Bärentraube, Bärentraubenblätter (Arctostaphylus uva-ursi)

Harntreibend und entzündungshemmend – Einsatz bei Harnwegsinfekten.

Bärentraube, Bärentraubenblätter (Arctostaphylus uva-ursi)

Tees aus Bärentraubenblättern (Uvae ursi floium) sind ein weitverbreitetes Mittel bei der Selbstbehandlung von Harnwegsinfekten. Die Heilpflanze wird genutzt, weil sie Bakterien in ihrem Wachstum hemmen und außerdem die Harnausscheidung fördern soll. Im Gegensatz zu vielen anderen Heilpflanzen, sind die meisten Mediziner von den Effekten der Bärentraube überzeugt.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet mehrere sogenannte Positivmonografien für Bärentraubenblätter bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege. Das bedeutet gewissermaßen, die Behörde hat einen Nutzen der Heilpflanze anerkannt. Wissenschaftlich aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit gibt es aber bislang nicht.

Die Stiftung Warentest bewertet Medikamente aus Bärentraubenblättern mit bei Blasenbeschwerden „wenig geeignet“. Die Warentester bemängeln vor allem, dass die Langzeitfolgen der Einnahme nicht ausreichend untersucht sind.

Heilpflanze Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi ) in Kürze

  • hemmt Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen, leicht entwässernd
  • nicht länger als 7 Tage und häufiger als 5 Mal jährlich anwenden
  • Hinweise auf leberschädigende Wirkung und möglicherweise krebserregend
  • für Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 nicht geeignet
  • einige Produkte enthalten Alkohol
  • Anwendungsgebiet: Behandlung von Infektionen der ableitenden Harnwege, wenn der Einsatz von Antibiotika nicht notwendig erscheint.

Kritische Inhaltsstoffe könnten Leber und Erbgut schädigen

Bärentraubenblätter enthalten unter anderem Arbutin und Methylarbutin. Dabei handelt es sich um Substanzen, die im Körper (vor allem in der Leber) in Hydrochinon umgewandelt werden. Dieses Hydrochinon steht im Verdacht, bei langfristiger Anwendung die Leber zu schädigen. Außerdem gibt es Hinweise, dass Hydrochinon das Erbgut schädigen könnte.

Dieser kritische Effekt der Bärentraubenblätter erklärt gleichzeitig auch eine Wirkung bei Entzündungen der ableitenden Harnwege. Das Hydrochinon gelangt nämlich über die Nieren in den Urin. Und hemmt dort – so die Vorstellung der Pharmazie – das Wachstum von Bakterien und Pilzen. Im Reagenzglas konnte jedenfalls nachgewiesen werden, dass Hydrochinon für Harnwegsinfektionen typische Erreger töten kann. Darunter fallen zum Beispiel E.coli-Bakterien, Enterobacter, Pseudomonas, Proteus und Klebsiellen sowie Staphylokokkus-Arten.

Weitere Inhaltsstoffe

Den antibakteriellen Effekt von Bärentraubenblättern unterstützen Gerbstoffe aus der Heilpflanze. Gerbstoffe tragen dazu bei, dass sich die Oberfläche von Gewebe zusammenzieht. Damit können Krankheitserreger sich dort weniger gut einnisten.

Für die schwach harntreibende Wirkung der Bärentraube gibt es keine explizite Erklärung.

Bärentraubenblätter anwenden

Im Prinzip gelten Bärentraubenblätter als eine leicht anzuwendende Heilpflanze. Die Erkenntnisse über mögliche Leberschäden und krebserregende Eigenschaften aber lassen eine uneingeschränkte Empfehlung nicht zu.

Grundsätzlich sollten Sie Bärentraubenblätter – ob als Tee oder Medizinprodukt – nicht länger als 7 Tage und nicht häufiger als 5 Mal im Jahr anwenden. Die Höchstdosis pro Tag beträgt 12 g getrocknete Bärentraubenblätter. Darauf weisen die meisten Hersteller in den Packungsbeilagen hin.

