Unruhe (Innere Unruhe)

Innere Unruhe quält viele Menschen. Die Ursachen können vergleichsweise harmlos sein, aber auch krankhaft. Jetzt mehr erfahren.

Synonyme

seelische Aufregung, innere Anspannung, Unrast

Definition

Unruhe

Innere Unruhe ist eng verknüpft mit Begriffen wie Nervosität, Ängstlichkeit oder Stress. Es handelt sich um einen Zustand der inneren Anspannung, der sich individuell sehr unterschiedlich ausdrücken kann. Zuweilen bleibt es beispielsweise in einer Prüfungssituation bei ängstlichen Gedanken und dem „mulmigen Gefühl im Bauch“ oder den sprichwörtlichen „weichen Knien“. Anhaltende innere Unruhe aber kann krank machen: Das Spektrum reicht von Schlafstörungen und deren Folgen bis hin zu psychischen Erkrankungen oder stressbedingten organischen Erkrankungen wie Sodbrennen oder Magenschleimhautentzündungen.

Innere Unruhe wird längst nicht nur durch situationsbedingte seelische Anspannung verursacht. Auch Erkrankungen oder Medikamente sowie Hormonumstellungen beispielsweise sind häufige Ursachen von innerer Unruhe, die sich nicht immer auf Anhieb erklären.

Der natürliche Gegenspieler von innerer Unruhe ist die Entspannung. Häufig reichen schon kleine Entspannungsübungen aus, um Unrast zu lindern. Beruhigende Heilpflanzen, Bewegung und notfalls auch stärkere beruhigende Medikamente sind weitere Optionen im Umgang mit innerer Unruhe.

Die meisten Menschen verbinden den Begriff der inneren Unruhe mit der Gedankenwelt oder individuellen Empfindungen. Tatsächlich äußert sich aber selbst nur gering ausgeprägte Unruhe auch mit körperlichen Reaktionen. Flüchtige unbewusste Gesten oder wechselnde Blickrichtungen beispielsweise offenbaren einem aufmerksamen Beobachter die innere Unruhe des Gegenübers.

Innere Unruhe – auch eine Frage der Bewertung

Ob innere Unruhe als belastend erlebt wird oder nicht, hängt sehr von der individuellen Bewertung der Symptome ab. Ein typisches Beispiel sind Prüfungen. Nicht wenige Menschen freuen sich auf solche Herausforderungen. Sie reagieren mit positivem Stress auf die Prüfungssituation. Die dazugehörigen Stressreaktionen wie beschleunigten Herzschlag, trockenen Mund und erhöhte Aufmerksamkeit erleben diese Menschen als willkommene Reaktion zur Bewältigung der Herausforderung. Andere Menschen hingegen interpretieren den erhöhten Pulsschlag und den trockenen Mund als Anzeichen von Unsicherheit – und steigern so die innere Unruhe. In ungünstigen Fällen setzt sich gar eine Unsicherheitsspirale in Gang, die bis hin zu starken Angstgefühlen oder sogar Angststörungen führen kann.

Symptome

Die Symptome von innerer Unruhe sind überaus vielgestaltig. In der schwächsten Form zeigt sich die seelische Anspannung beispielsweise kurzzeitig in Form von wiederkehrenden und negativ geprägten Gedanken oder Erwartungen. Die innerlich wahrnehmbaren Symptome steigern sich in der Regel mit dem Ausmaß der Anspannung. Unregelmäßigkeiten im Puls können von einem leichten Herzstolpern über einen leicht beschleunigten Puls bis hin zu ausgeprägtem Pulsrasen reichen.

Zu den äußerlich deutlich wahrnehmbaren Symptomen von innerer Unruhe zählt auch ausgeprägter Bewegungsdrang. Der kann vom zappeligen Sitzen über nervöses Auf- und Abgehen bis hin zu aggressiven mitunter selbstverletzenden Handlungen reichen. Vermehrtes Schwitzen und auffällige Hautrötungen (vor allem im Gesicht) sind weitere mögliche Symptome von innerer Unruhe.
Vielen Menschen schlägt innere Unruhe auf den Magen. Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Erbrechen oder Übelkeit sind mögliche Folgen ausgeprägter innerer Unruhe.
Ob Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schwindel oder vieles anders mehr: Die Bandbreite der körperlichen und seelischen Reaktionen auf anhaltende innere Unruhe ist sehr groß.

Ursachen

So vielfältig die Symptome, so unterschiedlich sind auch die Ursachen von innerer Unruhe. Grundsätzlich lassen sich krankheitsbedingte innere Unruhe sowie verhaltens- oder situationsbedingte innere Unruhe unterscheiden.

Krankheitsbedingte Ursachen innerer Unruhe

Es gibt eine ganze Reihe körperlicher und psychischer Erkrankungen, die mit einer erhöhten Neigung zu innerer Unruhe einhergehen. Zu diesen Erkrankungen zählen beispielsweise:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Viele Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufes gehen mit Unregelmäßigkeiten des Herzschlages bzw. des Pulses einher. Auffälliges Herzstolpern oder Herzrasen ohne als harmlos erkennbare Ursache kann zu innerer Unruhe führen. Starke Herzprobleme wie beispielsweise Angina pectoris oder ein sich ankündigender Herzinfarkt schalten das Alarmsystem unmittelbar an.
  • Symptome von innerer Ruhe wie Zittern, Schwitzen oder Bewegungsdrang sind oft auch die Folge von Schilddrüsenüberfunktion. In diesen Fällen verursacht der Überschuss von Schilddrüsenhormonen die erhöhte Erregung. Andere hormonell bedingte Ursachen sind die Hormonumstellungen vor der Menopause, die auch als Wechseljahrbeschwerden bezeichnet werden.
  • Auch niedriger Blutdruck führt mitunter zu innerer Unruhe.
  • Diabetiker oder Menschen mit einem bislang nicht erkanntem Diabetes empfinden innere Unruhe mitunter infolge einer Unterzuckerung (Hypoglykämie).
  • Psychische Erkrankungen wie Angststörungen, bipolare Störungen, Depressionen oder Schizophrenie gehen in unterschiedlichen Stadien ebenfalls mit innerer Unruhe einher.

Häufig findet sich keine erkennbare organische Ursache von anhaltender innerer Unruhe. In diesen Fällen sprechen Mediziner von psychovegetativen Allgemeinstörungen oder vegetativer Dystonie.

Innere Unruhe als Nebenwirkung

Einige Genussmittel, Drogen und Medikamente verursachen vorübergehende oder anhaltende innere Unruhe als Nebenwirkung. Dazu zählen unter anderem:

  • Alkohol, Koffein und Nikotin wirken auf das psychovegetative System und verursachen so nicht nur beruhigende Effekte, sondern auch erregende.
  • Innere Unruhe ist eine häufige Nebenwirkung von Medikamenten.  Zu diesen Medikamenten zählen fast alle Wirkstoffe, die anregend auf das Nervensystem oder das Herz-Kreislauf-System wirken. Das trifft nicht nur auf typische herzstärkende Mittel zu, sondern beispielsweise auch auf viele Asthma-Mittel. Aber auch beruhigende Wirkstoffe wie Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine können innere Unruhe als paradoxe Wirkung entfalten – oder die Unruhe entsteht beim Absetzen dieser Medikamente.
  • Illegale Drogen entfalten ihre Effekte im Gehirn und dem Nervensystem. Dabei wirken aufputschende Drogen wie Amphetamine und Co. (Ecstasy, Speed, Crystal Meth), Cannabis oder Kokain direkt anregend. Als beruhigend geltende Drogen wie Heroin oder Haschisch entfalten häufig außerdem entgegensetzte (paradoxe) Wirkungen.

Untersuchung

Der erste Ansprechpartner bei innerer Unruhe ist der Hausarzt oder die Hausärztin. In den meisten Fällen sind Allgemeinmediziner sehr gut in der Lage, die Ursache der seelischen Anspannung heraus zu finden. Zur Untersuchung: Auf das ärztliche Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte  (Anamnese) folgt eine körperliche Untersuchung. Bei Bedarf werden weitere Untersuchungsverfahren wie Laboruntersuchungen des Blutes oder bildgebende Verfahren verordnet, um die Ursache der inneren Unruhe zu klären.

Behandlung

Die Behandlung von innerer Ruhe richtet sich nach der Ursache. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion beispielsweise werden Medikamente verordnet, um die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen zu normalisieren. Innere Unruhe infolge von Herz-Kreislauf-Beschwerden lässt sich in der Regel auch mit Medikamenten therapieren. Bei einer medikamentenbedingten inneren Unruhe stehen meistens alternative Medikamente zur Verfügung. Mit anderen Worten: Bei erkrankungsbedingter innerer Unruhe wird diese behandelt, indem man die auslösende Grunderkrankung bekämpft.

Wenn es nicht anders geht, wird Ihr Arzt Ihnen beruhigende Medikamente verordnen. Da viele der Wirkstoffe aber vergleichsweise schnell abhängig machen oder unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen, empfiehlt es sich in der Regel, zunächst die Möglichkeiten der nicht medikamentösen Therapie auszuschöpfen. Dazu können gegebenenfalls auch psychotherapeutsche Verfahren gehören.

Unabhängig von der Ursache helfen die folgenden Anregungen vielen Menschen, innere Unruhe mit einfachen Mitteln selbst zu lindern oder sogar abzustellen.

Selbsthilfe: Entspannung gegen innere Unruhe

Entspannung ist der natürliche Gegenspieler von innerer Unruhe. Daher sind Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson ein sehr gutes Mittel zur Selbsthilfe bei innerer Unruhe. Diese Entspannungstechniken können Sie mithilfe von Apps oder Büchern erlernen. Oder buchen Sie einen Entspannungskurs im Gesundheitsladen oder über Ihre Krankenkasse. Wegen der überzeugenden Wirkung von Entspannungstechniken auf innere Unruhe und stressbedingte Erkrankungen übernehmen Krankenkassen sehr oft die Kursgebühren.

Selbsthilfe: Beruhigende Heilpanzen

Viele Menschen schwören bei innerer Unruhe auf die beruhigende Wirkung von Heilpflanzen. Ob Sie sich einen beruhigenden Tee zubereiten oder ein entspannendes Vollbad nehmen möchten: Im Heilpflanzen-Lexikon finden Sie ausführliche Informationen und Rezepte:

Diese und andere pflanzliche Wirkstoffe sind ebenfalls in beruhigenden pflanzlichen Medikamenten enthalten, die Sie in großer Auswahl in der Apotheke erhalten. Weitere Anregungen zur Selbsthilfe bei Unruhezuständen und zur Behandlungen von innerer Anspannung finden Sie in den Krankheitsbildern:

Der Ratgeber Gesunder Schlaf vermittelt darüber hinaus viele Tipps und Informationen, mit denen Sie schon bald wieder besser schlafen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 20.02.2019

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