Faulbaum (Frangula alnus)

Abführend bei Verstopfung – Abführmittel immer nur kurzfristig einsetzen.

Faulbaumrinde (Frangula cortex)

Faulbaumrinde ist ein pflanzliches Abführmittel. Es wirkt ähnlich wie Aloe und Sennesblätter. Eine Reise, seelische Belastung oder eine Veränderung der Essgewohnheiten: Es gibt viele Anlässe für eine gelegentliche harmlose Verstopfung. In solchen Fällen ist ein pflanzliches Abführmittel eine durchaus sinnvolle Wahl. Das gilt aber nur, wenn es beim sehr kurzfristigen Gebrauch bleibt.

Heilpflanze Faulbaumrinde  (Frangulae cortex) in Kürze

  • wirkt abführend
  • Vorsicht: Frische Pflanze ist giftig, getrocknete Faulbaumrinde nicht
  • nicht bei Darmverschluss oder Darmerkrankungen einsetzen
  • zuweilen starke Nebenwirkungen in Form von Bauchkrämpfen
  • Abführmittel immer nur kurzfristig (idealerweise einmalig) einsetzen
  • Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten
  • Anwendungsgebiete: Verstopfung.

Mit Abführmitteln in die chronische Verstopfung

Der regelmäßige Gebrauch von Abführmitteln ist der kürzeste Weg in den Teufelskreis einer chronischen Verstopfung. Jedes Abführmittel, auch die vermeintlich sanften und als harmlos beworbenen pflanzlichen Abführmittel, greift in den normalen Verdauungsprozess ein. Sie verändern bei wiederholter Anwendung die natürlichen Abläufe der Darmentleerung. Diese Veränderungen führen zu weiteren Verstopfungen. Und denen rücken die Betroffenen erneut mit Abführmitteln entgegen. Diesen Kreislauf zu unterbrechen, gelingt in der Regel nur mithilfe eines spezialisierten Arztes. Und der Erfolg einer Obstipationstherapie ist – trotz aller Fortschritte – immer noch ungewiss.

Wirkstoffe und Wirkweise der Faulbaumrinde

Faulbaumrinde enthält sogenannte Anthranoide. Das sind im Fall dieser Heilpflanze die nach ihr benannten Wirkstoffe Glucofrangulin A und B, Frangulin A und B sowie Frangulaemodin.

Diese Substanzen gelangen mit der Nahrung in den Darm. Dort werden sie von Bakterien umgewandelt und aktiviert. Die Wirkstoffe dichten die Dickdarmschleimhaut von innen ab. Damit kann keine Flüssigkeit mehr aus dem Darm in den Körper gelangen. Gleichzeitig fördern die aktiven Anthranoide den Wechsel von Wasser aus dem Körper in den Darm. Das Ergebnis: Der Darminhalt wird weicher und ist leichter zu transportieren. Außerdem quillt er auf und fördert damit reflexartig die natürliche Darmbewegung (soweit diese noch ausreichend vorhanden ist).

Heilpflanze Faulbaum anwenden

Wie alle Abführmittel sollten Sie Faulbaum bzw. Faulbaumrinde nur kurzfristig und selten anwenden. Außerdem sind Abführmittel grundsätzlich nur für Menschen mit weitgehend gesundem Magen und Darm geeignet.

Der mit Verstopfung einhergehende Darmverschluss (Ileus) ist ein lebensgefährlicher Notfall, der ärztlich behandelt werden muss. Bei Verdacht auf Darmverschluss dürfen Sie auf keinen Fall Abführmittel wie Faulbaum einsetzen. Gesundheitsgefährdend ist die Anwendung auch bei entzündlichen und/oder chronischen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Auch bei Verdacht auf Blinddarmentzündung darf Faulbaumrinde nicht eingenommen werden.

In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Anwendung von Abführmitteln grundsätzlich abzuraten. Das gilt auch für Kinder.

Nebenwirkungen

Besonders bei einer länger anhaltenden Verstopfung macht sich die Wirkung von Abführmitteln mitunter mit starken krampfartigen Bauchschmerzen und Blähungen bemerkbar. Das gilt auch für Faulbaum.

Außerdem kann die Einnahme der Heilpflanze zu Blut im Harn führen und so den Urin rötlich färben. Jede rötliche Färbung des Urins sollte ärztlich abgeklärt werden. Schaumiger Urin kann auf Eiweißausscheidungen im Urin hinweisen und bedarf ebenfalls einer ärztlichen Abklärung.

Vorsicht: Mineralstoffmangel durch Abführmittel

Die mehrtägige Einnahme von Abführmitteln wie Faulbaum oder Sennesblättern schadet nicht nur der natürlichen Darmentleerung, sondern auch dem Stoffwechsel. Der Grund: Der gestörte Mineralstofftransport durch die Darmschleimhaut entzieht dem Körper Mineralstoffe. Diese braucht der Körper beispielsweise für eine gesunde Nierenfunktion oder die natürliche Herzfunktion. Der Gebrauch von Abführmitteln begünstigt beispielsweise einen Kaliummangel, der zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen kann.

Wechselwirkungen

Faulbaumrinde sollten Sie, wie alle auf den Darm wirkenden Medikamente, in einem zeitlichen Abstand von anderen Medikamenten einsetzen. Aufgrund von Kaliummangel kann die Wirkung von Herzglykosiden verstärkt werden, die gegen Herzschwäche eingesetzt werden. Ebenfalls werden kaliummangelbedingt herzrhythmusregulierende Medikamente beeinflusst. Gefährlich wird es bei der gleichzeitigen Anwendung von Thiaziddiuretika (bestimmte Entwässerungsmittel), Nebennierensteroidhormonen (zum Beispiel Kortison und Mineralokortikoide) sowie Süßholzwurzel. Diese können den Kaliummangel und damit bedingte Wechselwirkungen zusätzlich verstärken.

Faulbaumrinde selbst zubereiten

Immer mehr Menschen sammeln Heilpflanzen. Das ist auch bei der Faulbaumrinde möglich. Der Faulbaum wächst vor allem in Feuchtgebieten, beispielsweise in Auwäldern. Aber Achtung: Es besteht Vergiftungsgefahr. Die frische Rinde ist giftig. Vergiftungserscheinungen sind beispielsweise starkes Erbrechen und blutiger Durchfall. Suchen Sie im Fall einer Vergiftung auf jeden Fall unverzüglich einen Arzt auf. Die Giftstoffe der Faulbaumrinde zersetzen sich erst nach etwa 1 Jahr trockner Lagerung.

Rezept für Faulbaumrinden-Tee

1 TL gut gelagerte und getrocknete geschnittene Faulbaumrinde mit 250 ml kaltem Wasser übergießen. 12 Stunden ziehen lassen und dabei gelegentlich umrühren und am Ende abgießen. Den Tee vor dem Verzehr leicht erwärmen und lauwarm in kleinen Schlucken trinken.

Schon eine Tasse Faulbaumrinden-Tee kann ausreichen, um die Verstopfung zu beseitigen. Dieser Effekt tritt allerdings frühestens einige Stunden nach dem Trinken ein. Deshalb empfiehlt es sich, den Tee vor dem Schlafengehen zu trinken. Nach 8 bis 12 Stunden ist mit einer Darmentleerung zu rechnen.

Sie können den Faulbaumrinden-Tee auch mit anderen Heilpflanzen wie Kümmel, Tausendgüldenkraut oder Kamille kombinieren.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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