Auf alkalischen Urin achten

Bärentraubenblätter sind in einem basischen Milieu am wirkungsvollsten. Deshalb sollte der Urin alkalisch sein. Dies erreichen Sie, indem Sie vor allem pflanzliche Lebensmittel verzehren und eiweißreiche Nahrung meiden. Verzichten sollten Sie bei der Anwendung der Bärentraube auf Lebensmittel, die den Harn ansäuern. Dazu gehören insbesondere Fleisch und Fisch sowie Hülsenfrüchte.

Nehmen Sie Bärentraubenblätter nicht zusammen mit Medikamenten ein, die zu einem sauren Urin führen. Das kann die keimtötende Wirkung der Bärentraube vermindern oder sogar aufheben. Harnansäuernde Medikamente beinhalten häufig den Wirkstoff Methionin. Methionin wird unter anderem gegeben, um die Neubildung von Nierensteinen zu vermeiden oder um Antibiotika, die im sauren Urin am besten wirken, zu verstärken.

Nebenwirkungen

Viele Menschen reagieren empfindlich auf Gerbstoffe. Verstopfungen, Magenschmerzen oder Übelkeit sind mögliche Nebenwirkungen der Einnahme. Bei blutigem Urin und starkem Harndrang sollten Sie Bärentraubenblätter absetzen und einen Arzt aufsuchen. Diese Symptome deuten auf eine Überdosierung hin. In der Naturheilkunde werden Bärentraubenblätter auch als Wehenmittel eingesetzt. Schwangere und Stillende sollten die Heilpflanze vorsichtshalber nicht anwenden. Das gilt auch für Kinder unter 12 Jahren. Inhaltsstoffe der Bärentraube sind möglicherweise in der Lage, die Bildung des Hautpigments Melanin zu beeinträchtigen. Deshalb sollten Sie während der Einnahme der Blätter ausgedehnte Sonnenbäder und Solarienbesuche vermeiden.

Wechselwirkungen mit Alkohol

Einige Bärentraubenblätter-Produkte enthalten Alkohol. Damit sind diese Produkte für Alkoholiker und Leberkranke nicht geeignet. Die Einnahme verbietet sich auch, wenn Sie gleichzeitig andere Medikamente einnehmen. Alkohol verändert mitunter die Wirkung einer Reihe von Medikamenten auf unvorhersehbare Weise. Solche Medikamente sind beispielsweise

  • starke Schmerzmittel
  • Schlafmittel
  • Mittel gegen Depressionen, Angst oder Psychosen
  • Herz- und Blutdruckmittel.

Bärentraubenblätter selbst verarbeiten

Die Bärentraube zählt zu den Erikagewächsen und ist auch in Mitteleuropa verbreitet. Allerdings ist sie inzwischen so selten geworden, dass sie schon vor Jahren unter Schutz gestellt wurde. Das Sammeln von Bärentraubenblättern ist daher in Europa verboten. Sie können die Heilpflanze aber im Garten ziehen.

Bärentraubenblätter sollten nach dem Ernten rasch getrocknet werden. Bei zu langer Lagerung der frischen Blätter geht das Phenolglycosid Arbutin verloren, aus dem im Körper die wirksame Substanz Hydrochinon gebildet wird.

Rezept für Bärentraubenblätter-Tee

1 TL Bärentraubenblätter mit 150 ml Wasser aufkochen. Dann durch einen Filter abseihen. Viele Menschen halten einen Kaltansatz für wirkungsvoller. Um diesen Ansatz herzustellen, geben Sie 1 TL Bärentraubenblätter auf 150 ml kaltes Wasser. Dann lassen Sie den Aufguss an einem lichtgeschützten Ort etwa 12 Stunden ziehen. Danach durch einen Filter abgießen und den Tee bei Bedarf auf Trinktemperatur erwärmen.

Wenn Sie den Bärentraubenblätter-Tee im Zuge einer sogenannten Durchspülungstherapie gegen Harnwegsinfektionen einsetzen: Achten Sie bitte darauf, dass Sie neben dem Tee (3 mal täglich) wenigstens 2 Liter zusätzliche Flüssigkeit aufnehmen.

Und: Durchspülungstherapien sind für Menschen mit einem schwachen Herz oder Nierenproblemen nicht geeignet. Anzeichen für diese Erkrankungen sind Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme).

Autor: Charly Kahle

Stand: 28.07.2017

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