Freizeitkrankheit

Hier lernen Sie die Gründe für die Freizeitkrankheit (Leisure Sickness) kennen und bekommen Tipps, wie Sie im Urlaub gesund bleiben.

Freizeitkrankheit

Kennen Sie das auch: Kaum am Urlaubsziel angekommen fühlen Sie sich schlapp, bekommen Fieber oder es rumort in Magen und Darm? Experten sprechen von der Freizeitkrankheit. Gerade Bauschschmerzen im Urlaub sind ein häufiges Symptom der Freizeitkrankheit. Hier lernen Sie die Gründe für die Leisure Sickness kennen und lesen, wie Sie im Urlaub gesund bleiben.

Ursachen der Freizeitkrankheit

Experten schätzen, dass sich fast ein Viertel aller Deutschen im Urlaub körperlich nicht auf der Höhe fühlt. Jeder 10. wird sogar ernsthaft krank. In vielen Fällen gibt es für diese Erkrankungen keine nachweisbare Ursache. Mediziner sprechen von der Freizeitkrankheit. Im englischen Sprachraum ist der Begriff "Leisure Sickness" verbreitet. Besonders typisch für die Freizeitkrankheit sind Infektionserkrankungen wie Erkältungen, Entzündungen der Atemwege sowie Kopfschmerzen und Rückenschmerzen. Experten machen dafür vor allem drei Gründe aus:

1. Im Urlaub verändert sich die Wahrnehmung. Schmerzen beispielsweise blenden wir im Alltag oft aus, weil wir funktionieren müssen. Ob Familie oder Beruf: Wir konzentrieren uns auf das, was zu erledigen ist und widmen körperlichen Symptomen nur wenig Aufmerksamkeit. Liegen wir entspannt im Sonnenstuhl, spüren wir - scheinbar plötzlich - Schmerzen oder Schwächegefühle. Tatsächlich aber waren diese Symptome auch in den Wochen zuvor schon da.

2. Urlaub ist Erholungszeit – und das gilt im gewissen Maß auch im biochemischen Sinne. Tatsächlich verändern sich im Entspannungszustand das Gleichgewicht der Botenstoffe und die Tätigkeit des Immunsystems. Im Ergebnis steigt zunächst die Infektanfälligkeit. Gleichzeitig bewegen wir uns im Urlaub häufig gemeinsam mit vielen Menschen auf engem Raum. Auch das erhöht die Ansteckungswahrscheinlichkeit - in Flugzeugen oder Zügen etwa.

3. Im Urlaub bewegen wir uns häufig in sonnigen Gefilden. Dort laufen in Hotels, in Museen, dem Auto oder Restaurants die Klimaanlagen auf Hochtouren. Das kühlt nicht nur, sondern trocknet auch die Schleimhäute aus. Damit haben Viren leichteres Spiel und verursachen eine Sommergrippe.

Stark belastete Menschen besonders gefährdet

Die Freizeitkrankheit betrifft überdurchschnittlich oft Menschen, die im Alltag stark belastet sind. Diese Belastung kann durch äußere Faktoren wie lange Arbeitszeiten oder die Pflege eines kranken Menschen begründet sein.

Aber auch psychische Faktoren spielen eine Rolle: Perfektionisten etwa stehen ähnlich stark unter belastendem Stress wie Workoholics oder pflegende Angehörige. Wenn der Stresslevel mit Urlaubsbeginn stark sinkt, fällt die psychische und biochemische Antwort entsprechend stark aus. „Am ersten Urlaubstag abrupt von 100 auf 0 runterschalten kann zu Problemen führen“. Das sagt Dr. Ursula Marshall von der Krankenkasse Barmer-GEK. Wer vor dem Urlaub ständig unter Stress stehe, habe auch ein erhöhtes Niveau von Stresshormonen wie Adrenalin und Kortisol. Lasse die Anspannung plötzlich nach, gerate das Gleichgewicht der Botenstoffe so durcheinander, dass auch das Immunsystem leide.

Gezielte Vorsorge gegen Freizeitkrankheit

Die beste Vorsorge gegen die Freizeitkrankheit besteht daher darin, im Idealfall schon vor dem Urlaub langsam den einen oder anderen Gang runterzuschalten, empfiehlt Dr. Christian Kretschmer, Arzt aus Bad König. Im Idealfall gelinge es, Entspannung schon vor dem Urlaub in den Alltag zu integrieren. „Manchen Menschen fällt Abschalten einfach, andere müssen es lernen. Das ist völlig normal und kein Grund, auf Entspannung zu verzichten.“ Besonders geeignet sind nach Dr. Kretschmers Empfehlung leicht zu erlernende Atem- und Achtsamkeitsübungen aus dem Autogenen Training. Auch Yoga oder die Progressive Muskelentspannung seien nach einer Einübungsphase verhältnismäßig leicht in den Alltag zu integrieren. Ein abendlicher Spaziergang trage ebenfalls schon wesentlich zur Vorsorge gegen die Freizeitkrankheit bei. Auch wer regelmäßig Sport treibe, lebe insgesamt gesünder und beuge gleichzeitig der Freizeitkrankheit vor. Dr. Marshall von der Barmer-GEK empfiehlt darüber hinaus, im Urlaub das Smartphone auch mal abzuschalten. Beschränken Sie den Kontakt mit Alltag und Berufsleben auf ein festes Zeitfenster. In den allermeisten Fällen sollte es ausreichen, wenn Sie beispielsweise Ihre Mails einmal am Tag checken.

Nicht jede Erkrankung während des Urlaubs ist ein Hinweis auf die Freizeitkrankheit. Mediziner sprechen nicht ohne Grund von Reisekrankheiten. Dazu zählen beispielsweise die eher seltenen Infektionen wie Malaria, Cholera oder Typhus. Montezumas Rache ist den meisten Touristen als Umschreibung für Durchfallerkrankungen geläufig. Ursache dafür sind in der Regel ungewohnte Kost oder auch mit Keimen verunreinigte Speisen oder Getränke. Auch Schwindel oder Übelkeit und Erbrechen sind bei Reisen nicht selten. Mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke sind Sie gegen diese kleinen Widrigkeiten in den schönsten Wochen des Jahres gut vorbereitet.

Autor: Charly Kahle

Stand: 21.06.2018

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • Auf Google+ teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige