Synonyme

Hochpathogene aviäre Influenza, HPAI, Geflügelpest

Definition

Impfung älterer Mann

Die Vogelgrippe gehört zu den Grippeerkrankungen. Sie tritt bei Menschen nur sehr selten auf, da die verursachenden Influenza-A-Viren nahezu ausschließlich Geflügel befallen. Daher wird die Vogelgrippe auch als hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) oder Geflügelpest bezeichnet.

Normalerweise gelangen Vogelgrippeviren nicht von Geflügel zum Menschen. In Ausnahmen aber ist das bereits geschehen (siehe Häufigkeit). In Deutschland hat es bislang keine bekannten Fälle von Vogelgrippe beim Menschen gegeben.

Wenn Vogelgrippeviren Menschen infizieren, verläuft die Erkrankung häufig sehr schwer. Vor allem schwächt Vogelgrippe das Immunsystem und begünstigt so bakterielle Superinfektionen, die häufig zu schweren Lungenentzündungen (Pneumonien) führen. Je früher Vogelgrippe diagnostiziert wird, umso besser sind die Überlebenschancen. In Asien liegt die Sterbequote über 60 Prozent, in Ägypten hingegen unter 40 Prozent.

Häufigkeit

Weltweit hat es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bis zum Oktober 2017 insgesamt 859 gemeldete Fälle von Vogelgrippe (ausgelöst durch den Virus A-H5N1) beim Menschen gegeben. Mehr als die Hälfte (453) starb an den Folgen der Infektion. Möglicherweise ist die Dunkelziffer der tatsächlichen Vogelgrippeerkrankungen jedoch höher, da milde Krankheitsverläufe oft nicht diagnostiziert und gemeldet werden.

Die Schwerpunkte der Vogelgrippeausbrüche liegen nach WHO-Angaben in Vietnam, Indonesien und Ägypten. In den beiden asiatischen Ländern sowie in China erkrankten zwischen 2003 und 2015 etwa 350 Menschen mit gut 250 tödlichen Verläufen.

Die jüngste Serie von Vogelgrippeinfektionen beim Menschen ereignete sich in Ägypten. Dort kam es 2015 bei 136 gemeldeten Infektionen zu 39 Todesfällen. Insgesamt ist Ägypten das Land mit der höchsten Zahl an Vogelgrippefällen (359 von 2003 bis 2017).

Nach Angaben des Robert-Institutes sind zwischen 2013 und 2017 zudem etwa 1.400 Menschen an einer Infektion mit Vogelgrippe vom Subtyp A - H7N9 erkrankt (500 Todesfälle).

Symptome

Die Symptome der Vogelgrippe setzen zwischen 2 und 5 Tagen nach der Ansteckung ein. Es können aber auch bis zu 2 Wochen vergehen, ehe sich die ersten Symptome zeigen. Diese Krankheitszeichen ähneln einer normalen Grippe. Es kommt zu rasch ansteigendem Fieber mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl und starker Müdigkeit. Schnell entwickeln sich Halsschmerzen und Husten, die – anders als bei einer normalen Grippe – mitunter schon recht bald Atemnot verursachen.

Wie bei Schweinegrippe sind für Vogelgrippe außerdem Magen-Darm-Beschwerden typisch. Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen betreffen fast die Hälfte aller Menschen mit Vogelgrippe (Schweinegrippe: ca. 20 Prozent). Auch Bindehautentzündungen werden häufig bei Vogelgrippe-Infizierten beobachtet.

Komplikationen bei Vogelgrippe

Vogelgrippeviren verursachen häufiger als andere Influenzaviren schwer verlaufende Lungenentzündungen (Pneumonien). Zudem schwächen sie das Immunsystem. Das begünstigt Lungenentzündungen durch Bakterien (sogenannte Superinfektionen). Symptome von Lungenentzündungen sind unter anderem schwere Atemnot und mitunter blutiger Auswurf beim Husten.

Zudem kommt es oft zu einem Mangel an Blutplättchen sowie weißen und roten Blutkörperchen. Folgen davon sind erhöhte Blutungsneigung, mangelnde Infektabwehr und Blutarmut. Mitunter sind auch die Nieren beteiligt. Eine Niereninsuffizienz kann dann schnell im akuten Nierenversagen enden.

Ursachen

Vogelgrippe wird durch unterschiedliche Influenza-A-Viren verursacht. Für die Typisierung werden 2 Eiweiße auf der Virenoberfläche herangezogen. H steht für Hämagglutinase, N für Neuraminidase. Bislang kennt man 16 Neuraminidase und 9 Hämagglutinasen. Die Art der Eiweiße bestimmt darüber, ob die jeweiligen Viren schwere Verläufe der Vogelgrippe auslösen oder weniger starke. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von hoch pathogenen Viren und niedrig pathogenen Viren. Zu den hoch pathogenen Vogelgrippeviren zählen vor allem die Subtypen A-H5N1 und H5N8.

Übertragung von Vogelgrippeviren auf den Menschen

Vogelgrippeviren werden nur schwer von Geflügel auf Menschen übertragen. Die Ansteckung setzt engen Kontakt zu infiziertem Geflügel voraus. Am stärksten gefährdet sind Menschen, die – wie in Asien üblich – beispielsweise eng mit Hühnern, Enten oder Gänsen zusammen leben. Eine zweite Risikogruppe stellten Menschen, die beruflich mit Geflügel arbeiten.

