Wirbelblockade

Rückenschmerzen haben viele Ursachen. Eine Möglichkeit ist eine Wirbelblockade. Lernen Sie Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten kennen.

Synonyme

Wirbelblockierung, reversible segmentale Dysfunktion, reversible hypomobile artikuläre Dysfunktion

Definition

Wirbelsäulen Modell

Der Begriff Wirbelblockade stammt aus der manuellen Therapie. Laut Definition bezeichnet er eine vorübergehende eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäulenwirbel (reversible segmentale Dysfunktion). Diese Blockaden schränken nicht nur die Beweglichkeit ein, sondern verursachen oft Schmerzen, vor allem Kopf- Nacken- und Rückenschmerzen.

Das Modell der Wirbelblockade erklärt die Schmerzen damit, dass schon eine leicht veränderte Lage das natürliche Zusammenspiel der Wirbelkörper stört und die Nerven im Bereich der Wirbelsäure reizt. Je nach Lage der Wirbelblockade ergeben sich dadurch unterschiedliche Beschwerden. Reizungen der Nerven im Bereich der Halswirbelsäule verursachen demnach Kopf- oder Schulterschmerzen. Drückt die Wirbelblockierung auf die Lendenwirbelsäule, könne der Ischiasnerv gereizt werden und in die Beine ausstrahlende Rückenschmerzen verursachen.

Wirbelblockaden entstehen der manuellen Therapie zufolge durch eine Vielzahl von Ursachen. Diese reichen von äußerer Gewalteinwirkung über falsche Belastung der Rückenmuskulatur bis hin zu Verschleißerscheinungen.

Das Konzept der Wirbelblockade als nachweisbare Ursache von Rückenschmerzen ist in der schulmedizinischen Wissenschaft nicht anerkannt. Gleichwohl ist die Wirkung von manueller Therapie bei vielen Formen von Rückenschmerzen auch bei den meisten Medizinern unbestritten. Viele Ärzte haben inzwischen Fortbildungen als Chirotherapeut absolviert. Auch Heilpraktiker und Physiotherapeuten bieten Mobilisierung und Manipulation als Behandlungsoptionen der Chirotherapie an.

Symptome

Häufigstes Symptom von Wirbelblockaden sind Rückenschmerzen, die mit Einschränkungen der Beweglichkeit einhergehen. Je nach Schwere und Ort der Blockierung können die Symptome durchaus unterschiedlich ausfallen.

Wirbelblockaden im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) verursachen Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und Schulterschmerzen. Auch einen steifen Hals führt die manuelle Therapie häufig auf eine HWS-Blockierung zurück.

Blockierungen im Bereich der Brustwirbelsäule können Brustschmerzen verursachen, die unter Umständen mit einer erschwerten Atmung einhergehen.

Rückenschmerzen durch Wirbelblockaden im Bereich der Lendenwirbelsäule (HWS) strahlen entlang des Ischiasnerves häufig in die Beine aus. Auch Hüftbeschwerden, Ischiasschmerzen und Hexenschuss oder Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung betrachtet das Erklärmodell der Wirbelblockade als Symptome von Blockierungen im Bereich der unteren Wirbelsäule.

Ursachen

Die Ursache von Wirbelblockaden ist – wie das gesamte Konzept – im wissenschaftlichen Sinn nicht geklärt. Das Erklärmodell geht davon aus, dass das natürliche Zusammenspiel der Wirbelkörper gestört ist.

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbelkörpern, die von einem fein abgestimmten Muskel-, Sehnen- und Bänderapparat gehalten werden. Ab dem zweiten Wirbel befinden sich zwischen den einzelnen Wirbeln die Bandscheiben, die sozusagen als natürliche Stoßdämpfer wirken. Mechanisch sind die Wirbelkörper durch die Facettengelenke miteinander verbunden. Das sind kleine Gelenkfortsätze auf der Ober- und Unterseite der Wirbelkörper.

Bei einer Wirbelblockade sollen sich die Facettengelenke ineinander verhaken bzw. aus ihrer Position rutschen. Nach Vorstellung der manuellen Therapie entsteht dabei ein sich selbst verstärkender Schmerzkreislauf. Das Verrutschen oder Verhaken verursacht einen Schmerz, der zu einer reflexhaften Anspannung der Muskulatur im Bereich des betroffenen Wirbels führt (nozizeptive Afferenzen). Das wiederum halte den Wirbel in seiner unnatürlichen Position. Gleichzeitig bleibt die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Bei einer erneuten Belastung des betroffenen Wirbels wiederhole sich der Schmerzreiz – und die reflexhafte Verspannung der Muskulatur.

Verstärkt werde dieser Kreislauf der Schmerzen, indem Betroffene Schonhaltungen entwickeln. Das bringe die ohnehin schon angegriffene Muskulatur noch weiter ins Ungleichgewicht – mit dem Ergebnis weiter oder verstärkter Schmerzen.

