Toxoplasmose

Vor einer Toxoplasmose fürchten sich vor allem Schwangere. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Toxoplasmose.

Definition

Toxoplasmose ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Auslöser sind spezielle Parasiten, die Toxoplasma gondii. In Deutschland ist durchschnittlich etwa die Hälfte der Bevölkerung schon einmal mit dem Erreger in Kontakt gekommen und hat Antikörper dagegen entwickelt. Toxoplasmose ist für gesunde Menschen harmlos. Bei abwehrgeschwächten Menschen und Ungeborenen sind jedoch schwere Krankheitsverläufe möglich.

Toxoplasmose schädigt wahrscheinlich mehr Babys als bislang angenommen. Darauf hat das Robert-Koch-Institut hingewiesen. Studien aus dem Jahr 2015 zufolge müssten jährlich etwa 345 Kinder mit Beeinträchtigungen durch Toxoplasmose zur Welt kommen, gemeldet würden aber nur zwischen 8 und 23 Fällen pro Jahr.

Häufigkeit

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind etwa 30 Prozent aller Menschen mit dem Parasiten Toxoplasma gondii infiziert. In Deutschland ist – so bestätigen es auch die jüngsten Untersuchungen der RKI-Forscher an mehr als 6.600 Erwachsenen - durchschnittlich etwa die Hälfte der Bevölkerung schon einmal mit dem Erreger in Kontakt gekommen und hat Antikörper dagegen entwickelt.

Symptome

Nach der parasitären Infektion verursacht Toxoplasmose bei gesunden Menschen meist nur geringe Beschwerden. Häufig werden auch gar keine Symptome bemerkt. Nur etwa 10 bis 20 Prozent der Infizierten entwickeln grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopfschmerzen und geschwollenen Lymphknoten (vor allem im Kopf- und Halsbereich). Nach der Infektion verbleibt der Erreger im Körper und kann bei abwehrgeschwächten Menschen (z. B. AIDS- oder Tumorkranken) reaktiviert werden.

Bei Abwehrschwäche kann Toxoplasmose schwerwiegende Symptome verursachen. Häufig sind Entzündungen des Gehirns (Toxoplasmose-Enzephalitis), seltener schwere Erkrankungen unterschiedlicher Organe (generalisierte Toxoplasmose).

Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Die Toxoplasmose-Parasiten können von Schwangeren, die in der Schwangerschaft selbst erstmalig Kontakt mit dem Erreger hatten, auf das Ungeborene übertragen werden und die angeborene (connatale) Toxoplasmose auslösen.

Toxoplasmose-Symptome bei Neugeborenen

Bei connataler Toxoplasmose wird das Zentralnervensystem des Ungeborenen schwer geschädigt. Neugeborene werden so beispielsweise mit einem sogenannten Wasserkopf geboren (Hydrozephalus) und leiden an epileptischen Krampfanfällen, Entzündungen der Ader‐ und Netzhaut des Auges sowie geistigen Entwicklungsverzögerungen. Auch Leber und Milz können betroffen sein, sodass sich Haut und Schleimhäute des Babys gelb färben. Diese Gelbfärbung muss aber nicht zwingend auf Toxoplasmose hinweisen. Eine Gelbfärbung der Haut ist bei vielen Neugeborenen zu beobachten und in den meisten Fällen harmlos. Ein Teil der Säuglinge hat direkt nach der Geburt gar keine Symptome, die Krankheitszeichen bei Toxoplasmose können sich tückischerweise auch erst nach Wochen oder Monaten zeigen. Toxoplasmose kann zudem Früh- oder Totgeburten auslösen.

