Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie)

Schwangerschaftsvergiftungen sind die häufigste Ursache für Todesfälle bei der Geburt. Weiterhin müssen jährlich bis zu 20.000 Kinder frühzeitig wegen Präeklampsie entbunden werden. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Schwangerschaftsvergiftung.

Synonyme

Präeklampsie, EPH-Gestose, Spätgestose

Definition

Blutabnahme von einer Schwangeren

Die Schwangerschaftsvergiftung (die fachliche Bezeichnung ist Präeklampsie) ist eine Schwangerschaftserkrankung, die meistens in der zweiten Schwangerschaftshälfte, sehr selten auch vor der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) auftritt. Früher wurde sie auch als EPH-Gestose oder Spätgestose bezeichnet. 

Risikogruppen für Präeklampsie

Ein deutlich höheres Risiko für eine Schwangerschaftsvergiftung besteht bei Frauen, die bereits in früheren Schwangerschaften eine Präeklampsie hatten. Diabetes mellitus Typ 1, chronischer Bluthochdruck und chronische Nierenerkrankungen sind weitere Risikofaktoren für eine Schwangerschaftsvergiftung. Ebenfalls häufiger als beim Durchschnitt aller Schwangeren ist die Erkrankung bei Frauen, in deren Familie schon Präeklampsien aufgetreten sind.

Auch Frauen mit einem Antiphospholipidsyndrom (eine Erkrankung, die mit erhöhter Neigung zu Thrombosen einhergeht) oder bestimmten genetischen Veränderungen (Angiotensinogen-Genmutation) erkranken eher an einer Präeklampsie. Außerdem gelten Spät- oder Frühgebärende, stark über- oder untergewichtige Frauen sowie solche mit Mehrlingsschwangerschaften als gefährdet.

Mögliche Folgen der Schwangerschaftsvergiftung

Die Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich, in schweren Fällen  kann es zu lebensbedrohlichen Krampfanfällen (Eklampsie) oder dem sogenannten HELLP-Syndrom kommen, bei dem die roten Blutkörperchen zerfallen, die Leberwerte steigen und die Anzahl der Blutplättchen sinkt. Als Warnzeichen für das HELLP-Syndrom gelten Schmerzen im Oberbauch.

Weitere mögliche Komplikationen sind Nieren- oder Leberversagen, Störungen im zentralen Nervensystem oder eine Ablösung der Plazenta. Eine erhöhte Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn mehrere der Symptome gemeinsam auftreten.

Folgen der Schwangerschaftsvergiftung für das Kind

Zu den Folgen einer Schwangerschaftsvergiftung für das Kind gehört in erster Linie das erhöhte Risiko für eine Fehlgeburt. Für den Fall des Überlebens drohen dem Fötus Wachstumsbehinderungen.

Häufigkeit

Bei etwa 5 bis 8 Prozent aller Schwangeren kommt es zu einer Schwangerschaftsvergiftung. Jährlich sterben in Deutschland bei der Geburt 5 Frauen an den Folgen einer Präeklampsie. Besonders häufig betroffen sind Frauen im Alter über 35 Jahre. Etwa 15.000 bis 20.000 Kinder müssen pro Jahr aufgrund einer Schwangerschaftsvergiftung vorzeitig entbunden werden.

Symptome

Die wesentlichen Symptome der Schwangerschaftsvergiftung sind Bluthochdruck (Hypertonie), erhöhte Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie, häufig als schäumender Urin erkennbar) sowie Wassereinlagerungen (Ödeme, Schwellungen) an Händen, Füßen oder im Gesicht. In schweren Fällen sind Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Lichtempfindlichkeit, Augenflimmern oder Sehstörungen möglich. Zudem können die Reflexe gesteigert sein, was der Arzt mit dem Reflexhammer prüfen kann. Auch die Leber kann an einer Schwangerschaftsvergiftung beteiligt sein, was erhöhte Leberwerte zur Folge hat

Ursachen

Die genauen Ursachen der Schwangerschaftsvergiftung sind unklar. Es scheint aber so zu sein, dass der Mutterkuchen (Plazenta) aufgrund einer Fehlentwicklung seiner arteriellen Gefäße nicht richtig funktioniert. Diskutiert werden zudem Störungen im Stoffwechsel von Prostaglandinen (an Entzündungen beteiligte Botenstoffe) als Ursache der Präeklampsie. Daneben gibt es Hinweise, dass Schwangerschaftsvergiftungen in Zusammenhang mit Bluthochdruck, Diabetes (vor allem Typ  2) und Fettleibigkeit (Adipositas) in Zusammenhang stehen könnten. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Parodontitis das Risiko für eine Präeklampsie erhöhen könnte. Eindeutig belegt sind diese Zusammenhänge bislang aber nicht.

