Unfruchtbarkeit

Unfruchtbarkeit, auch als Fertilitätsstörungen, Fruchtbarkeitsstörungen oder Sterilität bezeichnet, ist die Unfähigkeit, eine Leibesfrucht zu zeugen oder zu empfangen. Können Frauen Kinder nicht austragen, bezeichnet man das medizinisch als Infertilität.

Synonyme

Fertilitätsstörungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Sterilität

Definition

Paar reagiert auf Schwangerschaftstest

Unfruchtbarkeit wird von Medizinern mit verschiedenen Fachbegriffen beschrieben. Können Frauen Kinder nicht austragen, bezeichnet man Unfruchtbarkeit medizinisch als Infertilität. In Deutschland bleiben bis zu 10 bis 20 Prozent der Frauen (je nach Quelle) ungewollt kinderlos. Und die Anzahl steigt weiter. Verantwortlich dafür machen Experten die immer früher eingesetzten schwangerschaftsverhütenden Maßnahmen und den Wunsch, erst spät Kinder gebären zu wollen. Dies wird noch dadurch erschwert, dass die Fruchtbarkeit mit steigendem Alter sinkt. Die ungewünschte Kinderlosigkeit belastet Paare oft sehr.

Sterilität und Infertilität

Bleibt bei einem Paar trotz Kinderwunsch und regelmäßigem Geschlechtsverkehr über mindestens 12 Monate (manche Quellen geben einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren an) eine Schwangerschaft aus, sprechen Mediziner von Sterilität (Impotentia generandi). Die Ursache kann bei der Frau oder beim Mann liegen.

Der Begriff der sekundären Sterilität wird verwandt, wenn nach einer ersten Schwangerschaft weitere Schwangerschaften ausbleiben. Kann eine Frau nach erfolgreicher Befruchtung die Schwangerschaft nicht zu Ende austragen, wird das als Infertilität der Frau (Impotentia gestandi) bezeichnet.

Voraussetzung für eine Schwangerschaft

Damit eine Frau schwanger werden kann, sind zwei Sachen unabdingbar:

  • die Produktion reifer Eizellen bei der Frau
  • eine ausreichend große und funktionsfähige Menge an Spermien beim Mann.

In je etwa 40 Prozent liegt die Ursache der Unfruchtbarkeit bei der Frau oder dem Mann alleine. Bei den verbleibenden rund 20 Prozent der Fälle sind beide Partner betroffen. In wenigen Fällen kann gar keine medizinische Ursache ausgemacht werden.

Ursachen

Bei beiden Geschlechtern können äußere Faktoren wie Alkohol, Rauchen oder Drogen die Fruchtbarkeit einschränken. Gerade bei jüngeren Frauen führen auch starkes Unter- oder Übergewicht oder strenge Diäten zeitweise zur Sterilität.

Allgemein lässt die Fertilität mit zunehmendem Alter bei Mann und Frau gleichermaßen nach. Bei der Frau sinkt sie nach dem 35. Lebensjahr innerhalb von 10 Jahren quasi auf null, beim Mann verläuft der Abfall langsamer, aber stetig. Grund für die nachlassende Fruchtbarkeit ist die altersbedingt schwächer werdende Hormonproduktion, die für die Funktion von Eizellen und Sperma unerlässlich ist.

Hormonelle Ursachen für Unfruchtbarkeit der Frau

Eine Unfruchtbarkeit bei der Frau wird häufig durch Störungen des Hormonhaushalts verursacht. Häufig sind dabei die primäre und sekundäre Ovarialinsuffizienz (Eierstockschwäche). Außerdem beeinträchtigen sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse den gesunden weiblichen Zyklus. Auch bei jungen Diabetikerinnen kann die Reifung der Eizellen eingeschränkt sein. Selten ist eine krankhafte Überproduktion des Hormons Prolaktin, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird und normalerweise für den Milchfluss nach einer Geburt sorgt, für die ausbleibende Schwangerschaft verantwortlich.

