Zöliakie (Sprue)

Zöliakie-Betroffene leiden an einer lebenslangen Glutenunverträglichkeit. Die Glutenunverträglichkeit macht es für Betroffene unmöglich den Verzehr von Pizza, Brot und Nudeln zu genießen. Die Folge sind Magenbeschwerden, Krämpfe und Verdauungsstörungen. Heute gibt es jedoch zahlreiche alternative Produkte, die eine beschwerdefreie, ausgewogene und genussvolle Ernährung ermöglichen. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen und Therapie von Zöliakie.

Synonyme

Sprue, Glutenunverträglichkeit

Definition

Brot Kuchen Gebäck

Zöliakie (beim Erwachsenen einheimische Sprue genannt) ist eine chronische Darmerkrankung, bei der die Dünndarmschleimhaut unverträglich auf Gluten reagiert. Gluten ist das Klebereiweiß in Getreide wie Weizen, Roggen, Dinkel, Kamut, Gerste und Hafer.

Das geschieht bei Zöliakie

Die gesunde Dünndarmschleimhaut ist mit Zotten (Falten) ausgekleidet, über deren Schleimhaut die aus dem Speisebrei gewonnenen Nährstoffe vom Organismus aufgenommen werden. Bei Zöliakiekranken bewirkt die Aufnahme von Gluten eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut, die Zotten bilden sich zurück und es gelangen auf Dauer nicht mehr genug Nährstoffe, Mineralien (Elektrolyte), Spurenelemente und Vitamine in den Körper.

Häufigkeit

Etwa 1 Mensch von 200 in Deutschland ist von Zöliakie betroffen. Allerdings haben davon 80 bis 90 Prozent nur untypische und/oder selten Symptome, sodass sie gar nichts von ihrer Erkrankung wissen.

Symptome

Durch den Verzehr von Gluten verändert sich die Dünndarmschleimhaut. So können Nährstoffe immer schlechter aus dem Dünndarm aufgenommen werden. Oft sind Symptome erst sehr spät wahrnehmbar, häufig sogar erst nach Jahren. Lange bleiben unspezifische Symptome wie unerklärlicher Gewichtsverlust, häufige Magen- oder Darmbeschwerden wie Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung die einzigen Hinweise auf Zöliakie bei Erwachsenen. Mitunter kommt es zu auffälligen, voluminösen, breieigen oder fettglänzenden Stühlen. Werden im Verlauf der Erkrankung nicht mehr genügend Mineralstoffe und Vitamine aufgenommen, sind vielfältige Beschwerden möglich – je nach Mangel des fehlenden Stoffes. In vielen Fällen äußert sie Zöliakie bei Erwachsenen auch durch Blutarmut und Osteoporose oder Arthritis mit Gelenk- und Knochenschmerzen.

Zöliakie-Symptome bei Kindern

Meist machen sich Zöliakie-Symptome bei Kindern ein paar Monate nach dem Umstellen auf Breikost bemerkbar, weil zum Beispiel Grießbrei Gluten enthält. Typische Symptome sind Durchfälle und Appetitlosigkeit sowie ein vorgewölbter, aufgeblähter Leib mit auffällig dünnen Armen und Beinen. Die Kinder sind oft weinerlich. In der Folge kommt es zu Gedeih- und Entwicklungsstörungen.

Bricht die Zöliakie erst bei älteren Kindern aus, zeigt sich oft eine Anämie (Eisenmangel) sowie ein beeinträchtigtes Längenwachstum. Ältere Kinder mit Zöliakie haben häufiger Verstopfung anstelle von Durchfall. Auch Bauchschmerzen sind typisch.

Zöliakie und Typ-1-Diabetes

5 bis 7 Prozent aller Menschen mit Diabetes Typ 1 haben Zöliakie mit zwar eher milden Symptomen, sodass diese nicht oder erst spät als Anzeichen für Zöliakie erkannt werden. Jedoch kann in einer Dünndarmbiopsie Zöliakie nachgewiesen werden. In einigen Kliniken werden inzwischen Diabetes-Kinder auf Zöliakie-Antikörper untersucht, auch wenn noch keine typischen Symptome vorliegen.

Andere Erkrankungen, die mit denen Zöliakie häufig einhergeht sind:

  • Trisomie 21 (Down Syndrom)
  • autoimmune Entzündungen der Schilddrüse (Autoimmunthyreoiditis)
  • autoimmune Herzmuskelerkrankungen (Autoimmun-Myokarditis)
  • Nierenerkrankungen mit IGA—Ablagerungen in der Niere
  • Weißfleckenkrankheit(Vitiligo)
  • Zungenentzündungen mit Gewebeschwund (atrophe Glossitis).

