Synonyme

TBC

Definition

Tuberkulose

Seit Beginn des Industriezeitalters gehört die Tuberkulose zu den großen Seuchen der Menschheitsgeschichte. Aufgrund der verbesserten Lebensverhältnisse einschließlich der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten wurde die Tuberkulose in Mitteleuropa im vergangenen Jahrhundert stark zurückgedrängt.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Tuberkulose hat in Deutschland seit 2012 deutlich zugenommen. Für das Jahr 2018 registrierte das Robert-Koch-Institut 5.429 Fälle von Tuberkulose. Das entspricht einer Inzidenz von 6,5 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern. Männer sind dabei etwa doppelt so oft betroffen wie Frauen. In 75 Prozent der Fälle bleibt die Tbc nach Angaben des Lungeninformationsdienstes auf die Stadien I und II beschränkt (siehe Symptome).

Symptome

Tuberkulose verläuft oft schleichend mit Allgemeinsymptomen wie erhöhter Temperatur, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Trockener Husten mit Auswurf und Atemnot ist ein weiteres Symptom von Tuberkulose. Tuberkulose verläuft klassischerweise in zwei Stadien.

Stadium I der Tuberkulose

Das Stadium I der Tuberkulose wird auch als Primärstadium oder Frühform bezeichnet. Dabei wandern die Erreger nach Ansteckung in die Lunge und führen dort zu kleinen Entzündungen. Abwehrzellen des Blutes schließen diese Entzündungsherde ein, es bilden sich kleine „Knötchen“ – sogenannte Tuberkel. Da dieses Entzündungsgeschehen in sich geschlossen ist, können keine Erreger nach außen gelangen. Deshalb sind die Patienten nicht ansteckend. Mediziner bezeichnen diese Phase als geschlossene Tuberkulose. Die meisten Patienten haben in dieser Phase keinerlei Beschwerden.

Können die Entzündungsherde nicht abgekapselt werden, fühlen sich die Betroffenen allgemein kränklich und husten häufig. Typisch sind zudem Nachtschweiß, Appetitlosigkeit, leichtes Fieber und Müdigkeit. Mitunter gibt es auch schwere Verläufe mit starker Gewichtsabnahme, blutigem Husten und ausgeprägter Blutarmut.

Der weitere Verlauf von Tuberkulose hängt vom Erreger und von der Abwehrlage des Betroffenen ab. Bei einem intakten Immunsystem kommt die Krankheit zum Stillstand. Das verleiht dem Organismus eine gewisse Immunität gegen weitere Infektionen. Allerdings ruhen in diesen Herden vermehrungsfähige Tbc-Bakterien. Früher zog man sich die Primärinfektion meist im Kindesalter zu, heute eher im Jugend- oder Erwachsenenalter.

Stadium II der Tuberkulose

Bei mehr als 10 Prozent der mit Tuberkulosebakterien angesteckten Menschen brechen die Entzündungsherde in der Lunge zu einem späteren Zeitpunkt auf. Mediziner nennen diese Phase Reaktivierungsphase, postprimäre Tuberkulose oder auch sekundäre Tuberkulose. Dabei zerstören die Erreger das Lungengewebe. Das zerstörte Lungengewebe bricht in die Atemwege ein und wird abgehustet. Der Auswurf enthält also Tbc-Bakterien, die Patienten sind hochansteckend. Mediziner sprechen deshalb von offener Tuberkulose.

Typische Symptome im Stadium II der Tuberkulose sind:

  • über Wochen andauernder Husten
  • Abhusten von gelb-grünem, schleimigen Auswurf
  • Brustschmerzen, Atemnot
  • ausgeprägte Abgeschlagenheit, Schwäche und Müdigkeit
  • tagsüber leichtes Fieber, nachts Nachtschweiß.

Tuberkulose außerhalb der Lunge

Schreitet das Stadium II unbehandelt weiter fort, gelangen Tuberkulosebakterien in die Blutbahn und befallen so weitere Organe. Dann ist eine Vielzahl von Symptomen möglich. Beispiele sind Bauchschmerzen bei Darmtuberkulose, Brustschmerzen bei Lungenfelltuberkulose, Gelenkschwellungen bei Knochentuberkulose und geschwürige, nicht abheilende Hautveränderungen bei Hauttuberkulose. Starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber, ausgeprägte Nackensteife und Bewusstseinstrübung sind Symptome einer tuberkulösen Hirnhautentzündung.

Miliartuberkulose

Eine besonders schwere Verlaufsform der Tuberkulose ist die Miliartuberkulose. Sie tritt vor allem bei abwehrgeschwächten Personen auf. Bei dieser Form überschwemmen die Tbc-Bakterien das Lymph- und Blutsystem und verbreiten sich so im ganzen Körper. Die Folgen sind hohes, lang anhaltendes Fieber und schweres Krankheitsgefühl. Unbehandelt führt eine Miliartuberkulose zur Sepsis, die im Koma mündet und tödlich endet.

Ursachen

Tuberkulose wird durch Mykobakterien, in der Regel durch das Mycobacterium tuberculosis, seltener durch das Mycobacterium bovis oder Mycobacterium africanum, übertragen.