Untersuchung

Je früher eine Schwangerschaftsvergiftung erkannt und behandelt wird, umso günstiger ist die Prognose für die Mutter und für das Kind. Deshalb sollten Schwangere regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Durch diese Kontrolle wird der Frauenarzt in der Regel schnell auf mögliche Anzeichen einer Präeklampsie aufmerksam.

Bei jeder Schwangerschaftsroutineuntersuchung wird Blutdruck gemessen, der Eiweißgehalt im Urin bestimmt und das Gewicht kontrolliert. Insbesondere bei Risiko-Patientinnen sollte zudem regelmäßig das Blut untersucht werden, da sich einige Blutwerte verändern können (z.B. Leberwerte, Blutplättchen, Hämatokrit und Kreatinin). Ein Bluthochdruck von mehr als 140 zu 90 mmHg und eine Eiweißausscheidung im Urin über 300 mg in 24 Stunden sind Anzeichen für eine Schwangerschaftsvergiftung.

Auch Flüssigkeitseinlagerungen in Füßen, Händen oder im Gesicht können auf eine Präeklampsie hinweisen. Künftig könnte eine weitere Untersuchungsmethode mehr Sicherheit bei der Diagnose bieten. Bei Frauen, die eine Präeklampsie entwickeln, konnten veränderte Blutwerte festgestellt werden: einen höheren sFlt1-Spiegel (soluble fms-like tyrosine kinase-1, auch VEGF-Rezeptor-1) und eine niedrige PlGF-Konzentration (placental growth factor). Man geht davon aus, dass sich durch diese Blutuntersuchung die Früherkennung einer Präeklampsie deutlich verbessert.

Behandlung

Komplexe Verläufe einer Schwangerschaftsvergiftung müssen stationär überwacht werden.

Therapie bei schwerer Präeklampsie

Für schwere Fälle gibt es bisher keine gezielte Therapie. Es bleibt nur, vorzeitig die Geburt einzuleiten, um Mutter und Kind zu retten. Blutdrucksenkende Mittel werden in der Regel erst bei Werten über 170 mmHg und/oder 100 mmHg eingesetzt. Über weitere Maßnahmen wie Infusionen gegen den Eiweißverlust oder vorbeugende Medikamente gegen Krampfanfälle wird individuell entschieden. Bei sehr schweren Fällen mit Lebensgefahr für Mutter und/oder Kind muss die Geburt vorzeitig eingeleitet werden, ab der 34. Schwangerschaftswoche raten Experten in jedem Fall dazu.

Therapie bei leichter Präeklampsie

Bei leichter Ausprägung der Präeklampsie genügen oft Schonung bis hin zur Bettruhe und Umstellung der Ernährung. Empfohlen wird eine eiweiß-, salz- und kalorienreiche Kost.

Krankheitsverlauf

Die Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich, in schweren Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Krampfanfällen (Eklampsie) oder dem sogenannten HELLP-Syndrom kommen, bei dem die roten Blutkörperchen zerfallen, die Leberwerte steigen und die Anzahl der Blutplättchen sinkt. Als Warnzeichen für das HELLP-Syndrom gelten Schmerzen im Oberbauch. Weitere mögliche Komplikationen sind Nieren- oder Leberversagen, Störungen im zentralen Nervensystem oder eine Ablösung der Plazenta. Eine erhöhte Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn mehrere der Symptome gemeinsam auftreten.

Zu den Folgen einer Schwangerschaftsvergiftung für das Kind gehört in erster Linie das erhöhte Risiko für eine Fehlgeburt. Für den Fall des Überlebens drohen dem Fötus Wachstumsbehinderungen.

Vorbeugung

Eine konsequente und regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge macht es möglich, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können. Bei Frauen, die bereits eine schwere Präeklampsie durchlebt haben, kann die Einnahme von Acetylsalicylsäure (100 mg täglich) ab der 16. SSW vor einer erneuten Präeklampsie schützen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.11.2018

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