Komplikationen bei Zöliakie

Bei langjähriger Zöliakie erhöht sich das Risiko, an bösartigen Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs wie das Non-Hodgkin-Lymphom) zu erkranken. Ebenfalls steigt die Gefahr für bösartige Tumoren des Verdauungstraktes. Diese Risiken steigen vor allem, wenn die notwendige, glutenfreie Diät nicht eingehalten wird.

Ursachen

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung. Die genauen Ursachen hierfür sind nicht bekannt. Es besteht aber ein erbliches Risiko für Familienangehörige 1. Grades, also für Kinder betroffener Eltern und für eineiige Zwillinge.

Mediziner diskutieren als Ursache von Zöliakie eine Antigen-Antikörper-Reaktion, fehlerhafte Aminosäure-Zusammensetzungen sowie einen Enzymmangel.

Untersuchung

Zur Diagnose von Zöliakie liefert ein Zöliakie-Test auf Zöliakie-Antikörper den ersten wichtigen Hinweis auf die Erkrankung. Für die Absicherung der Diagnose ist eine Dünndarmbiopsie erforderlich. Dafür wird ein Endoskop mit einer winzigen Kamerasonde durch Mund, Speiseröhre und Magen in den Dünndarm geführt, wo mehrere Gewebeproben für die mikroskopische Untersuchung entnommen werden.

Wiederkehrende oder dauerhafte Magen- und/oder Darmbeschwerden sollten immer ärztlich untersucht werden. Für den Fall einer Glutenunverträglichkeit wird Ihr Arzt Sie über die Behandlung von Zöliakie aufklären.

Behandlung

Eine ursächliche Behandlung von Zöliakie ist gegenwärtig nicht möglich. Nur eine lebenslange strenge glutenfreie Ernährung ermöglicht Beschwerdefreiheit. Im Zuge dieser glutenfreien Ernährung bilden sich die Symptome von Zöliakie zurück. Das Allgemeinbefinden bessert sich, Durchfälle lassen nach und die entzündete, abgeflachte Dünndarmschleimhaut regeneriert sich. Zudem sinken die Risiken bzw. Langzeitkomplikationen von Zöliakie (wie das Risiko von Lymphdrüsenkrebs).

Mitunter müssen auch Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente ersetzt werden.

Selbsthilfe: Glutenfreie Ernährung

Befolgen Sie nach Möglichkeit die lebenslange glutenfreie Ernährung, auch in beschwerdefreien Phasen! Verzichten Sie vor allem auf glutenhaltige Getreide wie Dinkel, Gerste, Grünkern, Hafer, Kamut, Roggen, Weizen. Ersetzen Sie diese durch glutenfreie Alternativen wie Amaranth, Buchweizen, Hirse, Mais, Quinoa, Reis und Teff sowie durch Kastanien, Kochbananen oder Sojabohnen.

  • Achten Sie auf die Aufschrift "glutenfrei" oder auf das "Glutenfrei-Logo" (durchgestrichene Ähre). Glutenfreie Produkte wie auch Beratung erhalten Sie in Reformhäusern und Naturkostläden. Auch in größeren Supermärkten findet sich eine Auswahl glutenfreier Produkte.
  • Meiden Sie Halbfertig- und Fertigprodukte mit glutenhaltigen Zutaten wie Mehl, Weizenstärke, Weizenkleie oder Gluten. 
  • Verstecktes Gluten findet sich beispielsweise in Tütensuppen, Saucen, Pudding, Pommes frites, Würstchen, Eis, fettreduzierten Produkten, Chips, Flips, Ketchup, Senf, Schokolade und Gewürzmischungen.
  • Achten Sie auf die separate Lagerung sowie Vor- und Zubereitung Ihrer Speisen, um Verunreinigungen mit glutenhaltigen Nahrungsmitteln von eventuellen Familienmitgliedern zu vermeiden.
  • Im Falle eines Krankenhausaufenthaltes informieren Sie oder Ihre Begleitung gleich bei der Aufnahme auf der Station Ärzte und Pflegepersonal über Ihre Zöliakie/Sprue, damit für Sie eine glutenfreie Diät zusammengestellt werden kann.
  • Viele Fluggesellschaften und Reiseveranstalter bieten glutenfreie Menüs. Fragen Sie bei Ihrer nächsten Buchung einfach nach.
  • In Selbsthilfegruppen für Zöliakie tauschen Erkrankte und Angehörige Informationen aus und geben sich gegenseitig Rückhalt.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen Zöliakie gibt es nicht.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Dr. med Anja Braunwarth (Ärztin)

Stand: 01.02.2013

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