Übertragung von Tbc-Bakterien

Tbc-Bakterien gelangen vor allem durch Einatmen von Tröpfchen, die mit Tbc-Bakterien infiziert sind (Tröpfcheninfektion), in den Körper. Das geschieht zum Beispiel durch Husten, Niesen oder Sprechen von Personen mit offener Tuberkulose. Andere Wege, wie über die Milch (bei Rindertuberkulose), über die Haut oder von der werdenden Mutter aufs Kind, sind weit seltener. Hauptinfektionsquelle ist der erkrankte Mensch.

Ob und wie schwer man an Tuberkulose erkrankt, ist abhängig von der Zahl und Stärke der Erreger und von der individuellen Abwehrlage. Tatsächlich erkranken nur etwa 3 Prozent der angesteckten Personen. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, ältere Menschen und Personen mit schweren Erkrankungen wie Krebs oder AIDS.

Multiresistente Tuberkulose-Erreger (MDR-TB)

Vor allem in China, Indien, Russland und Staaten der ehemaligen Sowjetunion breiten sich seit wenigen Jahren multiresistente Tuberkulose-Erreger (MDR-TB) aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Zahl der Fälle von MDR-Tuberkulose weltweit bei etwa 490.000 (2016). Das Robert-Koch-Institut meldete zuletzt für Deutschland 104 Infektionen mit multiresistenten Tuberkulose-Bakterien.

Untersuchung

Zur Diagnose von Tuberkulose dienen einerseits Röntgenaufnahmen der Lunge (oder anderer Organe). Andererseits versucht man, den Erreger, die Tbc-Bakterien, in Untersuchungsmaterial wie Auswurf, Magensaft oder Nervenwasser direkt nachzuweisen oder auf Gewebekulturen anzuzüchten. Da Tbc-Bakterien sehr langsam wachsen, erhält man erst in 2 bis 3 Wochen ein Ergebnis. Deshalb wird der Einsatz einer modernen Methode empfohlen, bei der das Erbmaterial der Tbc-Bakterien nachgewiesen wird. Dieser Test, die sogenannte Polymerasekettenreaktion, benötigt etwa 6 Tage, gelingt jedoch nicht immer.

Beim Tuberkulintest (z.B. Tine-Test) werden Tuberkulosepartikel unter die Haut gespritzt. Innerhalb von 2 bis 3 Tagen kommt es zu einer positiven Hautreaktion mit Rötung und Schwellung bei Erkrankten, aber auch bei Geimpften und bei Gesunden mit abgeheilter Primärtuberkulose. Allerdings schließt auch ein negativer Tuberkulintest eine Tuberkuloseerkrankung nicht aus.

Immunologische Testverfahren wie der Interferon-Test unterstützen die Diagnose von Tuberkulose. Bei diesem Test werden Abwehrzellen aus dem Blut mit Antigenen aus Mykobakterien im Reagenzglas gemischt. Hatten die Abwehrzellen bereits Kontakt mit den Tuberkuloseerregern, bilden sie vermehrt den Botenstoff γ-Interferon.

Behandlung

Zur Therapie der Tuberkulose werden sehr wirksame spezielle Antibiotika eingesetzt. Kombiniert dazu werden oft hustendämpfende Mittel, zum Beispiel Codein, gegeben. Um Entzündungen zu lindern, werden Kortisonpräparate wie Dexamethason oder Prednisolon eingesetzt.

Die Behandlung der Tuberkulose erfordert einige Geduld und eine strikte Therapietreue. Die Medikamente wie Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid müssen nämlich zum Teil über einen Zeitraum von 6 bis 9 Monaten eingenommen werden. Dann verläuft die Behandlung der Tuberkulose in fast allen Fällen erfolgreich.

Nach erfolgreicher Therapie müssen Betroffene mindestens zwei Jahre lang an ärztlichen Nachkontrolluntersuchungen teilnehmen.

Vorbeugung

Derzeit gibt es in Deutschland keine wirksame Tuberkuloseschutzimpfung. Die BCG-Impfung wird aufgrund der eingeschränkten Wirksamkeit und der Gefahr von Impfkomplikationen seit 1998 nicht mehr empfohlen. Darum ist die wichtigste Maßnahme, Tuberkulose möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Noch besser ist es, eine Ansteckung zu vermeiden. Bei einem Kontakt mit Tuberkulose-Kranken sollten Sie deshalb großen Wert auf Hygiene legen. Dazu gehören - vor allem bei offener Tuberkulose – Handschuhe und ein Mundschutz sowie die regelmäßige Hand-Desinfektion.

Frühere Reihen-Röntgenuntersuchungen der Lunge und wiederholte Tuberkulintests zur Früherkennung einer Tuberkulose gibt es in Deutschland ebenfalls nicht mehr.

Ein gesundes Immunsystem bietet zwar keinen garantierten Schutz vor Tuberkulose, verringert aber das Risiko einer Erkrankung. Abwechslungsreiche und frische fettarme Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft, der Verzicht auf Nikotin und der höchstens maßvolle Genuss von Alkohol fördern das Immunsystem.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 05.08.2019