Zeckenbiss

Lesen Sie wie Sie Zeckenbisse vermeiden und damit Borreliose und FSME vorbeugen. Außerdem bekommen Sie alle wichtigen Informationen über Symptome, Therapie, Sofortmaßnahmen und Selbsthilfe bei zeckenübertragenen Erkrankungen. Damit Sie im Fall eines Zeckenbisses schnell richtig reagieren können.

Definition

Auwaldzecke

Grundsätzlich bedeutet ein Zeckenbiss nicht, dass Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose tatsächlich übertragen werden. Selbst in den Risikogebieten sind nur 2 bis 5 Prozent der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. Und das Virus muss beim Zeckenbiss nicht zwangsläufig übertragen werden. Das gilt vor allem dann, wenn Zecken sehr schnell erkannt und entfernt werden.

Ebenso wenig wird das Bakterium Borrelia burgdorferi, der Erreger der Lyme-Borreliose, bei jedem Biss übertragen. Die Borrelien leben im Darm der Zecke. In die Bissstelle gelangen sie in der Regel erst bis zu 24 Stunden, nachdem die Zecke die Haut aufgeritzt hat. Wird die Zecke vorher entfernt, sinkt das Infektionsrisiko ganz erheblich. Zudem ist nicht jede Zecke mit Borrelien infiziert, sondern nur jede 5. Zecke. Das gilt allerdings für alle Zecken, also nicht nur für die in den Risikogebieten.

Übrigens: Auch wenn umgangssprachlich immer wieder von Zeckenbissen gesprochen wird, es stimmt nicht. Zecken beißen nicht, sie stechen. Mehr dazu unter Ursachen von FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Uni Hohenheim: Neue Übertragungswege für FSME

Allem Anschein nach kann FSME auch ohne Zeckenstich übertragen werden. Forscher der Universität Hohenheim berichten von 2 Fällen, in denen die Erkrankung durch infizierte Ziegen-Rohmilch übertragen wurde. Zudem haben die Forscher eigenen Angaben zufolge bei der Auwaldzecke FSME-Viren nachgewiesen. Diese Zeckenart galt bislang nicht als Überträger von FSME.

FSME-Risikogebiete 2018

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat im Frühjahr 2018 weitere 10 Landkreise als Risikogebiet für FSME eingestuft. Die betroffenen Landkreise liegen in den klassischen Risikoregionen in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen. Insgesamt beträgt die Zahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland nunmehr 156.  

Landkreise werden als FSME-Risikogebiet eingestuft, wenn es dort innerhalb der vergangenen 5 Jahre mehr als einen Fall von FSME gegeben hat. Die hohe Zahl der neuen Risikogebiete steht denn auch im direkten Zusammenhang mit der hohen Zahl der FSME-Erkrankungen im Jahr 2017. In diesem Jahr verzeichnete das RKI 485 Fälle von FSME. Das ist im Jahresvergleich (2016) eine Steigerung um 39 Prozent.

Untersuchung

Zeckenbiss entdecken und Zecken richtig entfernen

Leider bleiben Zeckenbisse mitunter einige Zeit unbemerkt. Das vergrößert das Risiko, dass die Erreger von Borreliose oder FSME in das Blut gelangen. Je eher Sie einen Zeckenbiss entdecken und die Zecke richtig entfernen, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nicht angesteckt werden. Die Erreger von zeckenübertragenen Erkrankungen gelangen nämlich erst in größerer Anzahl in die Bissstelle, wenn die Zecke sich mit Blut nahezu vollgesogen hat. Deshalb ist es auch wichtig, dass Sie eine Zecke beim Herausziehen nach Möglichkeit nicht quetschen. Ansonsten spülen Sie etwaige Erreger in die Wunde.

