Sjögren-Syndrom

Das Sjögren-Syndrom wird auch als Rheuma der Schleimhäute bezeichnet. Die seltene Erkrankung betrifft vor allem Frauen zwischen 30 und 50. Lernen. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung des Sjögren-Syndroms.

Definition

Sjögren-Syndrom

Das Sjögren-Syndrom ist eine entzündliche rheumatische Erkrankung, eine Autoimmunerkrankung. Sie schreitet langsam chronisch voran und ist nicht heilbar. Das Sjögren-Syndrom betrifft hauptsächlich Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Es führt zur Austrocknung in den Augen, im Mund, in der Nase und im Genitalbereich. Dabei kommt es zu Entzündungen in den Tränen- und Speicheldrüsen sowie in den Drüsen der Schleimhäute. Stress und Überlastung können die Krankheit aktivieren oder die Beschwerden verstärken.

In etwa 30 Prozent entwickelt sich das Sjögren-Syndrom im Zusammenhang mit einer bereits bestehenden Autoimmunerkrankung wie Rheumatoider Arthritis, Lupus Erythematodes oder Multipler Sklerose.

Symptome

Typische Symptome des Sjögren-Syndroms sind Austrocknungen der Schleimhäute in Augen, Mund, Nase und Genitalbereich. Beschwerden wie trockene Augen, Bindehautentzündung, Parodontitis, Schluckbeschwerden oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können die Folge sein. Die Erkrankung kann auch zu Magen-Darm-Störungen führen, zu Muskel- und Gelenkschmerzen sowie zu Polyarthritis (Entzündung mehrerer Gelenke). Die Ausprägung der Symptome hängt davon ab, wie sehr die Drüsen zerstört und wie stark deren Funktion beeinträchtigt ist.

Häufige Symptome im Überblick

  • trockene, juckende Augen (Sicca-Symptom), geringe Tränenflüssigkeit, Bindehautentzündung, Augenbrennen
  • Mundtrockenheit, Karies, Parodontitis, Schluckbeschwerden
  • Trockenheit in der Nase, Schorfbildung
  • trockene Vagina, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Pilzinfektionen, z. B. in Mund und Genitalbereich
  • Magen-Darm-Störungen wie chronische Magenschleimhautentzündung
  • Nervenstörungen mit Gefühls- und Bewegungseinschränkung
  • Fieber, Abgeschlagenheit, depressive Verstimmung

Raynaud-Phänomen

Neben diesen Symptomen leiden die Betroffenen oft an Durchblutungsstörungen der Finger. Das Krankheitsbild wird von Medizinern als Raynaud-Phänomen (Raynaud-Syndrom oder Tricolore-Phänomen) bezeichnet. Die Beschwerden folgen einer typischen Färbung, nämlich der Tricolore der französischen Flagge.

  • Stadium I: plötzliches Erblassen der Finger, vor allem der Fingerendgliede (blasse, weiße Hautfärbung)
  • Stadium II: Blaufärbung der betroffenen Finger infolge des Sauerstoffmangels
  • Stadium III: Rotfärbung der Finger durch die folgende Mehrdurchblutung.

Diese Durchblutungsstörung wird als sehr schmerzhaft beschrieben. Sie kann durch Kältereize an den Händen ausgelöst werden. Selten sind auch die Füße betroffen. Dann kommt es zu diffusen Gefühlsstörungen im Fußbereich.

Ursachen

Die Ursache für das Sjögren-Syndrom ist unbekannt. Es werden hormonelle Faktoren und eine genetische Veranlagung sowie Umwelteinflüsse mit der Erkrankung in Zusammenhang gebracht. Verantwortlich für die Beschwerden beim Sjögren-Syndrom ist eine fehlgerichtete Immunreaktion des Körpers. Sie bewirkt, dass Lymphozyten (Abwehrzellen des Immunsystems) in Schleimhaut-Drüsen eindringen, sich Autoantikörper (also Abwehrstoffe gegen körpereigene Strukturen) bilden und das gesunde Gewebe verdrängen. So kommt es zu verminderter Sekretproduktion und infolge dessen zu Entzündungen an Drüsen, Schleimhäuten, Gelenken und Organen.

