Sehnenscheidenentzündung

Bei einer Sehnenscheidenentzündung sind die flüssigkeitsgefüllten Umhüllungen von Sehnen, die sogenannten Sehnenscheiden, entzündet. Sehnenscheidenentzündungen werden medizinisch als Tendovaginitis, Peritendinitis oder Paratendinitis bezeichnet. Sehnenscheidenentzündungen treten vor allem im Arm- und Handbereich, aber auch an Schultergelenk und Sprunggelenk auf. Grundsätzlich können sich jedoch alle Sehnenscheiden entzünden. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Sehnenscheidenentzündung.

Synonyme

Tendovaginitis, Peritendinitis, Paratendinitis

Symptome

Sehnenscheidenentzündung

Eine Sehnenscheidenentzündung verursacht häufig stark stechende und ziehende Schmerzen. Die verstärken sich bei Bewegung und bessern sich zum Teil etwas in belastungsfreien Pausen oder Ruhezuständen. Ausgeprägte Sehnenscheidenentzündungen schmerzen hingegen sogar nachts.

Zudem sind Sehnen- und Muskelansätze der betroffenen Sehne stark druckempfindlich. Oft ist der betroffene Bereich geschwollen, überwärmt und gerötet. Auch schmerzhaftes Reiben oder Knirschen der Sehne ist möglich. Selten sind knotige Verdickungen an der Sehne tastbar.

Schnellender Finger bei Sehnenscheidenentzündungen

Das Phänomen des schnellenden Fingers (Tendovaginitis Stetsons) ist auch als Spickfinger bekannt. Dabei klemmt eine knotig verdickte Sehne zunächst in einer Sehnenscheide fest. Durch verstärkten Muskelzug (zum Beispiel beim Fingerstrecken) gleitet sie aus der Verengung heraus und der Finger schnellt plötzlich nach vorn.

Ursachen

Mediziner unterscheiden nichtinfektiöse und infektiöse Ursachen von Sehnenscheidenentzündungen. Bei infektiösen Ursachen hingegen sind Krankheitskeime für Sehnenscheidenentzündungen verantwortlich.

Nichtinfektiöse Ursachen von Sehnenscheidenentzündung

Schnelle Bewegungen oder zu starke Belastungssteigerungen beim Sport sind häufige nichtinfektiöse Ursachen von Sehnenscheidenentzündungen. Auch ständig wiederkehrende (monotone) Belastungen können Sehnenscheidenentzündungen verursachen. Besonders oft von einer Sehnenscheidenentzündung betroffen sind Bäcker, Floristen, Friseure, Köche, Maler, Masseure und Musiker.

Fehlhaltungen als Ursachen von Sehnenscheidenentzündungen

Eine weitere Ursache sind Fehlhaltungen und Fehlbelastungen, zum Beispiel durch eine unergonomische Arbeitshaltung oder Arbeitsplatzgestaltung. Früher bekamen vor allem Schreibkräfte an Schreibmaschinen (insbesondere Sekretärinnen) Sehnenscheidenentzündungen. Moderne Tastaturen aber sind leichter anzuschlagen und kaum noch für eine Sehnenscheidenentzündung verantwortlich. Vielmehr erkranken heute Menschen, die viel am Computer arbeiten, am sogenannten Mausarm (Repetition Strähn Injurie-Syndrom, kurz RSI-Syndrom). Betroffene haben Schmerzen in Nacken, Schulter, Arm und Hand. Seit 2006 ist der Mausarm sogar als Berufskrankheit anerkannt worden.

Sehnenscheidenentzündung durch Rheuma

Auch Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (kurz Rheuma) können eine Sehnenscheidenentzündung hervorrufen. Neuere Studien weisen darauf hin, dass insbesondere abnutzungsbedingte (degenerative) Prozesse (zum Beispiel Arthrose) eine Sehnenscheidenentzündung auslösen können.

Infektiöse Ursachen von Sehnenscheidenentzündung

Nach einer - meist gewaltsamen - Öffnung der Sehnenscheide (Stichverletzungen, aber auch unsauberes Arbeiten von Operateuren) können Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken in die Sehnenscheide eindringen und Entzündungen hervorrufen. Krankheitserreger können sich aber auch im Zuge anderer Krankheiten im Körper ausbreiten und Sehnenscheiden befallen. Dazu gehören zum Beispiel Borrelien, Chlamydien, Gonokokken und Mykoplasmen.

Untersuchung

Die Diagnose von Sehnenscheidenentzündung ist anhand der offenkundigen Symptome und bestimmter Bewegungstests leicht zu stellen. Nur selten muss der Verdacht mit Blut-, Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen bestätigt werden.