Zecken finden

Nach einem Aufenthalt in Zecken-Risikogebieten sollten Sie sich und Ihre Kinder nach Zecken absuchen. Dabei sollten Sie sehr gründlich vorgehen. Junge Zecken etwa sind sehr klein und nur als kleiner schwarzer Punkt zu erkennen. Vorzugsweise suchen Zecken sich geschützte Körperregion wie die Achselhöhlen oder den Genitalbereich, wo sie zwischen Schamhaaren nur schwer zu entdecken sind. Weitere bevorzugte Regionen für Zeckenbisse sind der Nacken und der Haaransatz sowie die Unterschenkel.

Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland (Basis: FSME-Erkrankungen in den Jahren 2002 – 2017, die dem RKI übermittelt wurden, n = 4.569 ; Stand: 5. April 2018:

Copyright (C) 2018 Robert Koch-Institut
 

Behandlung

Zecken entfernen

Um eine Zecke richtig zu entfernen, greifen Sie am besten zu einer feinen Pinzette. Am besten geeignet sind spezielle Zeckenpinzetten. Fassen Sie die Zecke möglichst nah an der Haut. Dann ziehen Sie das Insekt mit leichten Drehbewegungen und spürbarem Zug aus der Bissstelle. Desinfizieren Sie den Zeckenbiss anschließend mit Jod oder einem anderen Desinfektionsmittel.

Zeckenbisse einige Tage beobachten

Wenn Sie die Zecke entfernt haben, sollten Sie die Wunde in den nächsten Stunden und Tagen sorgfältig im Blick behalten. Sobald sich die Bissstelle, genauer gesagt: der Einstich, rötet, stark juckt oder nässt, gehen Sie bitte möglich umgehend zum Arzt. Es könnte beispielsweise sein, dass sich ein Teil des Saugrüssels der Zecke noch in der Haut befindet.

Im Zweifel so schnell wie möglich zum Arzt gehen

Eine sich ausdehnende Rötung kann auf eine Infektion mit Borrelien hindeuten. Abgeschlagenheit und grippeähnliche Symptome sind möglicherweise Hinweis auf eine Infektion mit dem FSME-Virus. In beiden Fällen sollte die Therapie so schnell wie möglich beginnen.

Borrelien lassen sich, insbesondere im Frühstadium, mit Antibiotika meist erfolgreich behandeln. Gegen das FSME-Virus gibt es bislang keine ursächliche medikamentöse Therapie. Der Verlauf der Frühsommer-Meningoenzephalitis lässt sich aber lindern. Und die Gefahr von gefährlichen Komplikationen nimmt mit einer zeitigen Behandlung ab.

Vorbeugung

Vor Zeckenbissen schützen

Besser als jede Therapie wirkt die Vorbeugung eines Zeckenbisses. Am besten schützt zeckensichere Kleidung. Dazu gehören vor allem feste Schuhe und bissfeste geschlossene Kleidung. Zeckensprays helfen, den Gemeinen Holzbock und seine Verwandten auf Distanz zu halten.

Gerade Eltern wissen, dass auch dieser Zeckenschutz nicht immer ausreicht. Deshalb sollten Sie sich – und gegebenenfalls Ihre Kinder - nach einem Ausflug in Zeckengebieten sorgfältig absuchen. Übrigens drohen Zeckenbisse nicht nur im Wald oder auf Wiesen. Insbesondere in den Risikogebieten haben sich Zecken auch in den Gärten verbreitet.

FSME-Impfung

Vor FSME schützt eine Impfung. Die Impfkommission des Robert-Koch-Institutes empfiehlt sie für alle Menschen, die in den FSME-Risikogebieten leben und sich häufig im Freien aufhalten. Die Impfung dürfte ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass die Zahl der FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2013 deutlich zurückgegangen ist.

Impfkomplikationen sind nicht bekannt. Und die Nebenwirkungen gehen über ein gewisses Krankheits- oder Schwächegefühl und harmlose Hauterscheinungen nicht hinaus.

Autor: Charly Kahle

Stand: 12.09.2018

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