Untersuchung

Die Diagnose des Sjögren-Syndroms wird in aller Regel durch eine Blutuntersuchung bestätigt. Typische Laborergebnisse sind:

  • erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit
  • gesteigerte Immunglobulinkonzentration
  • Verminderung der weißen und roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen
  • Antikörper, z. B. Ro- und LA-Antikörper 
  • erhöhte Rheumafaktoren.

Bestätigt wird die Diagnose des Sjögren-Syndroms in der Regel über die mikroskopische Untersuchung von Schleimhautgewebe der Unterlippe (Unterlippenbiopsie). Ergänzt werden diese Methoden durch bildgebende Verfahren wie die Gangdarstellung der Ohrspeicheldrüse (Sialografie) und dem sogenannten Schirmer-Test (Messung der Tränenmenge). Häufig wird auch eine Szintigrafie (Nukleardiagnostik mit radioaktivem Material) angewandt. Mit dieser Untersuchung kann der Arzt genau feststellen, wie viel Speichel gebildet wird und wie weit die Entzündung fortgeschritten ist.

Behandlung

Das Sjögren-Syndrom an sich ist nicht therapierbar. Die ärztliche Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und Entzündungen zu vermeiden. Dazu werden häufig die folgenden Medikamente eingesetzt.

  • Tränenflüssigkeitsersatz mit Filmbildnern wie Hypromellose
  • Regulierung der Speichelsekretion: Pilocarpin
  • Kortison-Präparate gegen die Entzündungsreaktion wie Betamethason, Dexamethason, Methylprednisolon, Prednison oder Triamcinolon
  • Immunsuppressiva zur Minderung des Immunsystems wie Azathioprin oder Ciclosporin.

Homöopathie und Akupunktur

Viele Patienten mit Sjögren-Syndrom berichten, dass Akupunktur und Homöopathie die Beschwerden lindern. Eine wissenschaftliche Bestätigung für diese Erfahrungsberichte steht allerdings noch aus.

Selbsthilfe

Selbsthilfe bei Sjögren-Syndrom erstreckt sich vor allem darauf, die Symptome bzw. die Begleiterkrankungen gut zu behandeln. Bei Entzündungen sollten Sie unverzüglich den Arzt aufsuchen. Des Weiteren helfen die folgenden Empfehlungen:

Wichtig ist die richtige Pflege der Schleimhäute. So können Sie mit regelmäßiger Befeuchtung schon Linderung erzielen: Für die Augen werden Sie mit täglichem Einträufeln von speziellen Augentropfen, eine Art künstlicher Tränen, Abhilfe schaffen.

Trinken Sie mindestens zwei Liter pro Tag, befeuchten bzw. benetzen Sie die Mundschleimhaut immer wieder mit Flüssigkeit. Kauen Sie zuckerfreien Kaugummi, um die Speichelproduktion am Laufen zu halten.

Emser- oder kochsalzhaltige Nasensprays verwenden, die die Nasenschleimhaut befeuchten (jedoch keine wirkstoffhaltigen Nasensprays gegen Schnupfen!), auch Nasen-Öle sind empfehlenswert.

Die Zimmerluft gut befeuchten, meiden Sie Zugluft, Klimaanlagen und überheizte Räume. Bei Zugluft hilft eine Brille, die Augen vor zusätzlicher Austrocknung zu schützen.

Schließen Sie bewusst und häufig Ihre Augenlider. Damit verteilen Sie die vorhandene Tränenflüssigkeit und verringern die Gefahr der Austrocknung.

Bei trockener Vagina verwenden Sie Scheidengel oder eine östrogenhaltige Salbe. Mundspülungen mit Speiseöl vermindern oft das unangenehme Trockenheitsgefühl, zudem gründliche Mundpflege, nach jeder Mahlzeit die Zähne putzen, mit Mundwasser spülen, evtl. kann ein Spray mit künstlichem Speichel helfen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 11.10.2017

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