Vogelgrippeviren werden beim direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Schmierinfektionen) oder durch kontaminierte Atemluft übertragen. Die Vogelgrippeviren leben nicht nur in den infizierten Tieren selbst. Sie geben die Erreger vor allem auch über ihren Kot weiter. In großen Geflügelställen enthalten auch Gefieder und Luft mitunter hohe Konzentrationen an Vogelgrippeviren.

Untersuchung

Ein Verdacht auf Vogelgrippe ergibt sich meist bei der Erhebung der Krankengeschichte. Daher sollten Sie Ihren Arzt darüber informieren, wenn Sie Kontakt zu krankem Geflügel hatten (auch tote Wildvögel). In Deutschland hat es bislang keine nachgewiesene Übertragung vom Tier auf den Menschen gegeben. In Asien oder Ägypten ist das anders. Daher sollten Sie Ihren Arzt über kürzliche Reisen in Risikogebiete wie Ägypten, bestimmte Regionen Chinas, Laos oder Indonesien informieren.

Die gezielte Untersuchung eines Rachenabstrichs in einem spezialisierten Labor kann den Nachweis einer Vogelgrippeinfektion erbringen.

Behandlung

Wichtigste Maßnahme in der Behandlung der Vogelgrippe ist es, Infizierte zu erkennen und umgehend zu isolieren. Die weitere Therapie erfolgt immer stationär, bis die Erkrankten andere nicht mehr anstecken können.

Medikamentöse Therapie von Vogelgrippe

Die medikamentöse Therapie von Vogelgrippe mit antiviralen Wirkstoffen wird aus guten Gründen nur bei sehr schweren Verläufen oder geschwächten Patienten angewendet. Die sogenannten M2-Hemmer wie Amantadin und Rimantadin sowie Neuraminidasehemmer Oseltamivir und Zanamivir können das Immunsystem dabei unterstützen, die Grippeviren zu bekämpfen. Ihre Wirksamkeit ist aber begrenzt. Unabhängige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sie die Krankheitsdauer nur um einen Tag verkürzen und das Risiko von Komplikationen nicht senken. Zudem haben diese Medikamente schwere Nebenwirkungen bis hin zu Verwirrtheit und erhöhter Suizidgefahr.

Symptomatische Behandlung von Vogelgrippe

In den meisten Fällen wird Vogelgrippe symptomatisch behandelt. Die Therapie konzentriert sich also darauf, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

Um Atemnot zu lindern und die ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen, werden Patienten mit Sauerstoffsonden oder Masken beatmet. Besonders wichtig ist es auch, den durch Erbrechen und Durchfall bedingten Verlust an Flüssigkeit und Mineralstoffen auszugleichen. Dazu dienen vor allem spezielle isotonische Getränke oder Infusionen.

Fiebersenkende Schmerzmittel wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (nicht für Kinder) soweit Antibiotika zur Vorbeugung von bakteriellen Zusatz-Infektionen sind weitere Bausteine in der stationären symptomatischen Behandlung von Vogelgrippe.

Therapie von Lungenentzündungen

Häufigste Komplikation von Vogelgruppe sind Lungenentzündungen. Haben die Grippeviren die Pneumonie verursacht, erfolgt die Therapie symptomatisch oder mit antiviralen Wirkstoffen wie den bereits erwähnten Neuraminidasehemmern. Gegen bakteriell verursachte Lungenentzündungen sind auf die Erreger abgestimmte Antibiotika wie Azithromycin, Erythromycin, Clarithromycin und Penicillin die Mittel der Wahl.

Prognose

Die Heilungsaussichten bei Vogelgrippe hängen ganz wesentlich von der Art des Erregers, dem Zeitpunkt von Diagnose und Behandlungsbeginn sowie der Qualität der medizinischen Versorgung ab. Die bisherigen Angaben über die Sterblichkeit schwanken zwischen 30 und mehr als 60 Prozent. Diese Zahlen werden von Experten angezweifelt. Sie gehen davon aus, dass die offiziellen Angaben zu Verbreitung und Letalität der Vogelgrippe nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Fallzahl erfassen.

Für eine realistische Einschätzung lassen sich Zahlen zur Sterblichkeit bei Lungenentzündung heranziehen. Hier liegt die Sterberate bei ansonsten gesunden Menschen in Deutschland bei etwa 2 Prozent. Eine Lungenentzündung, die zu einer stationären Einweisung führt, endet in bis zu 10 Prozent der Fälle tödlich. Bei schwer kranken oder geschwächten Menschen liegt diese Quote schon über 25 Prozent.

Vorbeugung

Das Risiko für eine Ansteckung von Menschen mit der Vogelgrippe ist sehr gering. Für die Vorbeugung von Vogelgrippe sorgen einfache Vorsichtsmaßnahmen.

In Vogelgrippegebieten

  • sollten Sie die unmittelbare Nähe von Geflügelställen oder -haltungen meiden. Das gilt insbesondere für Reiseziele wie Asien oder Ägypten, aber auch für Vogelgrippesperrgebiete in Deutschland bzw. Europa.
  • tote oder krank erscheinende Wildvögel bzw. entlaufene Nutztiere nicht anfassen, sondern das Gesundheits- oder Veterinäramt verständigen
  • Haustiere wie Vögel oder Katzen nicht frei laufen/fliegen lassen.

Grundsätzlich empfiehlt sich besonders hygienisches Vorgehen bei der Verarbeitung von Geflügel. Auch sollte Geflügel immer gut durchgegart verzehrt werden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 10.10.2017

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