Neben- oder Wechselwirkungen
  • Anwendungsgebiete: Vorbeugung und unterstützende Behandlung von Harnwegsinfekten, Verbesserung der Nierentätigkeit, Ableitung und Vorbeugung von Harnsteinen, unterstützende Behandlung von Gelenkschmerzen bei rheumatischen Erkrankungen und Arthrose.

Durchspülungstherapie

Bei der Untersuchung der Goldruten-Wirkung auf Harnwegsinfekte oder Nierensteine gibt es so etwas wie ein Henne-Ei-Problem. Während der Therapie sollen die Patienten viel trinken, um den Harnfluss anzuregen und gegebenenfalls Harnsteine auszuspülen. Der positive Effekt einer Durchspülungstherapie ist unbestritten. Nicht nur bei urologischen Erkrankungen profitiert der Organismus von einer erhöhten Trinkmenge. Eine Trinkmenge von 2 bis 3 Litern pro Tag ist grundsätzlich empfehlenswert. Wer viel trinkt, scheidet auch viel Urin aus. Welchen Beitrag Goldrute und andere Heilpflanzen wie Bärentraube oder Acker-Schachthalm zur Ableitung leisten, ist nicht bekannt.

Wirkstoffe und Wirkweise

Medikamente aus Goldrute werden aus der ganzen Pflanze (ohne Wurzeln) gewonnen. Je nach Art der Goldrute, meistens werden echte oder gewöhnliche Goldrute verwendet, schwankt die Wirkstoffzusammensetzung. Als wirksam gelten vor allem Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide wie Rutosid), sogenannte Sesquiterpene und Triterpensaponine sowie ätherisches Öl und einige Phenolglykoside.

Wirkweise

Die Wirkweise der Wirkstoffe in der Goldrute ist – von Tierversuchen abgesehen – kaum untersucht. Von Flavonoiden weiß man, dass sie harntreibend und entwässernd wirken können. Triterpene gelten als entzündungshemmend. Wie das Zusammenspiel dieser und anderer Wirkstoffe im Einzelnen aussieht, ist unbekannt.

Laborversuche haben ergeben, dass die Wirkstoffe neben der harntreibenden Wirkung auch Entzündungen hemmen und Krämpfe lösen könnten. Das würde positive Effekte auf Gelenkbeschwerden, rheumatische Erkrankungen und Schmerzen erklären. Dem scheinbar krampflösenden Effekt der Goldrute ist es zu verdanken, dass auch viele Hustentee-Mischungen Goldrute enthalten.

Goldrute anwenden

Goldrute als medizinische Zubereitung wird vor allem in Tablettenform und als Fluid angeboten. Diese Medikamente enthalten in der Regel ausschließlich Goldrute. In Tees wird Goldrute häufig mit anderen Heilpflanzen kombiniert.

Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen

Wer unter Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe) aufgrund von Herzschwäche oder einer Nierenfunktionsstörung leidet, sollte sich vor einer Durchspülungstherapie ärztlich beraten lassen. Eine große Trinkmenge kann unter diesen Umständen schwerwiegende Komplikationen verursachen, weil sie Herz und Nieren belastet.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Nennenswerte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von und mit Goldrute-Präparaten oder Tees sind nicht bekannt. Allenfalls kommt es mitunter zu allergischen Hautreaktionen mit Rötungen und Juckreiz. Dies gilt vor allem bei einer Korbblütler-Allergie.

Kinder und Schwangerschaft

Einige Experten raten, Goldrute bei Kindern, Schwangeren und Stillenden vorsichtshalber nicht zu verwenden, weil die Unbedenklichkeit der Heilpflanze nicht nachgewiesen sei.

Goldrute sammeln

Es gibt eine enorme Vielfalt an Goldruten-Arten. Wer die Heilpflanzen sammeln möchte, sollte sich daher mit einer genauen Beschreibung wappnen. Die Heilpflanze ist in unseren Breiten leicht zu finden – vor allem an sonnigen Standorten in Waldnähe. Beste Erntezeit ist der Hochsommer Anfang August, wenn die Goldrute blüht: einfach die blütennahen Teile der Pflanze sammeln und an der Luft im Schatten trocknen.

Giftige Doppelgänger

Leicht zu verwechseln ist die Echte Goldrute mit dem Jacobs-Greiskraut. Am besten lassen sich die Pflanzen an den Blättern unterscheiden.  Die der Goldrute sind weniger breit und kaum gefiedert.

Jacobs-Greiskraut könnte für den Menschen giftig sein. Landwirte kennen tödliche Fälle von Vergiftungen bei Rindern und Pferden, wenn viel Greiskraut in Heu oder Silage gerät.

Goldruten-Tee zu bereiten

2 TL getrocknetes Goldrutenkraut auf 250 ml kaltes Wasser geben, zum Sieden bringen und 2 Minuten ziehen lassen und abseihen. Bei den ersten Anzeichen einer Harnwegsinfektion oder zur Vorbeugung von wiederkehrenden Nierensteinen oder Blasensteinen etwa 3 Tassen pro Tag trinken.

Um eine Durchspülungstherapie zu unterstützen, reicht diese Trinkmenge nicht aus. In diesem Fall sollten es wenigstens 3 Liter pro Tag sein. Geeignet sind Wasser, Saftschorlen und Kräutertees.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017