Synonyme

zwanghaftes Spielen, pathologisches Spielen

Definition

Karten,Jetons,Casinotisch

Spielsucht definieren Ärzte und Psychologen als das zwanghafte Verlangen, mit Geldeinsatz zu spielen. In der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) wird Spielsucht zu den psychischen Erkrankungen aus der Gruppe der abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle eingeordnet. Gleichzeitig zählt Spielsucht zu den nicht stoffgebundenen Suchterkrankungen bzw. Abhängigkeitserkrankungen.

Pathologische Spieler blenden alle Risiken und Folgen des Glücksspiels aus. Spielsüchtige zocken auch dann, wenn sie es sich nicht (mehr) leisten können. Ob Casino, Sportwetten oder Glücksspielautomat: Nicht selten verspielen Spielsüchtige ihr gesamtes Vermögen und verschulden sich darüber hinaus.

Die meisten Spielsüchtigen bevorzugen eine bestimmte Form des Glücksspiels - kombinieren dabei aber mehrere Glücksspielformen. Über die Häufigkeit in Bezug auf die Art des Glücksspiels gibt es Studien mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Nach gegenwärtigem Stand der Forschung verfallen Speilsüchtige besonders oft Spielbanken (insbesondere Pokerspiele) und Spielhallen mit Glücksspielautomaten. Aber auch private Wetten, staatliche Lotteriespiele wie Lotto oder Klassenlotterien sind Gegenstände pathologischen Spielens.

Häufigkeit

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren verzeichnet in den jährlichen Suchtberichten eine zunehmende Anzahl von Spielsüchtigen. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge liegt die Zahl der pathologischen Spieler zwischen 100.000 und 290.000.

Symptome

Auffälligste Symptome von Spielsucht sind das immer weniger kontrollierbare Spielverhalten und das zwanghafte Beschaffen finanzieller Mittel als Spielkapital. Zu den offenkundigsten Warnzeichen zählen Entzugserscheinungen. Steht das Glücksspiel nicht zur Verfügung, kreist das Denken von Spielsüchtigen nahezu ausschließlich darum, ihre Droge zu bekommen bzw. den Kick des Spielens. Üblicherweise entwickelt sich pathologisches Spielen in Stadien.

Stadien der Spielsucht

  • In der Gewinnphase scheint das Spielverhalten noch gesund zu sein. Gelegentliche Gewinne verführen die Spieler, mehr zu setzen. Bereits in der Gewinnphase erfolgt die zentrale emotionale Konditionierung für die Spielsucht: Die Spieler entwickeln die dysfunktionale Annahme, Verluste durch Gewinne beim nächsten Spiel gutmachen zu können. Typischerweise werden immer höhere Geldbeträge eingesetzt.
  • Dies ist der Einstieg in die Verlustphase, in der die negativen emotionalen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des krankhaften Spielens zumindest zeitweise noch ausgeblendet werden. In dieser Phase beginnt auch das Verheimlichen der Spielhäufigkeit. Zudem werden Verluste verschwiegen oder beschönigt.
  • In der Verzweiflungsphase leben Spielsüchtige in großer emotionaler Not. Die durch das Spielen begründeten Konflikte setzen sie unter unerträglichen Druck. Schulden können kaum mehr zurückgezahlt werden, nicht selten kommt es zu krimineller Kapitalbeschaffung.

Zeitgleich erscheint das Verlangen nach dem Gewinnspiel unbezwingbar. In dieser Phase verlieren Spielsüchtige nicht selten nur ihr gesamtes Vermögen, sondern auch den Arbeitsplatz oder die sozialen Bindungen (Trennungen, Scheidungen). Zudem kommt es häufig zu Persönlichkeitsveränderungen mit leichter Reizbarkeit, hohem Erregungszustand und Schlafstörungen. In vermeintlich aussichtslosen Situationen denken Spielsüchtige an Selbstmord und begehen Suizidversuche.

Behandlung

Die Behandlung von Spielsucht erfordert in der Regel einen multimodalen Absatz in der Suchttherapie. Denn zum Einen geht es darum, in einer Psychotherapie Einsicht in die Suchterkrankung zu gewinnen und alternative Verhaltensmuster zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang hat sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie bewährt.

Zum anderen brauchen Spielsüchtige während der vorzugsweise stationären Therapie in der Regel weitere Unterstützung. Eine soziotherapeutische Begleitung hilft beispielsweise dabei, die Schulden zu regulieren, einen neuen Arbeitsplatz oder eine neue Wohnung zu finden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 04.04.2018