Ursachen

Auslöser der Toxoplasmose ist der Erreger Toxoplasma gondii. Dieser Parasit nutzt für seinen Entwicklungszyklus Menschen, aber auch Vögel und Säugetiere als Zwischenwirte. Ein gefürchteter Wirt ist die Katze, die mit ihrem Kot infektiöse, befruchtete Eizellen ausscheidet. Nach Kontakt mit dem Katzenkot stecken sich dann Menschen an. Eine Ansteckung kann ebenso durch den Verzehr von infiziertem – meist rohem oder nicht richtig durcherhitztem - Fleisch erfolgen. Toxoplasma gondii stirbt nämlich erst nach 20-minütigem Erhitzen bei mehr als 50 Grad Celsius oder Temperaturen unter minus 21 Grad Celsius ab.

Eine Ansteckung mit Toxoplasmose ist selten auch über infizierte Erde, z.B. bei der Gartenarbeit sowie bei einer Organtransplantation möglich.

Untersuchung

Zunächst wird der Arzt seinen Verdacht auf eine Toxoplasmose mittels Blutuntersuchung sichern. Dabei wird im Labor nach speziellen Antikörpern gegen die Infektion gefahndet. Der Arzt kann zudem unterscheiden, ob es sich um ältere oder neuere Antikörper handelt. Bestätigt sich die Diagnose Toxoplasmose bei Schwangeren, wird auch das Baby nach der Geburt auf Antikörper getestet.

Behandlung

Ansonsten gesunde Menschen mit Toxoplasmose müssen in der Regel nicht behandelt werden. Anders in der Schwangerschaft: Infiziert sich nämlich eine Schwangere mit dem Toxoplasmose-Erreger, ist eine Therapie unbedingt notwendig, um eine Infektion des Kindes zu vermeiden.

Therapie von Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Zur Therapie von Toxoplasmose in der Schwangerschaft verordnet der Arzt bis zur 16. Schwangerschaftswoche das Antibiotikum Spiramycin. Steckt sich die werdende Mutter später an, erhält sie eine Kombination aus dem Antibiotikum Sulfadiazin und dem Antiparasitenmittel Pyrimethamin. Zusätzlich wird Folinsäure verabreicht, um Knochenmarkschäden zu verhindern. Die Kombinationstherapie erfolgt häufig in vierwöchigen Zyklen mit dazwischen liegender vierwöchiger Pause. Auch Neugeborene werden so behandelt. Die Dauer der Medikamentengabe richtet sich dabei nach der Schwere der Infektion.

Die gleichen Medikamente werden auch zur Therapie bei immungeschwächten Patienten gegeben.

Vorbeugung

Um eine Infektion mit dem Toxoplasmoseerreger zu vermeiden, sollten Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem Folgendes beachten:

  • Verzehren Sie keine rohen bzw. nicht ausreichend erhitzten oder tiefgefrorenen Wurst- und Fleischwaren.
  • Waschen Sie rohes Obst und Gemüse vor dem Genuss gründlich ab.
  • Waschen Sie konsequent vor dem Essen und nach dem Zubereiten von rohem Fleisch sowie nach der Gartenarbeit Ihre Hände.
  • Tragen Sie bei der Gartenarbeit möglichst Handschuhe.

Für Katzenhalter(innen) gilt des Weiteren:

  • Füttern Sie die Katze mit Dosen- oder Trockenfutter, nicht mit rohem Fleisch.
  • Reinigen Sie die Katzentoilette (am besten mit heißem Wasser) nicht selbst.
  • Streicheln Sie keine freilaufenden Katzen.

Toxoplasmose und Kinderwunsch

Vor einer geplanten Schwangerschaft ist es ratsam feststellen zu lassen, ob Sie bereits mit Toxoplasmose-Erregern infiziert sind. In diesem Fall besteht in der Regel eine Immunität und das Kind ist geschützt. Die Immunität kann durch eine einfache Blutuntersuchung und dem Nachweis von Antikörpern gegen Toxoplasmen nachgewiesen werden. Der Test wird allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Kosten von zirka 25 Euro müssen also selbst getragen werden.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Dr. med Anja Braunwarth (Ärztin)

Stand: 01.03.2016

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