Wochenbettdepression

Bis zu 15 Prozent aller Mütter entwickeln nach der Geburt eine Wochenbettdepression. Mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung

Synonyme

postpartale Depression, postnatale Depressionen

Definition

Wochenbettdepression

Mediziner bezeichnen Wochenbettdepression als postpartale oder postnatale Depression. Zuweilen wird die Wochenbettdepression mit dem Baby-Blues verwechselt. Dabei handelt es sich meist um Stimmungseintrübungen, die in der Regel nach wenigen Tagen vorbeigehen. Postnatale Depression beginnt ähnlich wie der Baby-Blues. Aber: Wochenbettdepressionen verlaufen deutlich schwerer und länger. Mitunter kommt es sogar zu Suizidgedanken. Bei ausgeprägter Wochenbettdepression ist nicht selten eine ambulante oder stationäre psychotherapeutsche Behandlung notwendig.

Häufigkeit

Wochenbettdepressionen sind keinesfalls selten. Nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte in Deutschland sind etwa 10 Prozent der gebärenden Frauen betroffen. Für die Häufigkeit des Baby-Blues gibt es keine zuverlässigen Angaben. Experten schätzen aber, dass bis zu 70 Prozent nachgeburtliche negative Stimmungsveränderungen erleben.

Symptome

Die ersten Symptome von Wochenbettdepression und Baby-Blues sind in den ersten Tagen kaum zu unterscheiden. Typischerweise befällt die Betroffenen oft eine große Traurigkeit und Leere. Sie weinen häufig ohne ersichtlichen Grund. Charakteristisch ist das Gefühl der Mütter, ihr Kind nicht annehmen oder ausreichend lieben zu können. Diese Wahrnehmung verursacht dann oft sehr starke Schuld- oder Minderwertigkeitsgefühle.

Beim Baby-Blues lassen diese Wahrnehmungen nach 3 bis 5 Tagen wie von selbst nach. Bei der Wochenbettdepression verfestigen sie sich hingegen über mehrere Wochen und Monate. Die Betroffenen empfinden immer stärke werdende Leere und Antriebslosigkeit – bis hin zur Hoffnungslosigkeit. Nicht selten behindern Wochenbettdepressionen die nachgeburtliche Bindung von Mutter und Kind.

Ursachen

Die Ursachen der Wochenbettdepression sind – wie die von anderen Depressionen auch – nicht zweifelsfrei geklärt. Es liegt aber sehr nahe, dass sie eine Belastungsreaktion auf die Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt sind. Einerseits sind Schwangerschaft und Geburt sehr kräftezehrend. Andererseits gehen sie mit hormonellen Umstellungen einher. Zudem verändert ein Kind die Lebensumstände stark. Sorgen und Ängste sind geradezu natürliche Begleiter von jungen Eltern. Diese Faktoren begünstigen Depressionen. Das gilt umso mehr, wenn das soziale Umfeld von jungen Müttern nicht stabil ist. Also wenn etwa Probleme in der Partnerschaft oder im Beruf die veränderte Lebenssituation zusätzlich belasten.

Behandlung

Für die Behandlung von Wochenbettdepressionen am besten geeignet ist eine ambulante, bei ausgeprägten Suizidgedanken auch eine stationäre Psychotherapie. Einer der meistverwendeten Methoden ist die kognitive Verhaltenstherapie. Diese Psychotherapie zielt vor allem darauf, die übertrieben negativen Muster in der Wahrnehmung zu identifizieren und durch realistische Alternativen zu ersetzen. Grundsätzlich ist auch die medikamentöse Therapie der Wochenbettdepression möglich. Das gilt allerdings nur, wenn die Mütter nicht stillen wollen oder können. Denn die Wirkstoffe aus den Depressionsmedikamenten gehen mit der Muttermilch auf den Säugling über.

Vorbeugung

In der Vorbeugung von Wochenbettdepressionen hat sich bewährt, schon lange vor der Geburt über Ängste und Sorgen zu sprechen. Das gilt vor allem für möglicherweise überhöhte Erwartungen an die Mutterrolle. Frauen, die vor einer Geburt bereits an einer Depression erkrankt waren, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Wochenbettdepressionen. Hier ist es durchaus empfehlenswert, sich in Selbsthilfegruppen oder mit professioneller Hilfe auf die Geburt und mögliche Stimmungsänderungen vorzubereiten.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.02.2019

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