Brennnessel (Urtica)

Die Brennnessel (Urtica) ist für die meisten Menschen wohl nur ein weitverbreitetes Unkraut. Die Brennhaare der Pflanze tun ein Übriges, die Brennnessel unbeliebt zu machen. Dennoch hat die Heilpflanze Brennnessel eine wachsende Anhängerschaft.

Wegen seiner harntreibenden Wirkung ist Brennnessel-Tee beispielsweise zur unterstützenden Behandlung bei Harnwegsinfekten beliebt. Extrakte aus der Brennnesselwurzel werden – als Monopräparat oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen – als pflanzliche Heilmittel gegen Probleme im Zusammenhang mit der gutartigen Prostatavergrößerung beworben. Und erfolgreich verkauft – trotz fehlenden wissenschaftlichen Nachweises der Wirksamkeit. Brennnesselblätter und Brennnesselkraut sollen zudem bei rheumatischen Gliederschmerzen helfen.

Brennnessel als Heilpflanze in Kürze

  • harntreibend und „entschlackend“; soll Probleme mit dem Wasserlassen bei gutartiger Prostatavergrößerung lindern (nicht eindeutig belegt)
  • unterstützende Behandlung rheumatischer Erkrankungen
  • selten Nebenwirkungen in Form von leichten Magen-Darm-Beschwerden oder allergischen Hautreaktionen
  • nicht anwenden bei Wasseransammlungen im Gewebe, die durch Herzschwäche oder Nierenprobleme verursacht sind
  • keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamentenbekannt
  • Anwendungsgebiete: Beschwerden beim Wasserlassen oder Wasserhalten infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung; Harnwegsinfektionen; traditionelle Verwendung bei Rheuma, Gicht, Gallenbeschwerden und Leberbeschwerden

Wirksame Bestandteile

Die wirksamen Bestandteile der Brennnessel stecken in den Blättern, Stielen und in den Wurzeln der Heilpflanze.

Botenstoffe in den Brennhaaren der Blätter

Arzneilich wirksame Stoffe stecken vor allem in den Brennhaaren der Brennnessel. Hier handelt es sich um die Botenstoffe Histamin, Serotonin, Acetylcholin und Scopoletin. Diese Botenstoffe sind an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt und erklären die anregende Wirkung von Brennnesselblättern, beispielsweise auf die Blasenfunktion und den Uro-Genital-Trakt.

Die harntreibende Kraft der Heilpflanze Brennnessel wird in der Phytotherapie genutzt, um Erkrankungen wie Gicht, Gallenbeschwerden und Leberbeschwerden unterstützend zu behandeln. Das Erklärungsmodell für den positiven Effekt: Mit der gesteigerten Harnausschüttung soll der Körper durchspült und von schädigenden „Schlacken“ befreit werden.

Des Weiteren sollen Brennnesselblätter die körpereigene Produktion von Zytokinen hemmen. Zytokine sind spezielle Entzündungs-Botenstoffe, die Knorpel in entzündeten Gelenken schädigen können. Je weniger Zytokine gebildet werden, umso geringer sind Gelenkschäden und dadurch bedingte Beschwerden. Dieser Wirkmechanismus soll den Behandlungserfolg bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen erklären.

Darüber hinaus enthalten Brennnesselblätter eine Reihe von Substanzen, deren Funktion im Einzelnen wissenschaftlich kaum untersucht sind. In den Blättern findet sich zum Beispiel der Pflanzenfarbstoff Rutin. Er gehört zu den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen (Flavonoiden), die bis zu 2 Prozent der Blattbestandteile ausmachen. Neben den Vitaminen B, C und K enthalten die Brennnesselblätter Kalium, ätherisches Öl, Steroide und Kaffeoyläpfelsäure.
Wirkstoffe in der Brennnesselwurzel

Brennnesselwurzeln enthalten pflanzliche Hormone, sogenannte Phytosterole.Diese Hormone sollen – so die Hersteller der entsprechenden Medikamente - das Wachstum bei einer gutartigen Prostatavergrößerung bremsen und insgesamt Probleme mit dem Wasserlassen positiv beeinflussen. In wissenschaftlichen Studien konnte dieser Effekt nicht nachhaltig belegt werden. Bei Vergleichen von Medikamenten und Scheinmedikamenten (Placebos) schneiden beide Gruppen gleich ab. Veränderungen des Krankheitsbildes und der Lebensqualität bezeichnen die Probanden in der Regel als geringfügig. Ähnliche Ergebnisse liefern Studien für die Heilpflanze Sägepalme und Kürbissamen bei Prostatavergrößerung.

Brennnessel anwenden

Im Allgemeinen gilt die Heilpflanze Brennnessel als gut verträglich. Grundsätzlich unterstützt es den Behandlungserfolg, wenn Sie während einer Brennnesselkur viel trinken. Das fördert den durchspülenden Effekt.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Nebenwirkungen von Brennnessel-Medikamenten beschränken sich in der Regel auf leichte Unverträglichkeitsreaktionen. Das können Magen-Darm-Beschwerden sein oder allergische Hautreaktionen, beispielsweise Juckreiz, Hautauschlag oder Nesselsucht.

Wechselwirkungen von Brennnesselpräparaten mit anderen Medikamenten sind nicht bekannt. Das gilt für Brennnesseltrockenextrakt und Brennnesselwurzelextrakte. Allerdings werden beide Stoffe häufig mit anderen Heilpflanzen kombiniert. Diese kombinierten Wirkstoffe können durchaus Neben- oder Wechselwirkungen haben. Lesen Sie daher bitte aufmerksam die jeweilige Packungsbeilage.
Anwendungsverbote (Gegenanzeigen)

Bei Wasseransammlungen im Gewebe (Ödemen) infolge eingeschränkter Herzfunktion oder Nierenfunktion dürfen Sie Medikamente mit Brennnessel nicht verwenden.

Brennnessel-Tee – günstige Alternative zu Medikamenten

Brennnessel-Medikamente sind nicht immer ganz preiswert. Eine günstige Alternative ist Brennnessel-Tee. Bei Harnwegsinfekten beispielsweise reichen 2 – 3 Tassen Tee aus, um die harntreibende Wirkung zu entfalten.
Brennnesseln selbst sammeln

Brennnesseln können Sie leicht selbst sammeln und trocknen. Die beiden häufigsten Brennnessel-Arten, Große Brennnessel (Urtica dioica) und Kleine Brennnessel (Urtica urens), wachsen vielerorts. Sie sind beide für die arzneiliche Verwendung geeignet. Die Blätter können an der Luft getrocknet werden.
Frischen Brennnesseltee zubereiten

Etwa 2 TL getrocknete Brennnesselblätter mit 150 ml heißem Wasser gießen und 5 Minuten ziehen lassen. Abgießen und den Tee lauwarm in kleinen Schlucken trinken. Eine Brennnesseltee-Kur dauert 4 bis 8 Wochen, bei je einer Tasse Tee morgens und abends.

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017