Erdrauch (Fumaria officinalis)

Löst Krämpfe im Bereich der Gallenwege und im Magen-Darm-Trakt.

Erdrauch (Fumaria officinalis)

Erdrauch gehört zu den weniger bekannten Heilpflanzen. Das mag auch daran liegen, dass seine krampflösende und gallenanregende eher schwach ausgeprägt erscheint. Außerdem spielt sicherlich eine Rolle, dass einer der Wirkstoffe im Erdrauch, das Fumarin, in höheren Dosierungen giftig ist. Andererseits ist Fumarsäure als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen.

Unter ärztlicher Aufsicht wird Fumarsäure als Medikament gegen Schuppenflechte (Psoriasis) angewendet. Und: Ein Salz der Fumarsäure, das Dimethylfumarat, ist seit Beginn diesen Jahres für die Basistherapie von Multipler Sklerose zugelassen. Die Konzentration der Fumarsäure aus der Heilpflanze reicht für diese Anwendungszwecke jedoch nicht aus. In aller Regel stammen die Fumarsäure-Verbindungen in diesen Medikamenten auch nicht aus der Heilpflanze, sondern werden künstlich hergestellt.

Medikamente mit Fumarsäure dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden, weil sie mitunter starke Nebenwirkungen haben. Unter anderem deswegen sind sie verschreibungspflichtig.

Heilpflanze Gewöhnlicher Erdrauch (Fumaria officinalis) in Kürze

  • regt den Gallenfluss an, löst Krämpfe im Magen-Darm-Bereich, leicht abführend und harntreibend, beruhigt das vegetative Nervensystem
  • Substanzen aus der Heilpflanze als Vorbild für Medikamente gegen Schuppenflechte (Psoriasis) und Multiple Sklerose (MS)
  • Tees und Umschläge nicht zur Behandlung von Schuppenflechte geeignet
  • bei Verwendung der Heilpflanze keine wesentlichen Nebenwirkungen bekannt
  • Anwendungsgebiete: krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege sowie krampfbedingte Magen-Darm-Beschwerden, Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen infolge von mangelndem Gallenfluss, Verstopfung.

Inhaltsstoffe und Wirkweise

Die Pflanzenheilkunde nutzt die oberirdischen Teile des Erdrauchs, also die Pflanze ohne Wurzel. Neben der Fumarsäure und verwandten Substanzen wie Fumarin und Fumaricin enthält Erdrauch verschiedene andere Alkaloide. Des Weiteren finden sich beispielsweise Flavonoide und Schleimstoffe.

Wirkweise

Die krampflösenden Eigenschaften schreiben Pharmazeuten dem Gehalt an Alkaloiden zu. Auch Verstopfung und erschwertes Wasserlassen (Harnverhalt) gehen häufig mit Verkrampfung einher. Die positive Wirkung auf diese Beschwerden könnte also auch durch die krampflösenden Eigenschaften erklärt werden. Der genaue Wirkmechanismus für die Krampflösung ist allerdings nicht bekannt.

Zudem sollen Benzylisochinonalkaloide (insbesondere Protopin) in Verbindung mit Fumarsäure die Gallenproduktion und den Gallenfluss regulieren. Nach Ansicht der Naturheilkunde wird eine übermäßige Gallenproduktion gehemmt, andererseits die Leber bei einer verminderten Produktion angeregt, mehr Gallenflüssigkeit zu produzieren.

Zudem soll Erdrauch den Schließmuskel des gemeinsamen Ganges von Leber und Bauchspeicheldrüse entspannen. So werden – nach Ansicht der Naturheilkunde – gallenbedingte Verdauungsbeschwerden gelindert.

Die beruhigende Wirkung auf Magen und Darm könnte durch die Schleimstoffe zustande kommen. Schleimstoffe legen einen schützenden Film über die Schleimhaut von Magen und Darm. So kann sich die gereizte Schleimhaut von Magen und Darm regenerieren.

Erdrauch anwenden

Im Allgemeinen ist die Heilpflanze Erdrauch gut verträglich und leicht anzuwenden. Das gilt vor allem für die Verwendung als Erdrauch-Tee. Hier sind bei gesunden Menschen schlimmstenfalls Bauchschmerzen als Reaktion auf die Alkaloide des Erdrauchs zu erwarten.

Fertigpräparate wie Kapseln oder Tabletten haben je nach Zusammensetzung und Herkunft mitunter ganz verschiedene Wirkungen. Achten Sie in jedem Fall auch die Packungsbeilage.

Medikamente mit künstlich hergestellten Verwandten der Fumarsäure werden – wie bereits erwähnt – unter anderem bei Schuppenflechte und Multipler Sklerose eingesetzt. Diese Medikamente beeinflussen bestimmte Zellen des körpereigenen Abwehrsystems (TH1- und TH2-Zellen) und haben starke Nebenwirkungen. Daher werden sie auch nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt.

In der Heilpflanze sind die wirksamen Verbindungen entweder so gar nicht enthalten – oder in einer zu schwachen Konzentration, um in den Körper aufgenommen werden zu können. Daher hat die äußerliche Anwendung der Heilpflanze keinen Effekt auf Schuppenflechte.

Erdrauch sammeln und zubereiten

Erdrauch ist eine weitverbreitete Acker- und Gartenpflanze, die sich in Stadt und Land findet. Die beste Erntezeit ist im Sommer, wenn die Pflanze im Juni und Juli blüht. Das Kraut wird nach der Ernte getrocknet und geschnitten. Die Heilpflanze hält sich länger, wenn sie dunkel, trocken und nicht zu warm gelagert wird.

Erdrauch-Tee zubereiten

1 TL getrocknetes Erdrauchkraut mit 250 ml kaltem Wasser übergießen. Langsam erwärmen bis kurz vor dem Kochen. 10 Minuten ziehen lassen und abgießen. 3 Tassen täglich, idealerweise vor den Mahlzeiten, beugen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl vor. Bei krampfbedingten Schmerzen schafft der Tee meistens innerhalb kurzer Zeit Linderung. Um eine Gewöhnung zu vermeiden, sollten Sie spätestens nach sechswöchiger Teekur eine Pause von sechs Wochen einlegen.

Autor: Charly Kahlle

Stand: 28.07.2017

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