Als Auslöser bzw. Risikofaktoren für Wirbelblockaden gelten vor allem:

  • Fehl- oder Überlastungen der Rückenmuskulatur, inkl. Fehlhaltungen
  • langes Sitzen auf zu hartem Untergrund
  • geschwächte Rückenmuskulatur durch Bewegungsmangel
  • falsches Heben schwerer Lasten
  • äußere Gewalteinwirkung durch Traumata (Schläge, Stöße oder Unfälle; insbesondere Schleudertraumata)
  • Schmerzreize aus inneren Organen, die zu Muskelverspannungen führen (beispielsweise Herz- und Lungenerkrankungen, Nierenschmerzen oder chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung)

Untersuchung

Wirbelblockaden lassen sich mit traditionellen Untersuchungsmethoden wie bildgebenden Verfahren nicht sichtbar machen. Die Diagnose beruht vielmehr auf einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und einer körperlichen Tastuntersuchung. Hierbei suchen Ärzte oder Physiotherapeuten und Chiropraktiker vor allem nach auffälligen Verhärtungen bzw. Verspannungen der Muskulatur und eingeengten Nervenfasern. Zudem fallen häufig Fehl- und Schonhaltungen oder Beckenschiefstände auf.

In der Schulmedizin umfasst die Diagnose von vorerst nicht erklärbaren Rückenschmerzen bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie (CT). Diese Untersuchungen dienen dazu, nachweisbare Erkrankungen wie Bandscheibenvorfall, knöcherne Verletzungen, Tumoren oder Knorpelschäden als Ursache der Beschwerden auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung von Wirbelblockaden richtet sich nach der Schwere der Beschwerden. Bei leichten Schmerzen kann es sinnvoll sein, lediglich ein paar Tage abzuwarten. Nicht selten lösen sich leichte schmerzhafte Beweglichkeitseinschränkungen der Wirbelsäule von selbst.

Bei mittelschweren Wirbelblockierungen haben sich Physiotherapie und physikalische Therapie bewährt. Einfache Bewegungsübungen unter Anleitung helfen, das Zusammenspiel von Wirbeln, Muskeln und Sehnen zu normalisieren. Wärmeanwendungen wie Rotlicht tragen unterstützend dazu bei, die Durchblutung zu verbessern und verspannte Muskulatur zu entspannen.

Wirbelblockaden und Chirotherapie

Die Chirotherapie als meistverbreitete Form der Manuellen Therapie kennt vor allem zwei Formen der Wirbelblockadenbehandlung: die Mobilisation und die Manipulation:

Mobilisation

Die Mobilisation von Wirbelblockaden fußt auf geführten Bewegungen. Bei Nackenschmerzen beispielsweise wird der Kopf immer wieder in die Richtung geführt, in der die Beweglichkeit eingeschränkt ist. Diese Zug- und Gleitbewegungen dienen dazu, den betroffenen Muskel zu entspannen. Das soll es dem Wirbel erlauben, in seine ursprüngliche anatomisch gesunde Position zurückzukehren.

Manipulation

Eine Manipulation im Sinn der Chirotherapie kennen viele Menschen als „Einrenken von Wirbeln“. Bei der Manipulation wird ein blockierter Wirbel mit einer schnellen, kraftvollen Bewegung in die anatomisch gesunde Position gebracht. Bei diesem Eingriff ist häufig ein knackendes Geräusch zu hören. Dieses Knacken wird mitunter auch als Beweis dafür angeführt, dass der Wirbel nun wieder in der richtigen Position sitze.

Die Manipulation ist die umstrittenste Behandlungsmethode der Chirotherapie. Viele Ärzte bemängeln, dass die ruckhafte Bewegung mehr Risiken als Nutzen berge. Das gilt insbesondre für das Einrenken von Blockaden im Halswirbelsäulenbereich. Hier gehen mehrere Nervenbahnen vom Rückenmark in den Hirnstamm über, zudem befindet sich wirbelnah die Halsschlagader und weitere Blutgefäße. Nicht selten kommt es bei unsachgemäßer Manipulation zu Nervenschädigungen oder Gefäßabklemmungen.

In jedem Fall sollten Manipulationen nur von Ärzten oder Physiotherapeuten mit einer Zusatzausbildung in Chirotherapie angewendet werden. Vor einer Manipulation muss sichergestellt sein, dass die Methode überhaupt gefahrlos angewendet werden kann. Knochenschwund (Osteoporose), nicht offenkundige Brüche, chronisch-entzündliche Prozesse oder Tumoren beispielsweise zählen zu den vielen Umständen, die eine Manipulation ohne vorherige bildgebende Diagnostik unverantwortbar machen oder grundsätzlich ausschließen.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung von Wirbelblockaden besteht in rückengesundem Verhalten. Dabei muss es nicht immer gleich ein gezieltes Rückentraining sein. Grundsätzlich trägt jede Form von aktiver Bewegung an frischer Luft dazu bei, die Muskulatur zu stärken. Jede Bewegung löst Impulse aus, die auf benachbarte Muskelgruppen wirken. Insofern profitiert der Rücken auch von einem Spaziergang oder einer Fahrradfahrt.

Menschen in häufig sitzender Position sollten möglichst häufig Arme und Beine schaukeln lassen sowie mit Händen und Füßen kreisende Bewegungen ausführen. Am Ende eines Arbeitstages hilft häufig ein einfaches „Aushängen“ des Körpers. Dazu hält man sich an einer Querstange (zum Beispiel im Türrahmen befestigt) fest und lässt sich – ohne dass die Füße den Boden berühren – pendeln.

Grundsätzlich empfehlenswert ist eine Rückenschule mit Anregungen und Übungen für rückengesundes Verhalten. Das gilt insbesondere für Menschen, die viel sitzen oder häufig einseitige Bewegungsabläufe ausführen müssen. Informationen über Rückenschulen erhalten Sie unter anderem bei Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse sowie der Aktion Gesunder Rücken [https://www.agr-ev.de/http://www.agr-ev.de/de/

Rückenschmerzen im Überblick

Autor: Charly Kahle

Stand: 09.11.2017

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