Weitere Unfruchtbarkeits-Ursachen

bei Frauen Neben hormonellen Störungen können auch verschiedene mechanische Ursachen eine Schwangerschaft verhindern. Grund sind vor allem Funktionsstörungen der Eierstöcke, Störungen des Transports durch die Eileiter und Veränderungen des Schleims im Gebärmutterhals. Ursachen dafür sind zum Beispiel:

  • Verklebungen und Verwachsungen an den Eileitern. Sind die Eileiter vollständig verschlossen, ist der Weg für die männlichen Samenzellen (Spermien) bis zur Eizelle versperrt. Sind die Eileiter verengt, dringen nur relativ kleine Samenzellen bis zur Eizelle vor. Nistet sich eine befruchtete Eizelle fälschlicherweise im Eileiter ein, kommt es zu einer sogenannten Eileiterschwangerschaft.
  • Zysten an den Eierstöcken
  • Infektionen der Eileiter (Adnexitis)
  • Unterleibsoperationen (können zu Verwachsungen und Verengungen der Eileiter führen)
  • (gutartige) Geschwulste in der Gebärmutter (Gebärmuttermyome)
  • Endometriose (eine Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Organs bildet)
  • Veränderungen des Schleims im Gebärmutterhals (der Zervikalschleim verhindert beispielsweise, dass Samenzellen aus der Scheide in die Gebärmutter vordringen).

Hormonelle Ursachen der Unfruchtbarkeit beim Mann

Auch beim Mann ist häufig ein gestörter Hormonhaushalt für die ungewollte Kinderlosigkeit verantwortlich. Aufgrund hormoneller Einschränkungen werden beispielsweise nur langsame oder qualitativ minderwertige Spermien produziert. Schuld daran sind oft Chromosomen-Anomalien, die eine gesunde Produktion männlicher Hormone beeinträchtigen.

Weitere Ursachen bei Männern

  • krankhafte Veränderungen an Hoden oder Nebenhoden (z. B. wenn sich der Hoden, der nach der Geburt höher steht als normal und nicht zeitgerecht in den Hodensack absenkt)
  • Infektionserkrankungen wie Mumps (können Gewebe von Hoden, Nebenhoden oder der Samenwege schädigen)
  • Varikozelen (krampfartige Erweiterung von Hodenvenen)
  • autoimmunologische Störungen (Antikörper werden gegen eigene Spermien gebildet).

Untersuchung

Zur Diagnose von Unfruchtbarkeit wird der Arzt Mann und/oder Frau zunächst gründlich untersuchen, um eventuell sicht- oder tastbare Veränderungen aufzuspüren. Zudem werden bei Beiden verschiedene Hormonkonzentrationen bestimmt.

Spezielle Diagnose bei der Frau

Bei der Frau werden mittels Abstrich die Schleimhautzellen untersucht. Während des Eisprungs, also in der Zyklusmitte, folgt eine Untersuchung des Gebärmutterhalsschleims (Zervixschleim). Zudem kann getestet werden, ob sich die Spermien des Mannes im Zervixschleim fortbewegen können oder „hängen“ bleiben.

Mittels Ultraschall kann der Arzt (vorzugsweise ein Gynäkologe) die inneren weiblichen Geschlechtsorgane betrachten. Bei Verdacht auf mechanische Ursachen schließen sich in der Regel weiterführende Untersuchungen wie z. B. Durchgängigkeitsprüfungen der Eileiter mit Kontrastmittel oder gegebenenfalls eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) an.

Um die Schleimhaut direkt in der Gebärmutterhöhle zu betrachten und Gewebeproben zu entnehmen wird eine sogenannte Hysteroskopie durchgeführt. Dabei wird der Schlauch eines Endoskopes von der Scheide aus in die Gebärmutter vorgeschoben.

Spezielle Diagnose beim Mann

Bei Männern wird üblicherweise zunächst ein Spermiogramm erstellt. Dabei wird die Menge, Dichte, Beweglichkeit und Form der Spermien im Ejakulat untersucht. Je nach Befund schließt sich eine Gewebeprobe aus dem Hoden an. So kann der Arzt (möglichst ein Urologe) feststellen, ob die Bildung oder der Transport der Spermien gestört ist.

Behandlung

Die Therapie bei Unfruchtbarkeit schließt üblicherweise beide Partner mit ein. Sie richtet sich vor allem nach der Ursache, die eine Schwangerschaft verhindert. Die Therapie richtet sich nach der Ursache.