Behandlung

Die ärztliche Behandlung von Sehnenscheidenentzündung hat das Ziel, die betroffene Sehne ruhig zu stellen, die Entzündung zu bekämpfen und Schmerzen zu lindern. Das gelingt in der Regel mit Verbänden und Medikamenten. Nur selten ist eine Operation nötig.

Schonung

Der Körperteil mit akuter Sehnenscheidenentzündung sollte unbedingt ruhig gehalten und geschont werden. Dabei helfen Bandagen, Schienen sowie Halte- und Stützverbände. Zudem sollte die für die Sehnenscheidenentzündung verantwortliche Tätigkeit unbedingt gemieden werden. Jede weitere Belastung würde den Heilungsprozess verzögern.

Medikamentöse Therapie

Entzündungshemmende Wirkstoffe können bei der medikamentösen Behandlung von Sehnenscheidenentzündung in Form von Tabletten oder Creme- bzw. Salbenverbänden genutzt werden. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Aceclofenac, Dexiprofen, Diclofenac, Etofenamat, Heparin-Natrium, Hydroxyethylsalicylat, Flufenaminsäure, Indometacin, Ketoprofen, Naproxen und Piroxicam. Bei ausgeprägter Sehnenscheidenentzündung kann der Arzt auch Kortison in die entzündete Region spritzen. Damit wird die Entzündungsreaktion rasch beendet und der Heilungsverlauf läuft schneller ab.

Schmerzen bei Sehnenscheidenentzündungen lindern

Bei Schmerzen helfen nicht-opioide Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Metamizol, Paracetamol und Phenazon. Sehr starke Schmerzen können mit opioiden Schmerzmitteln wie Tramadol und Tilidin gelindert werden. Mitunter empfehlen Ärzte bei starken Beschwerden eine Injektionstherapie mit örtlichen Betäubungsmitteln (Lokalanästhetika) wie Procain und Xylocain.

Operative Therapie von Sehnenscheidenentzündungen

In seltenen Fällen müssen Sehnenscheidenentzündungen operativ behandelt werden. Während einer Operation wird die verengte Sehnenscheide gespalten und die Sehne freigelegt.

Selbsthilfe

Ratsam ist es, die entzündete Region im Akutstadium zu schonen bzw. nicht weiter zu belasten. Nach einigen Tagen können Sie wieder mit leichten Bewegungen beginnen. Tipps, wie sie es richtig machen, erhalten Sie von Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten. Kühlende Maßnahmen wie Eis und Coolpacks werden von den meisten Betroffenen mit Sehnenscheidenentzündung als wohltuend empfunden. Legen Sie das Eis dabei aber keinesfalls direkt auf die Haut! Sonst könnten verbrennungsähnliche Verletzungen entstehen. Kühlend, entzündungshemmend und abschwellend wirken Umschläge mit den Antiseptika Rivanol und Chinosol.

Vorbeugung

Um einer Sehnenscheidenentzündung vorzubeugen, sollten Sie folgende Tipps beherzigen:

  • Pausen einlegen: In erster Linie wird empfohlen, monotone Arbeiten durch Pausen zu unterbrechen oder durch entsprechende Hilfsmittel zu erleichtern. Beanspruchte Körperteile, wie Hände, Arme oder Schultern sollten zwischendurch immer mal wieder bewegt und „ausgeschüttelt“ werden. Wechseln Sie am Computer zwischen Tastenkombinationen und Mausbewegungen ab.
  • Arbeitsplatz anpassen: Zudem ist es ratsam, die Arbeitsumgebung ergonomisch anzupassen. Insbesondere am Computerarbeitsplatz gibt es viele sinnvolle Hilfsmittel wie ergonomisch geformte Mäuse, Tastaturen, Polster und Armauflagen.
  • Aufwärmen: Vor längerem und intensivem Arbeiten helfen Aufwärmübungen und Lockerungen der Hände und Handgelenke sowie der Schultern. Musikern hilft ein lockeres Warmspielen vor dem eigentlichen Spiel, um Sehnenscheidenentzündungen vorzubeugen.
  • Keine gewaltsamen Bewegungen: Vermeiden Sie gewaltsame Bewegungen bei überbeanspruchten Händen, Armen und Schultern. Ebenso sollte das gewaltsame Auseinanderzwingen von Fingern unterbleiben. Bei Überbeanspruchung sind auch Kräftigungsübungen kontraproduktiv. Diese würden die überbeanspruchte Region zusätzlich belasten und im ungünstigsten Fall eine Sehnenscheidenentzündung auslösen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.09.2013

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