  • Zunächst wird der Arzt empfehlen, gezielt im Zeitraum um den Eisprung, ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben.
  • Sind hormonelle Störungen die Ursache, können entsprechenden Hormongaben die Eierstöcke anregen, Eibläschen zu produzieren und den Eisprung zu vollziehen. Bei hormonellen Therapien kommt es – im Erfolgsfall - oft zu Mehrlingsschwangerschaften.
  • Mechanische Ursachen können unter Umständen operativ behoben werden.
  • Beim Mann kann das Sperma so aufbereitet werden, dass eine höhere Konzentration an gesunden Spermien vorliegt.

Künstliche Befruchtung

In der Behandlung der Unfruchtbarkeit bleibt die künstliche Befruchtung häufig als einziger Ausweg. Dabei kommen verschiedene Methoden in Betracht.

  • Intrauterine Insemination: Die künstliche Befruchtung wird angewendet, wenn noch funktionsfähige Eizellen und Spermien vorhanden sind, diese aber aus verschiedenen Gründen nicht oder nur ungenügend in die Gebärmutter gelangen können. Dabei werden die Samenzellen zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutterhöhle gespritzt. Mediziner bezeichnen diesen Vorgang als künstliche intrauterine Insemination.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Sind die Eileiter verschlossen oder die Samenzellen nicht in der Lage, die Eizelle im Eileiter zu befruchten, kann eine Befruchtung auch außerhalb des weiblichen Körpers erfolgen. Dieses Verfahren wird als In-vitro-Fertilisation (IVF) bezeichnet. Dabei erhält die Frau zunächst bestimmte Hormone, die die Reifung der Eibläschen in den Eierstöcken anregen. Nach erfolgreicher Reifung entnimmt der Arzt alle reifen Eibläschen (zusammen mit den Eizellen) und befördert sie in ein Reagenzglas. Gleichzeitig wurden vom Mann die Samenzellen aufbereitet. Diese fügt man nun zu den Eizellen: Es kommt im Erfolgsfall zur Befruchtung.
  • Spermien-Injektion: Gelingt die IVF nicht (in etwa 50 Prozent aller Fälle) kann der Experte eine Samenzelle direkt ins Innere der Eizelle spritzen. Diese Methode wird als intrazytoplasmatische Spermien-Injektion, kurz ICSI (sprich: Ixi), genannt. Die nun befruchteten Eizellen teilen sich und entwickeln sich weiter. Nach zwei Tagen sind sie im 8-Zell-Stadium. Davon werden zwei bis drei solcher befruchteten Eizellen in die Gebärmutter gespritzt. Ärzte und Paare hoffen gleichermaßen, dass sich mindestens eine Eizelle einnistet. Die Chance steht nicht schlecht. Bei etwa 20 bis 25 der Frauen kommt es zu einer erfolgreichen Schwangerschaft.
  • Fremdspenden bei künstlicher Befruchtung: Bei der künstlichen Befruchtung können fremden Samen genutzt werden, z. B. wenn der Mann gar keine funktionstüchtigen Spermien mehr produziert sowie bei alleinstehenden Frauen oder lesbischen Paaren. Eine Eizellspende ist, laut Embryonenschutzgesetz, in Deutschland nicht erlaubt. Eine In-vitro-Fertilisation ist daher immer nur mit eigenen, vorher entnommenen Eizellmaterial, möglich. Eine Leihmutterschaft ist hierzulande ebenfalls nicht gestattet.

Kosten von künstlicher Befruchtung

Zum Teil übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Kinderwunschbehandlung. Eine Kostenübernahme ist jedoch an zahlreiche Bedingungen geknüpft. Am besten lassen Sie sich ausführlich von Ihrer Krankenkasse beraten.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung vor Unfruchtbarkeit gibt es nicht. Bei Paaren mit Kinderwunsch wirken sich grundsätzlich positiv aus:

  • gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung
  • wenig Alkohol
  • Verzicht aufs Rauchen
  • keine Drogen
  • Vermeidung von extremem Unter- oder Übergewicht.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.03.2013

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